zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

15. Dezember 2017 | 02:30 Uhr

Windkraft: Ein Sturm des Protests

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Heftiger Streit in der Stadtvertretung Bargteheide aber Mehrheit für städtebaulichen Vertrag mit der Bürgerwindpark GmbH und Co KG

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2013 | 00:36 Uhr

Jetzt hat die Debatte um den Bürgerwindpark auch die Bargteheider Stadtvertretung erreicht. Etwa 40 Gegner durften ihre Argumente in einer verspäteten Fragestunde vorbringen. Doch eine klare Mehrheit von Stadtvertretern stimmte nach hitziger Debatte für das Projekt. CDU, Grüne und SPD votierten für den Abschluss eines städtebaulichen Vertrags mit der Bürgerwindpark GmbH und Co KG.

Dagegen stimmten erwartungsgemäß WfB und FDP. Umgeschwenkt ist Marion Luig-Wölffel von der Wählergemeinschaft. „Ich war eine Befürworterin der Anlagen“, sagte sie, „aber wir wurden überrumpelt.“ Unter wachsendem Druck im Nacken sei abgestimmt worden. „Jetzt befürchte ich, dass die Stadt auf den Kosten hängen bleibt.“

17 Bargteheider Stadtvertreter stimmten schließlich für den Vertrag, sieben dagegen. Sechs Kommunalpolitiker waren nicht dabei, weil sie als möglicherweise befangen gelten.

Für die Stadt gebe es kein finanzielles Risiko, versicherte Joachim Teschke, Geschäftsführer der GmbH: „Das übernehmen wir.“ Wenn die Erträge nicht den Erwartungen entsprächen, werde die Rendite geringer als prognostiziert ausfallen. Die Berechnungen seien aber sehr vorsichtig gestaltet.

„Bei unserer Vorstellung im Restaurant Utspann haben wir 60 Mitgliedsanträge erhalten“, sagte Erwin Zonker von der BI Gegenwind. Inzwischen seien es über 100 Mitstreiter. Die Initiative sei nicht generell gegen Windkraftanlagen: „Aber die geplanten Windräder sind überdimensioniert, das geht zu Lasten von Natur und Gesundheit.“ Die Bürger seien in keiner Weise ins Projekt eingebunden worden. „Es wird eine Reihe von Aktionen dagegen geben“, kündigte er an.

Es gebe ernst zu nehmende Studien aus dem Ausland, die auf gesundheitliche Gefahren hindeuteten, argumentierte Prof. Henning Müller zum Hagen von der Initiative. „Namhafte Wissenschaftler aus Schweden, USA und Dänemark weisen darauf hin.“ Vor allem die Dauerberieselung durch Infraschall sei noch nicht ausreichend untersucht. In Deutschland verhindere die Wind-Lobby das.

Andere warfen den Politikern vor, eigene finanzielle Interessen zu haben. Die betreffenden Acht, die Anteile an der GmbH halten oder durch ihre Verwandtschaftsbande privat befangen sein könnten, hatten vor der Debatte allerdings den Raum verlassen. Dass die Stadt für die Gutachten in Vorleistung gegangen sei, stelle eine verdeckte Subvention dar, so ein Gegner: „Die Verluste werden dann sozialisiert.“

„Die Geister die wir riefen, werden wir jetzt nicht mehr los“, kritisierte Norbert Muras (WfB), „die Situation ist ausweglos.“ Nur von außen könne das Projekt noch gestoppt werden, nämlich durch die Flugsicherung oder die Gesundheitsbehörde.

„Die Alternative wäre, dass ein Investor kommt und einfach etwas hin baut“, so Isabell Steinau von den Grünen. Dann werde nicht so sorgfältig begutachtet. „Es geht darum, wollen wir eine Bürgeranlage unter städtischem Einfluss oder nicht?“, brachte Andreas Bäuerle (SPD) die Diskussion auf den Punkt. Die Stadt habe mit hohem Gutachter-Aufwand die Sicherheit der Bürger im Auge. Das Bau-recht bestehe ohnehin schon.



zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen