Wenn Geld die Kita-Wahl bestimmt

Der Kampf um einen Kindergartenplatz  für Sontje und Torgny kostet Silvana Behm Geld und Nerven.  Foto: Röhrs
Der Kampf um einen Kindergartenplatz für Sontje und Torgny kostet Silvana Behm Geld und Nerven. Foto: Röhrs

Gebühren werden nur übernommen, wenn ein Vierjähriger die Kita wechselt

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05. April 2011, 08:01 Uhr

Moorhusen | Mit seinen Kindergartenkumpels Bauklötze stapeln, Bilder malen, durch die Gegend toben - Torgny (4) geht gern in den Ecklaker Kindergarten. Aber er kann hier vielleicht nicht bleiben. "Den Wechsel in einen anderen Kindergarten würde er nicht verkraften", fürchtet Mutter Silvana Behm. Mit dem Umzug von Nortorf nach Moorhusen vor eineinhalb Jahren begann für Silvana (29) und Ehemann Thomas (29) ein Bürokratie-Kampf mit dem Amt Itzehoe Land um die Kostenübernahme der Kindergartenplätze.

Die Behms wollen Sohn Torgny (4) keinen Kindergartenwechsel zumuten, sondern in dem Ecklaker Kindergarten lassen. Auch Tochter Sontje (2) wollen sie dort anmelden. Theoretisch kein Problem. Eltern können frei entscheiden, in welchen Kindergarten sie ihren Nachwuchs geben. Praktisch scheitert es jedoch an den Finanzen. Denn die neue Heimatgemeinde der Behms Moorhusen ist nicht verpflichtet und auch nicht in der Lage, die ungedeckten Kosten für einen Platz in der Ecklaker Einrichtung zu übernehmen und die Behms können den Betrag nicht aufbringen. Aber ein Kindergartenwechsel komme für Torgny nicht in Frage: "Er muss aus psychischen Gründen in seinem gewohnten Umfeld bleiben", erklärt Silvana Behm. Eine entsprechende ärztliche Bescheinigung hat das Amt zwar anerkannt und die Übernahme der Kosten genehmigt, allerdings nur für Torgny und das auch nur bis Sommer.

Eine Situation, die Silvana Behm schlaflose Nächte bereitet. Dabei hätte sie allen Grund sich zu freuen: Sie hat die Chance, beruflich wieder voll einzusteigen. Dafür muss aber die Kinderbetreuung einwandfrei geregelt sein - doch davon ist man weit entfernt. "Ich verstehe nicht, dass Finanzen mehr Gewicht haben als das Wohlergehen meines Kindes." Es sei ihr auch ein Rätsel, wieso sie überhaupt dafür kämpfen muss, dass Torgny in Ecklak bleiben darf. "Wenn einmal genehmigt wurde, die Kosten für einen bestimmten Kindergarten zu übernehmen, dann gilt das die gesamte Kindergartenzeit", informiert sie. Das sieht man beim Amt anders, wie der Leitende Verwaltungsbeamte, Volker Tüxen, erklärt: "Die Genehmigung ist jahresweise befristet. Wenn ein weiterer Antrag vorliegt, entscheiden wir neu."

Doch selbst wenn die Gemeinde Moorhusen weiter für die Kosten aufkommt, steht Familie Behm vor noch einem Problem: Denn für Tochter Sontje sieht Tüxen keinen Grund, die Kosten zu übernehmen. "Wir halten ein entsprechendes Angebot auch in Kleve vor und müssen die Kosten deshalb nicht tragen." Für Silvana Behm bedeutet das doppelte Fahrerei. "Es ist doch unzumutbar, dass eine berufstätige Mutter zwei Kindertagesstätten anfahren muss. Das schaffe ich auch zeitlich gar nicht. Und ich halte es nicht für sinnvoll, die Geschwisterkinder zu trennen." Ihr Mann sei beruflich viel unterwegs und auch andere Familienmitglieder könne sie nicht für die Fahrt zum Kindergarten einspannen.

Weiteres Ärgernis: Weil sie eine U3-Betreuung von Dienstag bis Donnerstag benötigt, der Kindergarten Kleve diese Betreuung aber nur von Montag bis Mittwoch anbietet, soll die Familie tiefer in die Tasche greifen und für fünf Tage bezahlen. Obwohl sie ihr Kind auch nur drei Tage in den Kindergarten geben würde.

"Es heißt doch immer, dass junge Familien unterstützt werden sollen. Davon merke ich beim Amt Itzehoe Land aber nichts." Nach zweieinhalb Monaten sei der Kindergarten Familie Behm dann doch entgegen gekommen. "Ich möchte meine Kinder aber nicht trennen lassen, nur weil andere Geld sparen wollen."

Das Amt hat Verständnis für die Notlage der Familie Behm, aber ihm seien die Hände gebunden, wie Tüxen erklärt: "Wir sind wegen der Haushaltslage der Gemeinde Moorhusen nicht frei in der Entscheidung. Der Haushalt ist nicht ausgeglichen, freiwillige Leistungen sind nicht drin", erläutert Tüxen. Denn die Gemeinde ist verpflichtet, einen Kindergarten vorzuhalten. In Kleve betreibt Moorhusen die Einrichtung "Löwenzahn" zusammen mit Kleve, Bekdorf, Krummendiek und Huje. Für die ungedeckten Kosten des Kindergartens muss die Gemeinde in jedem Fall aufkommen, ob Torgny und Sontje nun dort hingehen oder nicht. Besuchen sie aber eine auswärtige Kita, muss sich das Dorf zusätzlich an deren Kosten beteiligen.

Das könnte die Gemeinde ruinieren. Sönke Sießenbüttel, Kämmerer beim Amt, nennt konkrete Zahlen: "Im Haushaltsplan für das Jahr 2010 betrug die Summe der Auszahlungen 89 400 Euro. Davon entfielen allein auf die Bereiche Kindergarten und Schule 35 800 Euro." Hinzu kämen weitere feststehende Zahlungsverpflichtungen. "Moorhusen hat deshalb nahezu keinen finanziellen Spielraum." Einmal eine Ausnahme zu machen, sei schwierig, weil dann auch andere entsprechende Leistungen einfordern würden. "Das würde Moorhusen finanziell an die Wand fahren." Das klinge in Einzelfällen hart, aber hinreichende Gründe, den Antrag auf Kostenübernahme für Sontje und Torgny gebe es nicht. "Wir halten in Kleve einen guten Kindergarten mit gutem Personal und gutem Angebot vor", hebt Tüxen hervor.

Familie Behm ist damit nicht geholfen, wie Silvana Behm beklagt. "Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich will doch einfach nur das Beste für meine Kinder."

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