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Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 05:31 Uhr

Westküstentrasse: Erdkabel chancenlos

vom

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Heide/Husum | Befürchteter Wertverlust von Immobilien, mögliche Gesundheitsschäden und eine verschandelte Landschaft - das wollen die Gegner der überirdisch geplanten Westküstentrasse nicht hinnehmen. Im "Dialog" im Heider Kreishaus machten vor allem Nordfriesen Front gegen die 380-Kilovolt-Leitung von Niebüll über Husum, Heide und Barlt nach Brunsbüttel. Die Stromader soll vor allem Windenergie abführen und bis 2018 stehen. Sie ist Teil der Energiewende.

Deshalb auch hatte das zuständige Ministerium der Landesregierung in die Dithmarscher Kreisstadt eingeladen. Auf dem Podium saßen Fachleute, ihnen gegenüber die Gegner des Vorhabens. Sie fordern ein Erdkabel statt der Leitung an rund 80 Meter hohen Masten.

Es war nicht das erste Bürgergespräch, aber eines der emotionalsten. Denn den Gegnern läuft die Zeit weg. Am 13. Juni sollen in Husum die Ergebnisse aus 15 Diskussionsrunden mit den Bürgern in eine endgültige Form gegossen werden.

"Wir brauchen die Leitung, um die Energiewende voranzubringen", unterstrich Dr. Ingrid Nestle, Staatssekretärin im Umweltministerium die Bedeutung. Und: Eine 110-KV-Leitung genüge nicht. Denn immerhin gilt es, ergänzend zu bestehenden Stromtrassen 2700 Megawatt Windenergie von den Produktionsstandorten in Dithmarschen und Nordfriesland abzutransportieren. Längst ist es eng, denn schon jetzt, so Nestle, müssten Windkraftanlagen immer wieder abgekoppelt werden, weil für den von ihnen erzeugten Strom kein ausreichendes Netz zur Verfügung steht.

Grundsätzlich stehen auch Initiativen wie "Eiderstedt unter Höchstspannung" zur Energiewende. Doch deren Vertreter ließen sich von ihrer Forderung nach einem Erdkabel nicht abbringen.

Wirtschaftlichkeit zählt


Und dies dürfte kaum Chancen auf Realisierung haben. Erdkabel, mit Gleichstrom betrieben, gelten nur über lange Distanzen zwischen zwei Einspeisepunkten als rentabel. Die Strecke von Niebüll bis Brunsbüttel gilt mit 150 Kilometern Länge nicht als ausreichend. Vor allem aber die benötigte Vielzahl von Konverterstationen an den einzelnen Windparks sei kontraproduktiv, wie Dr. Sascha Falahad von der Bundesnetzagentur betonte.

Für die Gegner wie den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Lorenz Jarass ist dies eine Vorfestlegung auf ein Verfahren. Die Alternative sei nie wirklich geprüft worden, kritisierte er.

Auch die Leistung der Trasse wird angezweifelt, sie ist vielen zu groß. Dagegen ergriff Energiewendeminister Dr. Robert Habeck das Wort: "Der Bedarf ist so präzise wie nur möglich errechnet worden."

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