zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

23. August 2017 | 07:08 Uhr

Klein Wesenberg : Wer hat den Schuss gehört?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gemeinde und Schützenverein Klein Wesenberg im Streit um Baugebiet, Schussanzahl und Lärm

„Nur wegen einer kleinen Gruppe von Großkaliber-Schützen ist unser Dorf gespalten“, empört sich Bürgermeister Herbert David. Der 80-jährige Ehrenamtler war 50 Jahre lang Mitglied im Schützenverein Klein Wesenberg. Er ist ausgetreten, weil sich „der Verein auf eine unmögliche Sache eingelassen hat.“ Der Nordstormarner Amtsdirektor Sönke Hansen stellt sich hinter Herbert David: „Der Streit geht durch ganze Freundeskreise. Ehemalige Nachbarn sprechen nicht mehr miteinander. Der Bürgermeister wurde heftig angegriffen.“

Fünf Prozent der Einwohner sind Mitglied im Schützenverein. Was ist los im sonst so friedlichen Dorf mit seinen 750 Einwohnern? Es geht um ein Baugrundstück der Gemeinde, um Lärmschutz, den Schießstand des Schützenvereins und die Anzahl der Schüsse.

Acht Einfamilienhäuser sollen auf dem von der Gemeinde erworbenen Grundstück am Schulweg gebaut werden. „Ich habe bereits sechs Vormerkungen“, so David. Doch der Bauantrag kann seit rund fünf Jahren nicht gestellt werden, weil eine Verfügung des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) den Schützen ohne Benachrichtigung der Gemeinde 6 000 Schuss pro Tag genehmigte.

Das bedeutet eine zu hohe Lärmbelästigung im Wohngebiet. „Dass nun deswegen nicht gebaut werden kann, ist mehr als ärgerlich. Ich bin bitter enttäuscht vom Verhalten des LLUR“, unterstreicht David. Man wolle den Verein nicht „platt machen“, aber auch nicht auf Einnahmen durch den Verkauf der Grundstücke verzichten.

Selbst innerhalb des Vereins gebe es Streitigkeiten wegen der kleine Gruppe von Großkaliber-Schützen, weiß David. 5500 Schuss täglich hatte der Verein selbst als Schießvolumen angegeben. Eine utopische Zahl, so der Amtsdirektor, denn vor dem Oberverwaltungsgericht, wo der Streit inzwischen in zweiter Instanz gelandet war, legten die Schützen ein elektronisches Schussbuch vor, wo ein Schnitt von nur 60 Schuss täglich vermerkt ist. Nun ist das Verfahren anhängig.

Der vom Amt Nordstormarn geforderte Sofort-Vollzug wurde vom OVG mangels ausreichender Beschwerden durch die Anwohner abgelehnt. Warum also die laut Sönke Hansen „bewusst falschen Angaben“ des Vereins? David und Hansen vermuten vertragliche Verpflichtungen mit dem Bund der Polizei- und Militärschützen mit Sitz in Paderborn, der den Klein Wesenberger Traditionsverein wohl finanziell wegen Großkaliber-Meisterschaften unterstütze. Die Schützen bestehen weiterhin darauf, dass das LLUR die Schussanzahl genehmigt habe. Auf diese Angaben habe man sich bei allen weiteren Entscheidungen verlassen, so Vorsitzender Andreas Möller. „Wahrscheinlich müssen wir zahlen, weil wir unsere Verträge nicht einhalten“, befürchtete er bereits vor zwei Jahren.

230 000 Euro würde eine so genannte „Ummantelung“ der noch fehlenden 50 Meter des Schießstandes kosten – zu viel für die Schützen. Es könne nicht sein, dass eine Kostenübernahme durch die Gemeinde gefordert werde, habe man doch in der Vergangenheit den Verein bereits mit rund 200 000 Euro Zuschüssen unterstützt, empört sich der Bürgermeister. „Sobald die Sache geklärt ist, kann gebaut werden“, sagt Hansen.

Doch das könne noch dauern. Denn bei Beibehaltung der genehmigten 6 000 Schuss pro Tag gebe es wegen angeblicher Lärmüberschreitung überhaupt keinen geeigneten Bau-Standort in der Gemeinde mehr. Andreas Möller rechnet sich dagegen gute Chancen aus. Der Verein habe bereits in zwei Instanzen Recht bekommen, sagte er auf der Jahreshauptversammlung.

 

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 12.Feb.2014 | 09:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert