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Prozess : Wer entwendete den Generalschlüssel?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ende 2011 wurden mindestens drei Seniorinnen in einem Ahrensburger Seniorenheim bestohlen. Das Diebespaar hatte sich offenbar in den Besitz eines Generalschlüssels gebracht. Angeklagte bestreitet die Vorwürfe

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2013 | 09:00 Uhr

Vielleicht hätte Anne C. (Name geändert) dieses Angebot nicht ausschlagen sollen. Der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts in Ahrensburg hatte ihr eine Verständigung angeboten. Dann wäre sie wegen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Diebstahl mit einer moderaten Geldstrafe davongekommen. „Die Angaben der Angeklagten überzeugen nicht in allen Punkten“, sagte Richter Ulf Thiele. Das sahen auch Staatsanwalt Dr. Jens Busche und sogar ihr Rechtsanwalt Dirk Breitenbach so. Von einer Unschuld sei nicht auszugehen, so der Staatsanwalt.

Es ging um eine Reihe von Diebstählen im Ahrensburger Rosenhof. Ende 2011 wurden mindestens drei Seniorinnen bestohlen. Das Diebespaar hatte sich offenbar in den Besitz eines Generalschlüssels gebracht. So konnten sie sich Zugang zum Haus und den Wohnungen verschaffen. Als die Bewohner abwesend waren, drangen die Diebe ein. Sie stahlen Schmuck im Wert von weit über 10 000 Euro und Bargeld in unbekannter Höhe. Auch einen Tresor leerten sie und stahlen eine EC-Karte. Damit erleichterten sie das Konto von zwei Seniorinnen um insgesamt 1500 Euro. Ihr Pech: Dabei wurden sie von einer Kamera gefilmt.

Die Mitarbeiter im Rosenhof waren wegen der vorherigen Diebstähle dort alarmiert. Beim letzten Diebstahl am 29. Dezember 2011 beobachten sie das Paar. Der Mann fiel ihnen wegen seiner ungewöhnlichen Frisur auf. Zeugen im Rosenhof notierten sich das Kennzeichen des dunkelgrünen BMW, mit dem die Angeklagte und ihr damaliger Freund unterwegs waren.

Zwei Streifenwagen machten sich auf die Suche. Und kurz darauf stoppte die Polizei das Paar. Im Wagen fanden die Beamten Schmuckstücke, in der Handtasche der Angeklagten 1650 Euro und eine vermutlich gestohlene Brosche. „In der Aufregung habe ich behauptet, es sei mein geerbter Schmuck“, rechtfertigt sich die Angeklagte.

Schon bei der ersten Vernehmung verwickelte sie sich jedoch in Widersprüche. Und die Bestohlenen erkannten später einige Schmuckstücke als ihr Eigentum wieder. Bei ihrem Ex wurden zudem ein Dietrich und der Tresorschlüssel gefunden, der im Rosenhof gestohlen wurde.

Bei anschließenden Durchsuchungen kam bei der Angeklagten noch mehr Schmuck zum Vorschein. „Den hat mein damaliger Freund dort deponiert“, sagte die 46-jährige Hamburgerin aus. Auch 29 000 Euro Bargeld kamen dabei zum Vorschein.

Es war bereits die zweite Verhandlung in dieser Sache. Bei der Ersten wurde das Verfahren gegen Anne C. vorläufig eingestellt, mit der Auflage einer Geldbuße von 3000 Euro. Die bezahlte sie nicht, das Verfahren kam wieder in Gang. Ihr Ex-Freund erschien gar nicht erst zum zweiten Verhandlungstermin im vergangenen Dezember und ist seitdem nicht mehr auffindbar. Er wird daher mit Haftbefehl gesucht. Kontakt hat sie aber noch zu ihm, zumindest per SMS. „Er schickt ihr täglich Drohungen und Beleidigungen“, so ihr Anwalt.

Sie sei unschuldig, behauptet Anne C. Zwar habe sie für ihren Ex-Freund das Auto gefahren, doch sei sie nicht ausgestiegen. Mehrere Zeugen hatten sie allerdings im und vor dem Rosenhof gesehen und auf den Fotos des Bank-Automaten wiedererkannt.

Anne C. sagt, sie beziehe seit sieben Jahren Leistungen nach Hartz IV. Mit den 1650 Euro habe sie damals „shoppen“ gehen wollen. „Bei 380 Euro im Monat?“, fragt der Richter ungläubig. „Das Geld habe ich mir zum größten Teil geliehen“, entgegnet sie.

Unklar ist weiterhin, wie die beiden an den Generalschlüssel für den Rosenhof kamen. Er verschwand am 29. November 2011 aus dem Schwesternzimmer. „Möglicherweise hatten sie einen Komplizen unter den Mitarbeitern“, schließt der Staatsanwalt nicht aus

>Die Verhandlung wird am 23. September fortgesetzt. Wieder sind zahlreiche Zeugen geladen.



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