Stormarner Wochenschau : Wenn man nicht alles selber macht

 Karikatur: Wiedenroth
Karikatur: Wiedenroth

Ob Pakete abholen oder die Gesetzeslage überprüfen – wer keine unangenehme Überraschung erleben will, sollte selber Hand anlegen.

Andreas Olbertz. von
11. Juli 2015, 08:00 Uhr

Liegenbleiber

Da kann man sich nur verwundert die Augen reiben. Die Postboten haben lange gestreikt. Logischerweise liegen jetzt Berge von Briefen und Paketen auf Halde. Doch statt die Lieferungen jetzt mit Hochdruck, Sonderschichten und zusätzlichen Kräften nachzuholen, schlägt die Post ihren nächsten Sargnagel ein. Die Empfänger bekommen lediglich eine Benachrichtigung, dass sie ihr Paket bitte im Gewerbegebiet abholen sollen. Zum Teil sollen die Zettel sogar per Taxi gekommen sein. Und eine Frist wird auch gleich gesetzt. Wer sich nicht sputet, dessen Paket geht an den Absender zurück. Servicewüste Deutschland. Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat sich schon mal so seine Gedanken gemacht, wie die nächste Stufe aussehen könnte.

Irrläufer

Ha, ha, haaa ... eigentlich ist es der klassische Schenkelklopfer. Seit ewigen Zeiten wird in der Stadt über Werbung diskutiert. Auf zwei Schienen. Zum einen ist da die Vergabe der Werbeflächen. Ein Unternehmen bezahlt der Stadt Gebühren, hier Plakate, Banner, etc. aufstellen zu dürfen. War ein aufwändiges Verfahren, mit Ausschreibung, Rechtsberatung und allem Pipapo. Parallel dazu wird eine Werbesatzung diskutiert. Mit ihr wird geregelt, wo welche Werbung erlaubt ist. Am Anfang ging es nur darum, der Sparkasse zu erlauben, vor ihrem Hauptsitz Flaggen zu hissen. Inzwischen ist daraus ein umfangreiches Verfahren geworden.

Vor einer Weile war der Werbevertrag unterschriftsreif und Politik sollte darüber befinden. Frage damals von Maria Herrmann – sinngemäß: „Ergibt es Sinn, diesen Vertrag jetzt schon abzuschließen, wo wir doch noch über die Satzung diskutieren?“ Ebenso sinngemäße Antwort von Kämmerin Mandy Treetzen: „Alles kein Problem.“ Na, wenn das so ist. Diese Woche ging es im Bauausschuss mal wieder um die Werbesatzung und was sagt Mandy Treetzen: „Wenn Sie das jetzt so beschließen, könnte das Schadenersatzforderungen nach sich ziehen.“ Uiuiui, da war aber plötzlich Stimmung in der Bude. Mit der Werbesatzung wird die Stadt in verschiedene Bereiche aufgeteilt – a, b, c … Daraus ergeben sich dann unterschiedliche Rechte zum Beispiel für die Größe von Leuchtreklamen oder Plakaten. Die Verwaltung hatte bei ihrem Satzungsentwurf die Gebiete anhand ihrer baulichen Nutzung zugeordnet. Das ist aber laut Bauordnung nicht zulässig, die jeweilige Kategorie muss sich nach dem Ortsbild richten. Ein Systemwechsel, der, das hätte man sich mit dem Poschi denken können, Auswirkungen auf den Werbevertrag hat. Die eh schon gereizte Stimmung wurde nicht besser, als Uwe Rädisch (CDU) noch lautstark zum Besten geben musste, der Beschluss sei ja auch totaler Schwachsinn. Mag er ja gerne so sehen, aber er verkennt, dass es ihn bei einem anderen Thema ebenfalls treffen könnte. Wir wollen der Verwaltung hier keine böse Absicht unterstellen, aber von mangelndem Vorstellungshorizont, was noch passieren könnte, kann man ausgehen. Das wird hoffentlich allen eine Lehre sein.

Im Abseits

So ist das: Wenn der Kommerz regiert, ist für Kunst kein Platz mehr. Da ist es gewissermaßen logisch, dass die Stele von Erich Lethgau, die momentan noch an der Spitze des Postgrundstücks steht, weichen muss, weil das Areal bis auf den letzten Quadratzentimeter mit einem Supermarkt vollgepflastert wird. Findet sich bis Ende nächster Woche keine Lösung, schlägt der Betonbeißer zu.

Man mag die Betonsäulen grandios finden oder pottenhässlich, aber wenn in Deutschland Kunstwerke mutwillig zerstört werden, weckt das ungute Erinnerungen. Schade, dass sich offenbar niemand verantwortlich fühlt. Der Investor nicht, die Stadt nicht … vielleicht wenigstens die Kulturstiftung? Oder vielleicht alle zusammen.

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