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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 18:19 Uhr

„Wie können wir das übertragen?“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ministerpräsident Torsten Albig besuchte die als Beste Schule Deutschlands ausgezeichnete Anne-Frank-Schule

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Die Anne-Frank-Schule hat in diesem Jahr viele Lorbeeren eingeheimst. Das reformpädagogische Konzept wurde mit dem Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung ausgezeichnet. Jetzt würdigte Ministerpräsident Torsten Albig die Gemeinschaftsschule mit einem Besuch. „Man spürt hier einen Ort der gegenseitigen Wertschätzung“, sagte Albig, „diese Idee sollte im Land weitergetragen werden.“

Noch immer brächen acht bis zehn Prozent jedes Jahrgangs die Schule ohne Abschluss ab. „Ein Teil einer Generation wird damit aufgegeben in ein Leben der Niederlagen.“ In der Anne-Frank-Schule sei das seit Jahren nicht geschehen. „Wie können wir das auf andere Schulen übertragen?“, fragte Albig.

Ein Schlüssel dazu sei die Gemeinschaftsidee, weniger der Elitegedanke: „Es geht um Orte, wo mit Freude daran gearbeitet wird, die Schüler auf das Leben vorzubereiten.“ Das könne an jeder Schule gelingen, wenn mit Begeisterung und Motivation gearbeitet werde. Albig: „Sie widerlegen, dass gemeinsames Lernen zu Unter- oder Überforderungen führt.“

Die gute Atmosphäre unterstrich ein Schüler: „Die Lehrer bauen eine Beziehung zu uns auf, das fasziniert mich an dieser Schule.“ Ein anderer fügte hinzu: „Wir lernen hier, offen zu sprechen.“

Alle Schulen setzten auf individuelle Förderung, in Bargteheide komme aber noch mehr hinzu, betonte die Geschäftsführerin der Robert-Bosch-Stiftung, Dr. Ingrid Hamm: „Hier gibt es kein Aussortieren, sowohl Hochbegabte wie schwächere Schüler können so über sich hinauswachsen.“ Die Hebel dafür seien ausgeprägter Teamgeist, auf die Stärken der Schüler zu bauen und eine Selbstevaluierungsgruppe.

„Wir kommunizieren auf Augenhöhe, sodass sich jeder zugehörig fühlt. Die Lehrer sehen auch die Erziehung als wesentlichen Teil ihrer Arbeit an“, sagte Schulleiterin Angelika Knies. So werde versucht, jedem Menschen eine zu ihm passende Entwicklung zu ermöglichen. „Schulen unterwerfen sich zu oft den angeblichen Zwängen, statt ihre Freiräume kreativ zu nutzen.“

Zur Inklusion sagte Albig, „wir gehen Schritt für Schritt weiter auf diesem Weg, das Ziel ist aber noch weit entfernt.“ Ein Jahrzehnt werde es noch dauern, „bis das in jeder Klasse erreicht und es auch als Stärkung des Bildungssystems empfunden wird.“ Auch viele Eltern hätten noch Bedenken.

„Wir nehmen gern Förderschüler auf“, sagte Cornelia Gieshoidt vom Personalrat, „wir können sie aber nicht zufriedenstellend beschulen.“ Dafür reiche ein Lehrer pro Klasse nicht aus. Benötigt würden Förderlehrer. „Besonders mit lernbehinderten und autistischen Kindern gibt es Integrationsprobleme“, sagte Angelika Knies. Eine Bewerbung als Förderzentrum sei fraglich: „Wir haben nicht die räumlichen Kapazitäten für Integrationsklassen, in denen ja weniger Schüler unterrichtet werden.“ Weitere Voraussetzungen seien mehr Personal und eine höhere Zügigkeit der Schule.



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