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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 10:36 Uhr

Hoisdorf : Wer hat am Ende Schwein?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Brisante Einwohnerversammlung mit 300 Interessierten zum geplanten Mastbetrieb.

Dass es ein emotionaler Abend werden würde, sah man schon vor dem „Landhaus“, wo es in der Einwohnerversammlung um das Thema Schweinemast gehen sollte. Die Unterstützer des Landwirts Jörg Elbers, der aus dem Dorf an den Ortsrand umziehen will, waren mit Treckern gekommen, die am Dorfteich parkten. Wer später kam, hatte Mühe, einen Parkplatz zu finden.

Im Saal teilten sich die Lager ganz automatisch auf: In der einen Hälfte saßen die Gegner und Mitglieder der Bürgerinitiative, auf der anderen Seite Elbers’ Kollegen und andere Befürworter. Für die 300 Interessierten gab es nicht genug Platz und Stühle, so dass einige während der dreistündigen Versammlung stehen mussten.

Landwirt Jörg Elbers möchte im Wastenfelder Redder ein Wohnhaus, eine Maschinenhalle und einen Schweinestall für 1460 Tiere bauen. Als die Pläne im Frühjahr 2014 bekannt wurden regte sich schnell Protest. 900 Unterschriften wurden gesammelt, und die Bürgerinitiative „Keine-Schweinereien-in-Hoisdorf“ gegründet. Offizieller Stand der Dinge: Die Gemeinde hat das Einvernehmen noch nicht erteilt, da die Verhandlungen zur Kostenübernahme für die Zufahrt zum Stall noch nicht abgeschlossen sind.

Auf dem Podium saßen rechts und links von Bürgermeister Dieter Schippmann Jörg Elbers, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, Peter Koll, und Prof. Dr. Urban Hellmuth von der Agrar-Fachhochschule Rendsburg, die Sieker Amtsleiterin Susanne Kuplich und Dr. Michaela Dämmrich. Die Bürgerinitiative hatte die Grüne Kreistagsabgeordnete und Amtstierärztin in Lübeck dazu gebeten.

Deren Wortführer brachten ihre Bedenken vor, die vom Tierwohl bis zu Lärm- und Geruchsbelästigung reichten. Zudem wurden multiresistente Keime in Gülle und Abluft, Antibiotika- Einsatz und die Nitratbelastung des Grundwassers durch-Überdüngung der Felder angeführt.

Peter Koll verwies auf die Vorschriften zur Nutztierhaltung, wie viel Platz und Beschäftigungsmaterial die Schweine brauchen. Die Landwirte seien heute zum täglichen Monitoring verpflichtet und würden überprüft. Der Stall würde nach den Qualitätsvorgaben tiergerecht gebaut. Als er Gülle „wertvollen Wirtschaftsdünger“ nannte, erklang höhnisches Gelächter.

Aber nur ab und zu driftete der verbale Schlagabtausch ins Polemische ab, überwiegend ging es sachlich zu. Professor Hellmuth appellierte mehrmals dafür, doch eine gemeinsame Lösung zu finde. Das betonte auch Olaf Beier, Chef der Landgärtnerei am Sieker Berg, die unmittelbarer Nachbar der neuen Anlage werden würde.

Er habe Angst, sich zwischen alle Stühle zu setzen, bekannte Beier. Er sei zunächst neutral gewesen, habe dann mit der BI sympathisiert, aber festgestellt, dass „das nicht meine Argumente sind“. Zudem regte er – von Gelächter begleitet – an, dass alle Hoisdorfer sammeln sollten, damit Elbers eine Filteranlage einbauen könne. Vorgeschrieben ist sie erst ab 2000 Schweinen.

Elbers wies den Antibiotika-Vorwurf zurück. Er gebe Antibiotika nur kranken Tieren, nie prophylaktisch und könne nachweisen, dass er im dritten und vierten Quartal 2014 überhaupt keine verabreicht habe. Zudem bot er an, den Güllebehälter abzudecken, um den Geruch einzudämmen. Dr. Michaela Dämmrich brachte einen Offen-Klimastall und andere Varianten ins Spiel. Konkrete Pläne für den Stallbau gebe es noch nicht, sagte Elbers.

Das von der Landwirtschaftskammer, der Fachbehörde, abgegebene Gutachten war von der BI angezweifelt worden. Die Gemeinde hatte ein zweites Gutachten bei der Firma Lärm Consult in Auftrag gegeben, sagt Bürgermeister Schippmann. Susanne Kuplich stellt klar, dass die Gemeinde lediglich über ihr Einvernehmen entscheiden könne. Genehmigungsbehörde seit der Kreis.

Als „zugezogener Städter“ meldete sich Michael Groß zu Wort. Er bemängelte, dass die BI übertreibe und alles andere als sachlich agiere. Laut Definition sei von einer industriellen Tierhaltung erst ab 10  000 Tieren die Rede. „In die Dörfer gehören die Landwirte. Wenn ich von der Stadt aufs Land ziehe, muss ich mich halt anpassen“, so Groß. Alle Fleischesser seien Verursacher dieser Probleme, nur Nein sagen, gehe nicht.



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