Reinfeld/Stormini : Wie im wahren Leben

Am Geldautomaten und der Kasse der Sparkasse gibt es für Kids nach getaner Arbeit Geld, wovon sie gleich nebenan im Finanzamt einen Teil wieder abführen müssen: Leon und Joshe (r.) zeigen, wie es geht.
Am Geldautomaten und der Kasse der Sparkasse gibt es für Kids nach getaner Arbeit Geld, wovon sie gleich nebenan im Finanzamt einen Teil wieder abführen müssen: Leon und Joshe (r.) zeigen, wie es geht.

Bei „Stormini“ erleben Kinder die Welt der Erwachsenen: Sie gehen arbeiten, erhalten Lohn, wählen einen Bürgermeister und und und. Erstmals wurden Ausschüsse gewählt, die sich für die Belange der Kinder einsetzen.

shz.de von
10. Juli 2018, 13:28 Uhr

„Wie haben Sie den Alarm heute Morgen empfunden, was haben Sie gemacht?“, fragt Fernsehreporterin Sophia (10) einen der über 200 Teamer und Betreuer der Kinderstadt Stormini, die noch bis zum Sonntag auf dem Gelände des Sportplatzes und der Immanuel-Kant-Schule ihre Zelte aufgeschlagen hat. Um 5.30 Uhr wurden die 280 jungen Teilnehmer und ihre Betreuer jäh aus dem Tiefschlaf gerissen. Das Sirenengeheul stellte sich dann allerdings als Fehlalarm heraus. So konnten alle beruhigt zum Tagesablauf übergehen.

Durchaus nicht untätig sind die Kids in der Kinderstadt. Sie gehen einer geregelten Arbeit nach, führen einen Bürgerausweis mit sich, in dem alle Aktivitäten abgestempelt werden. Wer zum Beispiel drei Mal zum morgendlichen Zumba-Kursus auf dem Schulhof erscheint, bekommt einen Teil seiner Krankenkassenbeiträge erstattet. Kein Wunder, dass da kaum einer fehlt. Anschließend versammeln sich die 28 Gruppen vor dem Zelt der Agentur für Arbeit, wo sie einen Job ergattern. Da fällt die Auswahl bei so vielen Berufen schwer: Vom Webblogger, dem Mikrobiologen oder Erfinder über den Täschner, Rettungssanitäter, Koch, Arzt, Elektriker, Barkeeper bis hin zum Radiomoderator, Klempner, Kirchenbauer, Hairstylist und Maurer ist (fast) alles vertreten. Da haben die Kinder die Qual der Wahl, aber auch die Chance, ihnen unbekannte Berufe hautnah kennenzulernen.

Die zehnjährige Melissa aus der Stadt Bargteheide (vorne rechts) lächelt in ihrer klassischen Maler-Montur. Mit ihren jungen Mitstreitern in „Stormini“ schleift sie eine angegriffene Schulbank ab.
Die zehnjährige Melissa aus der Stadt Bargteheide (vorne rechts) lächelt in ihrer klassischen Maler-Montur. Mit ihren jungen Mitstreitern in „Stormini“ schleift sie eine angegriffene Schulbank ab.
 

„Da wir bei jedem Stormini etwas Bleibendes für die Gastgeber hinterlassen, bemalen die Kids nicht nur die Schulfassade und schleifen die Bänke ab, sondern bauen auch eine Rundbank vor der Schule“, erklärt Christian Wenzel vom Kreisjugendring (KJR), der Stormini im Kreis zum zehnten Mal veranstaltet. Während die 28 gewählten Mitglieder des Stadtparlaments und die einzelnen Ausschüsse – das ist neu in diesem Jahr – über das Schicksal der Stadt beraten und vier Kandidaten für das Bürgermeisteramt wählen, wird fleißig gearbeitet, bis es mittags endlich das ersehnte, selbst verdiente Geld gibt: Die „Stormark“ – extra gedruckt mit Motiven der Karpfenstadt. „Das ist immer spannend, denn bei der Sparkasse gibt es nicht nur Geld aus dem Automaten oder an der Zahlkasse, sondern gleich dahinter liegt das Finanzamt, wo die Kinder einen Teil ihres Lohnes gleich wieder abdrücken müssen“, sagt Jugendpflegerin Katrin Göhlert. So wie im richtigen Leben eben.

Kochen macht Spaß: Celina, Lena, Anastasia und Jette (v.l.) backen Muffins für das Stormini-Café.
Kochen macht Spaß: Celina, Lena, Anastasia und Jette (v.l.) backen Muffins für das Stormini-Café.
 

Keine Zeit zum Geldverdienen haben aber die Bürgermeisterkandidaten Chris, Malte, Kristin und Hannah. Sie befinden sich im Wahlkampf und basteln fleißig an einem Wahlplakat. Dabei steht natürlich Fairness im Vordergrund. Das Motto „Du bist, was du aus dir machst“ sei den Teamern ganz besonders wichtig, so Wenzel. In der Kinderstadt sollen die Kinder ihre Stärken erkennen und einsetzen. Neben gelebter Demokratie und Marktwirtschaft lernen die Teilnehmer auch und vor allem soziale Kompetenz.

„Wir haben festgestellt, dass unter den Kindern ein hohes Bedürfnis nach sozialem Engagement besteht, das wir natürlich mit Stormini fördern wollen“, erklärt Uwe Sommer vom KJR. Man müsse den Kids etwas zutrauen. Stromini sei auch immer ein „Projekt im Projekt“ für die Teilnehmer, aber auch für die Gruppenleiter. Klasse Stimmung, klasse Gelände, die Kinderstadt werde von Mal zu Mal besser, da das Team immer dazulerne, schwärmt Sommer. Vor allem aber gehe es hier sehr friedlich und respektvoll zu. Hauptziel sei, den Kindern den Weg in das Engagement für das Gemeinwesen zu ebnen. „Da können wir mit Stormini einen großen Beitrag leisten. Denn solch engagierte Menschen brauchen wir später“, betont der Projektleiter. Wenn die Kinder durch Stormini in diese Richtung geleitet würden, hätte die Kinderstadt allemal ihr Ziel erreicht.

Oskar uns Adrian aus Bad Oldesloe kennen sich mit der Reparatur von Fahrrädern bestens aus: „Das machen wir zu Hause auch“, erklären die jungen Fachleute in der Zweirad-Werkstatt begeistert.
Oskar und Adrian aus Bad Oldesloe kennen sich mit der Reparatur von Fahrrädern bestens aus: „Das machen wir zu Hause auch“, erklären die jungen Fachleute in der Zweirad-Werkstatt begeistert.
 

Eine ganze Woche ohne Eltern – für viele Kids eine Herausforderung. Doch durch Briefe von zu Hause, die der echte Azubi aus dem Reinfelder Rathaus Jan-Niklas Harms in der Poststelle fein säuberlich sortiert, verfliegt das Heimweh schnell. Bis zur Abreise haben die Teilnehmer noch jede Menge vor: Ihren Lohn bei Freizeitaktivitäten ausgeben, einen Bürgermeister wählen und am Freitag eine große Abschlussparty feiern. Das hat das Kinderparlament einstimmig beschlossen.


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