Wenn Lehrer zum Friseur werden

Assistenzlehrerin Charlin Kühn mit   Schülerinnen im Klassenzimmer. Sie unterrichtet jeden Tag etwa drei bis fünf Klassen. Foto: St
Assistenzlehrerin Charlin Kühn mit Schülerinnen im Klassenzimmer. Sie unterrichtet jeden Tag etwa drei bis fünf Klassen. Foto: St

Junge Jersbekerin arbeit elf Monate lang als Assistenzlehrerin in der thailändischen Provinz Roi Et / Alles hat seine Ordnung

Avatar_shz von
24. September 2011, 08:17 Uhr

Roi Et | "Weltwärts" heißt das Austauschprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, an dem Charlin Kühn aus Jersbek teilnimmt. Sie wird in Thailand elf Monate lang ehrenamtlich als Assistenzlehrerin arbeiten und im Stormarner Tageblatt berichten - heute: Folge 2.

Die Zeit vergeht und allmählich gewöhne ich mich an meinen neuen Alltag, der für mich aber immer interessant und abwechslungsreich bleibt. In der Woche fahre ich mit meiner Gastmutter die etwa 25 Kilometer zu meiner Schule, der Muangsuang Wittaya School. In der ohnehin sehr ländlich geprägten Provinz Roi Et liegt die Schule in einem kleinen Dorf, inmitten von Reisfeldern. Auf unserem Weg sehen wir Wasserbüffel, die in kleinen Tümpeln baden, Fischer auf ihren Booten oder Bauern, die am Straßenrand Wassermelonen verkaufen.

Der Schultag beginnt zunächst mit einer Zeremonie, bei der sich alle Schüler und Lehrer auf dem Sportplatz vor einer Buddhastatue versammeln. Der Direktor hält eine Rede und danach wird die Nationalhymne gesungen sowie die thailändische Fahne gehisst. Jeden Tag gilt eine genaue Kleiderordnung: Die Mädchen tragen knielange Röcke, Blusen und Ballerinas, wohingegen die Jungs Hemden und Shorts tragen.

Ebenso gibt es eine exakte Vorgabe für den Haarschnitt der Schüler, der im Zweifelsfall noch schnell von einigen Lehrern zurechtgeschnitten wird. Im Gegensatz dazu tragen die Lehrer je nach Wochentag Kostüme aus Thaiseide, Uniformen oder orangefarbene Poloshirts.

Nach der Versammlung beginnt die erste der acht Schulstunden. Ich unterrichte jeden Tag etwa drei bis fünf Klassen, für die ich die Stunden frei gestalten kann. Um mich mit ihnen zu verständigen, verwende ich viele Bilder oder spiele einfache Spiele, wobei sie ein wenig ihre Scheu verlieren, Englisch zu sprechen. Außerdem ist es eine willkommene Abwechslung zum normalen Frontalunterricht, die den Schülern und mir viel Spaß bereitet.

Als Highlight habe ich in der letzten Woche an einem zweitägigen Ausflug in die Provinz Chonburi teilgenommen. Zusammen mit vier "gifted classes", also den jeweils besten Klassen eines Jahrgangs, und sieben weiteren Lehrern bin ich in die Nähe von Bangkok direkt an das Meer gereist, wo die Schüler etwas über das dortige Ökosystem lernen sollten.

Gegen Abend traten wir die etwa achtstündige Reise mit zwei Doppeldeckerbusen an. Trotz großer Müdigkeit war an Schlafen aber nicht zu denken. Die Busse entpuppten sich als Partybusse mit integrierter Karaokeanlage und die Schüler genossen die Zeit, mit reichlich singen und tanzen. Etwas übermüdet bezogen wir am nächsten Morgen unser Quartier, einer Art Kaserne. Ein Soldat führte durch das Programm, welches eine Wanderung auf einen Berg, die Fahrt zu einer Schildkrötenfarm sowie den Besuch eines kleinen Museums beinhaltete.

Am nächsten Tag fuhren wir zu der benachbarten Insel, wo wir einen kleinen Wald besuchten, der durch die Unterstützung der thailändischen Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn angelegt worden war. Sie ist für ihr vielseitiges Engagement sehr beliebt und viele Thailänder wünschen sich, dass sie die Thronfolgerin ihres mittlerweile 83 Jahre alten Vaters Bhumibol Adulyadej werden wird. Nach Mittagspause am Strand kam die Krönung des Ausflugs: Wir machten einen Schnorchelkurs und konnten das Gelernte an einem wunderschönen Korallenriff ausprobieren. Nach diesen ereignisreichen Tagen stiegen wir am Abend glücklich zurück in die Busse, um den Rückweg nach Roi Et anzutreten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen