Hammoor : Wieder brennen die Ballen

Ratlos: Landwirt und Pferdezüchter Hans-Joachim Gerken vor den qualmenden Resten seiner Strohballen.
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Ratlos: Landwirt und Pferdezüchter Hans-Joachim Gerken vor den qualmenden Resten seiner Strohballen.

Fünfte Brandstiftung bei Landwirt Hans-Joachim Gerken: Seine gut versteckte Strohmiete brannte nieder. In den Ahrensfelder Fällen ist Anklage erhoben

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06. Mai 2015, 06:00 Uhr

Vor fünf Monaten brannten zuletzt Strohballen von Hans-Joachim Gerken. Das war bereits die vierte Brandstiftung bei dem 64-jährigen Landwirt, der auch erfolgreich eine Pferdezucht betreibt. In der Nacht zu gestern gingen erneut 200 seiner Rundballen in Flammen auf.

Das Lager befand sich weitab der Ortslage auf einer Wiese, wo normalerweise niemand hinkommt. „Wir haben das Stroh extra dort gelagert, weil es abgelegen und eigentlich nicht zu sehen ist. Es war sogar extrem aufwändig, das Stroh dorthin zu bringen“, sagt Gerken. Das sei damals auch mit dem Wehrführer abgesprochen worden, doch geholfen habe das ja nun auch nicht. „Wenn ich jemanden was Unrechtes getan habe, dann soll er mir das sagen, dann können wir das aus der Welt räumen. Aber nicht auf solche Art und Weise“, sagt Gerken, der dem Geschehen hilflos gegenüber steht.

Die Versicherung hatte bereits nach dem dritten Feuer den Vertrag gekündigt und zahlt nichts mehr. Auf dem aktuellen Schaden, den er auf „mindestens 10  000 Euro“ schätzt, bleibt er sitzen. „Es bringt auch nichts, eine Halle zu bauen, das Stroh einzulagern. Dann brennt auch noch die Halle ab, und der Schaden liegt dann bei über 100  000 Euro“, so Gerken.

Die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Hammoor, die – wieder einmal – mitten in der Nacht um 2.20 Uhr aus dem Schlaf gerissen wurden, ließen das große Strohlager kontrolliert abbrennen. Als sie am Einsatzort eintrafen, stand die Miete bereits voll in Brand. „Da war nichts mehr zu machen“, sagte Gemeindewehrführer Hans Kunde. Gestern Nachmittag mussten die Hammoorer noch mal raus, mit Unterstützung der Ahrensburger, die mehrfach Wasser mit dem Tanklöschfahrzeug dorthin fuhren.

Kunde geht von Brandstiftung aus, auch weil sich die Wiese am entlegensten Ortsrand der Gemeinde befindet. „Ich glaube aber nicht, dass es etwas mit den Brandstiftungen des vergangenen Jahres zu tun hat. Diese Ecke kennt eigentlich kein Auswärtiger. Das muss jemand mit viel Insiderwissen gewesen sein“, vermutet Kunde. Die Feuerwehr helfe gern, wenn Menschen oder Tiere in Not seien, „aber diese Brandstiftungen sind so unnötig wie nur irgendwas“, so der Wehrführer.

Die Polizei hat noch in der Nacht die Ermittlungen aufgenommen, am Vormittag war ein Experte am Ort des Geschehens. Die „Ermittlungsgruppe Florian“, die wegen der Brandstiftungen in Ahrensfelde bei der Kripo in Ahrensburg eingerichtet worden war, ist gerade, zum 30. April, aufgelöst worden, wie Polizeisprecherin Sonja Kurz bestätigt.

Sechs Personen, vier davon aus der Ahrensfelder Ortswehr, waren Ende vergangenen Jahres festgenommen worden. Weil die vier jungen Männer im Alter von 19 bis 21 Jahren schnell unter Verdacht geraten waren, hatten sie Bekannte aus Hamburg angeheuert, die weitere Brände legten, um den Verdacht von sich abzulenken. Die Anklage ist erhoben. Die vier werden sich für neun Taten vom 30. Oktober 2013 bis zum 27. Oktober 2014 verantworten müssen. Nur die ersten beiden haben sie wohl selbst gelegt. Weil sie anscheinend genau vorgegeben hatten, wann und wo die Brände gelegt werden sollten, sind die vier Feuerwehrleute nicht nur als Anstifter, sondern auch als Täter angeklagt.

Wegen des Umfangs der Taten wollte die Staatsanwaltschaft vor der Jugendkammer des Landgerichts verhandeln, die sah sich jedoch nicht zuständig und verwies an das Jugendschöffengericht. Der Prozess gegen die beiden anderen Brandstifter wird vor dem Amtsgericht Ahrensburg verhandelt. Ihnen werden acht Taten mit einem einen Schaden von 84  000 Euro zur Last gelegt, darunter sechs Brände und ein Autoaufbruch samt Unfallfahrt.

Die Staatsanwaltschaft hat fünf der sechs Verdächtigen gegen Auflagen aus der Haft entlassen. Einer blieb wegen einer weiteren Strafsache in Haft. Termine für die Verhandlungen gibt es noch nicht. Rund 100 Brandstiftungen in Stormarn in den vergangenen beiden Jahren sind noch unaufgeklärt.

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