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Stormarner Tageblatt

19. Oktober 2017 | 04:45 Uhr

Wenn der letzte Wille gelten soll

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Gesundheitsforum informiert erstmals über die Tücken von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2015 | 09:17 Uhr

Patientenverfügung, Betreuungsverfügung, Vormundschaft, Vorsorgevollmacht – diese Begriffe hat jeder schon mal gehört, doch was genau bedeuten sie eigentlich und welche medizinischen und juristischen Konsequenzen haben sie? Zum ersten Mal wird sich das Gesundheitsforum der Asklepios Klinik, des Stormarner Tageblatts und der Barmer GEK dem komplexen Themenbereich „Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht“ widmen. Dr. Jochen Gehrke, Chefarzt der Geriatrie der Asklepios Klinik, und Achim Walter Greiner, Rechtsanwalt aus Bad Oldesloe, werden am kommenden Dienstag, 5. Mai, um 19 Uhr im Bürgerhaus darüber berichten, was aus medizinischer und juristischer Sicht zu bedenken ist. Einen Tag später, am Mittwoch, 6. Mai, ist das Gesundheitsforum dann um 19 Uhr im Seniorendorf in Bargteheide zu Gast.

Das Thema ist sehr wichtig, doch man weiß es von sich selbst: Alles was mit Krankheit und Sterben zu tun hat, schiebt man gerne erst mal von sich. Doch dann könne es zu spät sein, warnt Ralf Klesch, Niederlassungsleiter der Oldesloer Barmer GEK. „Neun von zehn Bundesbürgern können etwas mit dem Begriff Patientenverfügung anfangen, aber nur 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung haben eine entsprechende Erklärung verfasst. Immerhin 40 Prozent haben den Willen, eine entsprechende Patientenverfügung einer Person ihres Vertrauens zu erteilen. Beim Thema Vorsorgevollmacht sind die Zahlen noch deutlich geringer. Oftmals trägt fehlendes Wissen dazu bei, dass entsprechende Erklärungen nicht unterschrieben werden. Aus diesem Grund haben wir dieses Thema bei der diesjährigen Reihe der Gesundheitsforen mit aufgenommen", so Klesch.

Auch Dr. Jochen Gehrke hat die Erfahrung gemacht, dass nur rund ein Viertel seiner Patienten eine Patientenverfügung hat. Viele seien verunsichert, kennen sich nicht aus mit dem „Papierkram“ oder sind damit überfordert. Wer darf eine Vormundschaft ausführen und wie ist da die rechtliche Lage? Fragen über Fragen, die beim Gesundheitsforum von den beiden Fachleuten geklärt werden sollen.

Am Anfang solle das Gespräch mit den Angehörigen und dem Hausarzt stehen, betont Dr. Gehrke. „Man muss miteinander reden, das ist ganz wichtig, denn es soll ja der letzte Wille bekannt und festgelegt werden.“ Der Geriater wird tagtäglich mit Fällen konfrontiert, wo alte, kranke und demente Patienten ihren Willen nicht mehr klar äußern oder erklären können und die Angehörigen überfordert oder uneins sind. Lehnt ein Patient eine künstliche Ernährung, also eine Magensonde ab, so kann er bei akutem Flüssigkeitsmangel trotzdem an den Tropf angeschlossen werden. Hier komme auch die „Geschäftsfähigkeit“ des Patienten ins Spiel, denn wenn die nicht mehr gegeben ist, dann könne eine amtliche Betreuung nur durch eine Vorsorgevollmacht vermieden werden. Nur so kann man die Vertrauensperson selbst auswählen, die bei später eintretender Geschäftsunfähigkeit entscheidet und handelt – im Sinne des Patienten. „Bei Haus- und Geldangelegenheiten überlegen und handeln die Leute, aber wenn es um Krankheit und Tod geht, dann wird die Sache herausgeschoben“, bemängelt Achim Walter Greiner von der Oldesloer Kanzlei Greiner, Herrmann & König. Zwar könnten alle Vollmachten auch ohne einen Notar gemacht werden, aber ohne Notar stoße man auch schnell an Grenzen.

Das Gesundheitsforum will den Anstoß geben, sich Hilfe und professionelle Beratung zu holen. Wie immer können die Besucher Fragen stellen und mit den Referenten diskutieren. Der Eintritt ist frei.

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