Klartext : „Wiederaufstieg wäre Mega-Überraschung“

Die Richtung ist klar:  Oliver Zapel möchte wieder hoch in die Fußball-Regionalliga. Doch der Trainer des SV Eichede weiß auch, dass die Saison in der SH-Liga für seine Elf nicht leicht werden wird.
Die Richtung ist klar: Oliver Zapel möchte wieder hoch in die Fußball-Regionalliga. Doch der Trainer des SV Eichede weiß auch, dass die Saison in der SH-Liga für seine Elf nicht leicht werden wird.

Oliver Zapel, Fußballtrainer des Regionalliga-Absteigers SV Eichede, spricht im Interview über die vergangene Saison und die Zukunft in der SH-Liga.

shz.de von
19. Juni 2014, 06:00 Uhr

Nach nur drei Wochen Pause bat Oliver Zapel am Montagabend im Anschluss an den WM-Kick der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal seine Fußballer bereits zum Trainingsauftakt. Auf dem Gelände in Grande/Kuddewörde fiel der Startschuss zur Vorbereitung auf die Spielzeit 2014/15. Der SVE-Trainer begrüßte nach dem Abstieg aus der Regionalliga 27 Akteure zum Trainingsstart. Richtig zur Sache geht es am Freitag, wenn die inzwischen dritte Auflage des „Boot-Camps“ ansteht. Nach dem Startschuss in den Boberger Dünen geht es allerdings nicht wie in den Jahren zuvor an den Ratzeburger See, sondern nach Eichede. Dort wird nicht nur geschuftet, sondern auch in Zelten übernachtet. Anfang Juli steht zudem ein Trainingslager in Adendorf (2. bis 6. Juli) auf dem Programm. Bis zum Punktspielauftakt in der SH-Liga am ersten August-Wochenende werden insgesamt zehn Testspiele absolviert. Das Tageblatt sprach mit Trainer Oliver Zapel über die Vergangenheit und die Zukunft.

Oliver Zapel, haben Sie in Ihrem Urlaub in Griechenland die vergangene Spielzeit aufgearbeitet?

Ja, klar. Bahnbrechende Erkenntnisse habe ich aber nicht gefunden. Vielleicht wäre mein Fazit anders ausgefallen, wären da nicht die letzten zwei Spiele gewesen, in denen wir bewiesen haben, dass wir voll auf Augenhöhe waren. Für uns war die 4. Liga ein tolles Erlebnis, wir haben die Saison genossen. Wir sind oft über das Limit gegangen. Schade, dass es trotzdem nicht gereicht hat. Aber ein Beinbruch ist für uns der Abstieg nicht.

Fehlte es einfach nur an der nötigen Qualität im Team?

Das wäre zu einfach, da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Nach dem Aufstieg wurde bei vielen der Aufwand unterschätzt. Natürlich waren wir auch spielerisch limitiert. Das ist aber nicht ungewöhnlich für einen Aufsteiger. Im Laufe der Saison fehlte zudem bei einigen Jungs die Überzeugung, die Klasse halten zu können.

War der Doppelaufstieg zuvor aus Ihrer Sicht nun Segen oder Fluch?

Das war das Schlimmste, was geschehen konnte. Plötzlich mussten wir jede Menge Spieler verpflichten, um in der SH- und Regionalliga wettbewerbsfähig zu sein. Im Nachhinein muss ich gestehen, dass das nicht aufgegangen ist. Besser wäre es gewesen, der Unterbau wäre in der Verbandsliga geblieben.

Der Gesamtleistungskader zählte am Anfang der Saison 53 Spieler – und alle haben sich anscheinend Hoffnungen gemacht, in der Regionalliga zu spielen. Wurde es im Vorwege verpasst, klare Zeichen zu setzen?

Wir haben es verpasst, eine klare Trennung zwischen SH- und Regionalligateam zu vollziehen und nicht richtig kommuniziert. Das war ein Fehler. So kam unnötig Unruhe rein.

Klingt, als wären Sie blauäugig in die Saison gegangen.

Nein, so würde ich das nicht sagen. Wir hatten einfach zu wenig Zeit, sind da eher reingestolpert. Vielleicht hätten wir uns mehr Informationen über die Regionalliga einholen, alles anders strukturieren müssen. Statt drei gestandene Spieler zu verpflichten, an deren Seite andere besser hätten mitschwimmen können, wollten wir den Jungs, die aufgestiegen waren, die Chance geben zu spielen. Vielleicht wären wir anders besser gefahren.

Seit Montag wird wieder trainiert. Warum der frühe Start?

Wir brauchen einfach die Zeit, weil wir unsere Spielphilosophie komplett verändern müssen. Letzte Saison stand oft die Defensivarbeit im Fokus. In der SH-Liga wird das anders. Dort müssen wir mehr mit dem Ball arbeiten, das Spiel machen, Angriffe und Chancen kreieren.

Von der SH-Ligakonkurrenz werden Sie als Topfavorit gehandelt. Auch von Ihren Kickern war das Wort Wiederaufstieg schon zu hören. Ist das realistisch?

Ob wir nun der Topfavorit sind, weiß ich nicht. Weil wir ein Jahr in Regionalliga gespielt haben, bekommen wir diesen Stempel aufgedrückt. Doch die SH-Liga ist kein Wunschkonzert. Für mich wäre ein direkter Wiederaufstieg eine Mega-Überraschung. Aber natürlich sind wir gierig, wollen gerne wieder hoch. Doch zunächst müssen alle erst einmal den Abstieg verarbeiten. Danach müssen wir wieder zurück in die Spur kommen. Ziehen alle durch, werden wir unter den ersten drei Teams landen, vielleicht aber auch Meister werden.

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