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Stormarner Wochenschau : Wenn nichts bleibt, wie es war

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kultur hat einen schweren Stand, und manchmal bleibt nichts zurück als die Erinnerung.

von
erstellt am 08.Aug.2015 | 17:45 Uhr

Abgeräumt:

Nun ist sie also doch gefallen: Die Stele von Erich Lethgau, die auf dem Gelände der alten Post als herausragendes Objekt die Kreuzung Lübecker Straße / Berliner Ring markierte. Erstaunlich geräuschlos verlief das Zerstören dieses Kunstwerks aus den 80er Jahren, das wohl nie die Herzen der Kreisstädter hat höher schlagen lassen. Das gibt zu denken. Ein Kunstwerk – ganz unabhängig, ob es gefällt oder nicht – genießt das Privileg, dass es zweckfrei in die Welt tritt und für die Ewigkeit gemacht ist. Wer indes in der Lethgau-Stele nur bemalten Beton zu erkennen vermag, der im Weg steht, der wird ein Kunstwerk, das ja ein Unsichtbares sichtbar macht im Geist seiner Zeit, auch guten Gewissens komplett abräumen können – für neues Profanes. Allein für den Fall, dass eines schönen Tages jemand der Idee verfällt, den Gänselieselbrunnen von Richard Emil Kuöhl abräumen zu wollen für ein Freiluft-Café am Markt oder eine Tiefgarageneinfahrt, dem sei schon heute die Rechtfertigungslogik empfohlen, die beim Fall der Lethgau-Plastik zu hören war und dann so lauten müsste: „Gänseliesel? Ist ja doch nur Backstein ...“

Sommerpause

„What about Bob?“ ist der Titel eines bekannten Films mit Bill Murray, „What about Heinz?“ war in den letzten Monaten eine Frage in Bad Oldesloe. Wieso liefen im Oho-Kino immer nur dieselben drei Filme? Jetzt ist Heinz Wittern den Schritt in die Öffentlichkeit gegangen. Er nimmt sich eine vierwöchige Denkpause, die erste seit er 1992 das Kino übernommen hat. Es kamen mehrere Dinge zusammen, die den Kinofan in eine Lage brachten, die er sich „nie hätte vorstellen können“. Die gute Nachricht in der schlechten lautet aber, dass Bad Oldesloe sein Kino behalten wird. Wie schwer es wird und wie lange es dauert, wenn ein Kino erst mal abgerissen ist, kann man in Ahrensburg verfolgen. Seit dem Bau des CCA 2008 hat die Schlossstadt kein Lichtspielhaus mehr. Die diversen, bislang vergeblichen Anläufe für einen Kinoneubau sind zwar für Ahrensburg frustrierend, machen aber Hoffnung für Bad Oldesloe: Städte dieser Größenordnung sind attraktiv für Kinos. Und wir wollen uns die Kreisstadt auch gar nicht ohne vorstellen.

Beständigkeit

Das Oho-Kino ist ohnehin das letzte seiner Art im Kreis. In den 60er Jahren gab es drei Lichtspielhäuser allein in Bad Oldesloe. Erst kam das Fernsehen, dann die Videotheken. Jetzt ist es das Internet, das den Videotheken in wenigen Jahren das Schicksal bescherte, das bei den Kinos Jahrzehnte dauerte. Drei Videotheken gab es in Bargteheide, die letzte schließt jetzt. Die ehemals drei Videotheken in Ahrensburg sind schon zu, in Bad Oldesloe ist noch eine übrig geblieben, ebenso in Reinfeld und Trittau. Dass nichts so beständig ist wie der Wandel hatte Heraklit von Ephesus schon 500 vor Christus gesagt. Von der Beständigkeit der griechischen Dauerkrise konnte er natürlich genausowenig wissen wie von der Schnelligkeit des Internets.

Schande

Ob es eine Grabschändung ist, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall zeugt es von Gedanken- und Respektlosigkeit, wenn (junge?) Leute das Hünengrab in Reinfeld als Lagerfeuerstätte missbrauchen. Die Hitze war so groß, dass mehrere Steine platzten, die vermutlich 3000 Jahre Wind, Wetter und anderem Unbill getrotzt hatten. Zwar bleibt – siehe Heraklit – nichts, wie es mal war, das ist allerdings kein Fall für alte und neue Philosophen sondern für die Polizei.
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