Zeitung in der Schule : Wer schreibt eigentlich die Horoskope?

Tageblatt-Redakteur Andreas Olbertz (Mitte) erklärt den Teilnehmern des Zisch-Projektes im Bildungszentrum der Stormarner Werkstätten, wie eine  Zeitung entsteht.
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Tageblatt-Redakteur Andreas Olbertz (Mitte) erklärt den Teilnehmern des Zisch-Projektes im Bildungszentrum der Stormarner Werkstätten, wie eine Zeitung entsteht.

Tageblatt-Redakteur Andreas Olbertz besuchte im Rahmen von Zisch das Bildungszentrum der Stormarner Werkstätten. Bei einer Tasse Kaffe wird dort morgens die Zeitung gelesen und anschließend darüber gesprochen.

shz.de von
20. November 2013, 18:30 Uhr

Zeitunglesen bildet ja bekanntlich und so ist es nicht verwunderlich, dass auch das Berufsbildungszentrum der Stormarner Werkstätten im Sandkamp bereits zum dritten Mal beim Zisch-Projekt des Stormarner Tageblatts mit dabei ist. 31 Frauen und Männer im Alter von 16 bis 45 Jahren lesen täglich das Stormarner Tageblatt. „Das ist morgens das Erste, was wir machen. Eine Tasse Kaffee, dabei das Tageblatt lesen und dann unterhalten wir uns darüber“, erzählt Tobias (21). „Morgenrunde“ nennt sich der Start in den Tag.

Jeder Teilnehmer der Runde stellt nach dem Lesen des Tageblatts einen Artikel vor, der ihn besonders anspricht. Bei Tobias war das diesmal ein Artikel über den jungen Letten Karlis Bardelis, der den europäischen Kontinent vom Nordkap bis nach Gibraltar auf Inline-Skates durchquerte. „Tolle Leistung!“, lobt Tobias, der selbst viel und gerne Fahrrad fährt. „Die Zeitung ist das erste Medium des Tages, das wir nutzen“, betont Ilse Drews, die das Zisch-Projekt betreut.

Aber nach einer Woche Zeitungslektüre war es an der Zeit, das Blatt einmal ganz genau unter die Lupe zu nehmen und sich von einem Insider erklären zu lassen. Deshalb luden die Mitarbeiter der Werkstätten Andreas Olbertz ein, um sich vom Redakteur des Stormarner Tageblatts ihre vielen Fragen beantworten zu lassen. Zunächst jedoch erzählte der Fachmann von seiner Arbeit in der Redaktion, vom „Innenleben“ der Zeitung, wie und wo sie hergestellt wird, was eine Redaktion ist und wer dort arbeitet.

Alle Zuhörer im Seminarraum haben irgendein Handicap, doch das hält sie nicht davon ab, sich viele und auch kritische Gedanken zum Medium Zeitung zu machen, ganz im Gegenteil: Sie haben ihre Zeitung regelrecht „seziert“, auseinandergeschnitten und an die Wand geheftet, nach Themenseiten und Rubriken sortiert. Karsten Rohde hat im Rahmen des Zisch-Projekts zusammen mit seinen Klienten ein Plakat zum Thema „Flucht und Vertreibung“ entworfen. Passend zu dem Thema werden täglich Artikel und Schlagzeilen ausgeschnitten und mögliche Ursachen sowie Folgen diskutiert und aufgeschrieben. „Da kam viel zusammen“, so der Tischlermeister und Sonderpädagoge.

Die aufmerksamen Zeitungsleser haben aber auch kleine Fehler oder Unstimmigkeiten entdeckt, die andere Zeitungsleser vielleicht gar nicht wahrnehmen. Warum, zum Beispiel, erscheinen die Stormarn-Seiten nicht alle hintereinander, warum findet man oftmals noch eine einzelne Seite ziemlich weit hinten in der Zeitung? „Das sind abgehängte Seiten, die ärgern uns auch“, gesteht Andreas Olbertz, das habe wohl technische Gründe. Und wer denkt sich eigentlich das tägliche Horoskop aus? Keine Ahnung, gute Frage! Die Horoskope werden vom Zeitungsverlag eingekauft. „Und wo bekommen sie die ganzen Todesanzeigen her?“, lautet die nächste Frage. Andreas Olbertz erklärt, wie und wo Anzeigen aufgegeben werden können und was kostenlos als Meldung veröffentlicht werden darf. „Wie bringen Sie alle Geschichten, Artikel und Fotos unter?“, möchte eine junge Frau wissen. „Na ja, es gibt Tage, da wissen wir wirklich nicht, wie wir alles unterbringen können“, gesteht Olbertz, aber es gebe auch Zeiten, da sei man über jeden Text froh.

Und dann kommt die Werbung ins Spiel: Warum gibt es Anzeigen, die wie Artikel aussehen und warum ist so viel Werbung in der Zeitung, möchten die aufmerksamen Zuhörer wissen. Würde eine Zeitung ganz ohne Anzeigen erscheinen, wäre sie sehr viel teurer, erklärt der Redakteur. Und wie viele Zeitungen werden täglich in Deutschland gelesen? Da muss auch der Profi erst recherchieren und kann vermelden, dass täglich 45,5 Millionen Bundesbürger zu ihrer gedruckten Tageszeitung greifen.






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