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Stormarner Tageblatt

16. Dezember 2017 | 20:26 Uhr

Demontage : Wer baut die Reflektoren ab?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jagdpächter Heiko Röhrl aus Sprenge hat auf eigene Kosten 200 Wildeflektoren angebracht. 35 wurden schon wieder heimlich abmontiert.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Heiko Röhrl kann es kaum glauben. Der Jagdpächter hat vor einigen Monaten 200 Wildreflektoren gekauft und sie an die Leitpfosten am Straßenrand angeschraubt. Sie sollen das Wild abschrecken, wenn sich im Dunkeln ein Fahrzeug mit eingeschaltetem Scheinwerfer nähert. Pro Stück kosten sie fünf Euro, 1000 Euro hat er dafür aus eigener Tasche investiert. „Es geht dabei auch um Menschenleben“, sagt er. Und sie funktionieren offenbar.

„Das blaue Reflexions-Licht wirkt unnatürlich für die Tiere. Es irritiert die Tiere und schreckt sie von der Straße ab“, sagt er. Seine Investition hat sich bereits ausgezahlt. „In meinem Revier sind die Unfallzahlen mit Wild danach deutlich zurückgegangen“, hat Röhrl festgestellt. Doch das wird jetzt gefährdet, weil die Reflektoren in den letzten Wochen haufenweise verschwunden sind. „35 Stück wurden inzwischen sauber abgeschraubt, wahrscheinlich professionell mit einem Akku-Schrauber“, sagt Röhrl, „sie sind spurlos verschwunden.“ Und: Seitdem ist die Zahl der Wildunfälle auch schon wieder angestiegen. In der vergangenen Woche kollidierten allein zwei Fahrzeuge mit Wild.

Etwa 20 solcher Unfälle hat Röhrl allein auf der Strecke zwischen Sprenge und Dwerkaten pro Jahr durchschnittlich registriert. „Auch Motorradfahrer sind schon kollidiert“, sagt er, „die Strecke verleitet zu hohem Tempo.“ Als Jagdpächter muss er darüber regelmäßig Berichte schreiben.

Vor allem Reh- und Schwarzwild wechselt über die Kreisstraßen. Auf den Feldern tun sich die Tiere jetzt an Gründüngungspflanzen wie Senf oder Erbsen gütlich. Zeitiger im Jahr fressen sie auch gern an Feldfrüchten wie Mais, Raps oder Sonnenblumen.

Es geht um das Jagdrevier an den Kreisstraßen 102 von Sprenge nach Schönberg und 32 nach Dwerkaten. Heiko Röhrl war einer der ersten Jäger in Stormarn, die von den Reflektoren besseren Unfallschutz erwartet haben. Die Genehmigung dafür hat ihm der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Lübeck erteilt.

Die Meinungen über die Wirksamkeit solcher Maßnahmen gehen in der Jägerschaft auseinander. Die Kreisjägerschaft Rendsburg-Ost testet verschiedene Methoden zur Vermeidung von Wildunfällen derzeit in einem Großversuch. Die Erfahrungen mit den blauen Reflektoren seien sehr ermutigend, heißt es von dort. Die Versicherungswirtschaft registrierte 2010 Wildunfallschäden in Höhe von 552 Millionen Euro. 2900 Kraftfahrer wurden dabei zum Teil schwer verletzt, 13 starben.





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