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Stormarner Tageblatt

21. August 2017 | 12:33 Uhr

Stormarn : Wiederwahl und kritische Töne

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gerd Riemann bleibt Kreiswehrführer. Alarmierungen durch das neue Leitstellenprogramm „Cobra4“ bereiten Riemann aber große Sorgen.

Er sieht noch einige Aufgaben, die er bewältigen möchte, und er darf es weiterhin in der von ihm selbst gewünschten Position tun: Gerd Riemann ist mit 133 Ja-Stimmen auf der Jahresversammlung der Stormarner Feuerwehren erneut zum Kreiswehrführer gewählt worden. 22 Wahlberechtigte stimmten gegen ihn, obwohl es keinen Gegenkandidaten gab.

Der alte und neue Kreiswehrführer blickte in seiner Ansprache auf das letzte Jahr zurück. Die Wehren im Kreis rückten zu 545 Bränden aus, ganze 523 Mal wurden sie allerdings auch zu Fehlalarmen geschickt, 1315 Mal waren technische Hilfsleistungen der Grund für die Alarmierung und 520 sonstige Einsätze wie Sicherheitswachen oder Brandschutzaufklärungen erwarteten die Kameraden. Das macht 2903 Einsätze gesamt. 215 Menschen konnten gerettet, 38 Personen leider nur noch tot geborgen werden. 32 Feuerwehrleute zogen sich bei Einsätzen und Übungen Verletrzungen zu.

Die Zahl der Wehren im Kreis ist mit 88 stabil. Insgesamt gibt es 3264 aktive Mitglieder. „Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig, aber nicht im alarmierenden Maße“, erläuterte Riemann. Die Ehrenabteilungen zählen aktuell 994 Mitglieder. In den 13 Musik- und Spielmannszügen gehen 366 Musiker ihrem Hobby nach. Die Jugendwehren können auf insgesamt 762 Nachwuchskräfte setzen. Dort liegt der Mädchenanteil bereits bei 27,4 Prozent. In den Einsatzabteilungen allerdings liegt er weiterhin nur bei 9,45 Prozent. „Wir brauchen jede Frau, die sich zur Mitarbeit in einer Freiwilligen Feuerwehr bereit erklärt. Der Anteil der Kameradinnen trägt zur Stärkung der Tagesverfügbarkeit entscheidend bei“, so Riemann.

Auch einige Flüchtlinge seien in den Wehren aufgenommen worden. „Eine begrenzte Mitgliedschaft als Schnupperzeit noch vor dem Status als Feuerwehranwärter ist jedoch bisher im Feuerwehrrecht nicht vorgesehen und daher auch versicherungstechnisch nicht gedeckt“, zeigte Riemann ein Problem auf.

Zum Streitthema Kameradschaftskassen wollte sagte Riemann: „Der Bürokratismus ist von den Wehren im KFV Stormarn weder gewollt noch wird er gutgeheißen. Er ist aber die Rechtslage in unserem Land und daran müssen wir uns halten.“

Größere Probleme sieht Riemann beim neuen Leitstellenprogramm des Kreises: „Cobra4“. Zwar werde einer möglichen nicht vorhandenen Tagesverfügbarkeit durch die neue Alarmierungsform und die eingepflegten Personalbestände entgegengewirkt, doch daraus sei ein „Hang zur oft überzogenen Alarmierung von Kräften eingetreten.“ Das sei ihm ein großer Dorn im Auge. „Es werden viele Kräfte unnötig aus der Arbeit oder aus dem Schlaf gerissen, um dann noch beim Anrücken oder direkt nach der Ankunft am Einsatzort wieder abrücken zu müssen. Das führt zu einer Einsatzmüdigkeit. Auch Vorgesetzte sehen das alles andere als positiv“, weiß Riemann: „Wir machen uns so die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Wehren im Kreis auf lange Sicht kaputt. Aber vielleicht ist das ja sogar so gewollt.“

„Ich denke, dass nach ersten Schwierigkeiten Cobra 4 jetzt schon viel besser und gut läuft“, entgegnete Landrat Dr. Henning Görtz. „Wir werden da aber weiter dran arbeiten. Ich glaube, dass einige Probleme schon vorher bestanden und jetzt nur ans Tageslicht gebracht wurden“, gab der Landrat zu bedenken. Gut laufe definitiv die Einführung des Digitalfunks, die bis Ende 2017 abgeschlossen sein soll.

Eine größere unerwartete Baustelle hat sich bei den Jahresabrechnungen des KFV ergeben. Das Prüfungsamt habe mitgeteilt, dass die Abschlüsse nicht der Gemeindehaushaltsordnung entsprächen. Daher würden gerade die Abschlüsse ab 2013 neu aufgearbeitet. Ende des Jahres muss daher erneut zu einer Versammlung geladen werden, um die Abschlüsse per Abstimmung auf den Weg bringen zu können. „Dieser Bereich und eine gut aufgestellte Geschäftsstelle möchte ich unbedingt noch in meiner Amtszeit abschließen. Daher bin ich nochmal angetreten“, sagte Riemann.

„Ich habe großen Respekt vor der Arbeit der Wehren. Der Ausbildungsstand im Kreis ist sehr gut“, lobte Görtz. Genau wie Riemann appellierte er an die Gemeinden, bei notwendigen Neu- und Ausbauten von Wachen den Dialog zu suchen und Lösungen zu finden. Außerdem verkündete Görtz, dass das neue Katastrophenschutzzentrum in Hammoor gebaut werden wird. „Wir machen da noch dieses Jahr ernst.“ Über eine neue Leitzentrale werde außerdem auch mit der Polizei und mit der Hansestadt Lübeck gesprochen. „Manche hier hören es nicht gerne, weil sie an ihren alten Strukturen hängen“, weiß Görtz.

„Machen Sie so weiter, vor allem auch im Bereich der Jugendausbildung. Sie leisten wichtige Arbeit und ohne Sie wären viele Veranstaltungen im Kreis gar nicht möglich“, lobte Kreispräsident Hans-Werner Harmuth.

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erstellt am 10.Apr.2017 | 06:00 Uhr

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