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Widerstand : Wie viel Fluglärm bekommt Stormarn von Hamburg ab?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eine Hamburger Kommission legt morgen ihre Vorschläge zur Länge der Anflugstrecken auf Fuhlsbüttel vor.

Zur morgigen Sitzung der Hamburger Fluglärmschutzkommission (FSLK) machen Bürgerinitiativen und Bürgermeister mobil. Die FSLK will über die Anflugstrecken beraten und damit über die Frage, wie sich der Fluglärm über dem Nordosten Hamburgs und im Bereich Ahrensburg/Großhansdorf und Bargteheide verteilt.

Es geht vor allem um die Länge der Anflugstrecken. Die Bürgerinitiative Alstertal/Walddörfer (BAW) fordert auf Basis des Zehn-Punkte-Plans der Bürgerschaft einen standardisierten Anflug aus zehn nautischen Meilen (NM). Die Kommission geht davon aus, dass zehn NM, etwa 18,5 Kilometer, keine Entlastung für die Hamburger Stadtteile bedeuten, aber neue Belastungen und Konfliktpotenziale in Schleswig-Holstein entstehen, vor allem im Bereich Ahrensburg und Bargteheide.

Das sieht die BAW ganz anders. „Mit dem Zehn-Punkte-Plan zum Schutz gegen Fluglärm, hat die Bürgerschaft unmissverständlich vorgegeben, welches Handeln von der FLSK und DFS erforderlich ist, um eine lärmmindernde Optimierung der Landeanflüge zu erreichen“, sagt Sprecher Martin Mosel. Zehn NM seien auch weltweit Standard.

Die Deutsche Flugsicherung DFS weigert sich nach Mosels Meinung aus wirtschaftlichen Gründen, die zehn NM zum Standard zu machen. Bis 2009 sei das so gewesen, und die Fluglärmbelastung habe in einem „annähernd verträglichen Rahmen“ gelegen. Dann habe man den die Forderungen der Fluggesellschaften nachgegeben die durch verkürzte An- und Abflüge Kerosin einsparen wollten. Nun würde die DFS die Gefahr von neuen Betroffenheiten im Raum Ahrensburg und Bargteheide „heraufbeschwören“, um zehn NM als Standard zu verhindern, und die Kommission mache sich das zu eigen, kritisiert Mosel. Die Einfädelung erfolge bei den langen Anflügen wesentlich höher und finde hauptsächlich über landwirtschaftlichem und dünn besiedeltem Gebiet statt. Das Argument, dass es dadurch mehr Fluglärm über Stormarn gebe, sei „vorgeschoben und schlicht falsch.“

Wenn sich die DFS „unaufgefordert zum Anwalt der Bargteheider und Ahrensburger macht“, wollte sie vermutlich die Fluglärmgegner gegeneinander ausspielen, so Mosel. Das sei aber nicht gelungen. Beim jüngsten Treffen der Initiative in Lemsahl-Mellingstedt habe es einen Schulterschluss mit den Gästen aus Ahrensburg und Bargteheide gegeben. Die BAW habe sich für die Belange der fluglärmbetroffenen Stormarner geöffnet.

Wenn Flugzeuge aus zehn NM einfädeln, beginnt der Sinkflug in größerer Höhe, da der Winkel immer drei Grad beträgt. Dafür ist dann der Umkreis größer, in dem der Flughafen angesteuert wird. Auch wenn die größere Höhe für weniger Lärm am Boden sorgt, nutzt es den Walddörfern wenig, da die Flughöhe dort immer gleich ist.

Anders bei den Sichtanflügen ab vier NM, da die Flugzeuge dann schon tief über den Walddörfern fliegen müssen, bevor sie einfädeln. Deshalb war im Juli 2013 ein Probebetrieb mit mindestens sieben NM begonnen worden. Allerdings hätten „die Beschwerden nicht abgenommen“, steht im Juni-Sitzungsprotokoll der FSLK.

Anfang September hatte die Kommission sich wieder mit dem Thema befasst und wagen der „hohen Komplexität“ eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Die legt ihre Ergebnisse in der morgigen Sitzung vor. „Ich hoffe, dass Anflüge aus vier NM nicht mehr möglich sein werden“, sagt Hamburgs Fluglärmschutzbeauftragte Gudrun Pieroh-Joußen aus der Wirtschaftsbehörde. Sie informiert am Montag in Großhansdorf Stormarner Bürgermeister und Verwaltungsleiter über den Sachstand und die Beschlüsse der FLSK.

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erstellt am 24.Sep.2014 | 18:40 Uhr

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