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Oldie- und Schlagernacht : Wenn Bata Illic das Bolande rockt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Seit 20 Jahren findet in der Reinfelder Gaststätte „Forsthaus Bolande“ regelmäßig eine beliebte „Oldie- und Schlagernacht“ statt – jetzt mit Bata Illic als Stargast. Unser Mitarbeiter Patrick Niemeier schaute sich das Ganze aus der Nähe an.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2014 | 15:09 Uhr

Um 17 Uhr treffen die ersten Gäste ein. Der Saal des Gasthauses füllt sich. Die meisten Besucher sind eher älteren Semesters. Jugendliche sieht man nur sehr vereinzelt als Begleitung von Eltern und Großeltern. Optisch ist das alles aber bunt gemischt. Man kommt im Abendgardrobe, in Tracht, leger oder im Disco-Outfit – zwei Rocker sind auch dabei. Moderator Mike Dee empfängt mich im schwarz-glänzenden Anzug. In Vorfreude wirkt er ein wenig aufgekratzt. Vielleicht zu Recht, denn mit Bata Illic ist das erste Mal ein echter Stargast in Reinfeld dabei. Vor 24 Jahren habe er das erste Mal als DJ aufgelegt, erklärt Mike. Doch sein Traum sei es schon immer gewesen, mal wie Rudi Carrell zu werden. Sein mittlerweile leider verstorbener Chef habe ihn eines Tages ins kalte Moderations-Wasser geworfen, berichtet er. Wenn er von seinen Auftritten spricht, glänzen seine Augen.

Zwei Stunden später sind 120 Gäste im ausverkauften Saal und Mike voll in seinem Element, „Alle müssen bei mir live singen“, erklärt er mir noch, bevor die Intromusik seiner Show beginnt. Er wolle, dass die Leute wirklich etwas erleben – „hautnah“. Den Anfang macht im Forsthaus der Musiker Jan Hayston. Mit seiner Countrygitarre bietet er Hits von Cliff Richard, den Beatles oder auch John Denver. Das Publikum singt mit und Hayston gibt alles. Das gilt auch für Daniele Menke aus dem Emsland. Von Mike Dee vielleicht etwas zu großspurig als neuer Stern am Schlagerhimmel angepriesen. Aber so ist es alles an diesem Abend: manche Geste vielleicht ein Stück zu groß, die Gefühle ein stück zu dick aufgetragen und die Posen und Witze manchmal vorhersehbar. Das stört aber niemanden im Saal wirklich. Daniela Menke träumt von größeren Auftritten bei Silbereisen und Co. im Fernsehen. Das Brot im Schlagerbusiness sei „aber sehr hart verdient“. Ewig wolle sie nicht nur in Gasthäusern auftreten. Aber: „Es macht mir Spaß und große Freude, wenn ich den Menschen etwas mitgeben kann“, sagt sie und lächelt für ein Erinnerungsfoto. Die Fans der Oldie- und Schlagerparty sind zum Teil weit gereist. Sie kommen aus Wien, aus dem Emsland oder aus dem Allgäu. „Sie sind wichtig für uns, weil leider zu wenig Schlager im Radio oder im Fernsehen eine Chance hat, der nicht von Helene Fischer oder Andrea Berg stammt“, sagt Menke. Am liebsten singe sie ihre eigenen Titel. Darum ginge es schließlich im Endeffekt. Den größten Erfolg feiert sie an diesem Abend aber mit „Atemlos“ von Helene Fischer – man möchte sagen: ausgerechnet. Das Trio der „Vorgruppen“ komplettiert Dennis van Dijkhuizen. Der Niederländer präsentiert unter anderem Flippers-Songs auf holländisch – auch er wird mit viel Applaus belohnt – Leuchtstäbe werden im Takt geschwenkt, es wird geschunkelt.

Für eine ganze Reihe Gäste wäre das auch schon genug Programm. Christa aus Bad Pyrmont, die mit ihrem Mann Horst, Tochter Petra und Enkelin Sonja Scheel nach Reinfeld gekommen ist, findet, dass es keinen Gaststar benötigt. Tochter und Enkelin sehen das etwas anders. Man sei schon gespannt auf Bata Illic. Gegen 23 Uhr taucht er dann als Stargast auf. Teilweise wirkt auch er zunächst etwas müde, doch der Mitsiebziger stimmt eine Reihe seiner Hits auf stimmlich gutem Niveau an und versteht es mit viel charmanter Routine das Publikum um den (Entertainer-)Finger zu wickeln. Von Lied zu Lied taut er mehr auf und scheint Spaß an seinem Auftritt zu finden. Von Allüren keine Spur. Er ist am Ende so etwas wie das i-Tüpfelchen des Events. Der Schlagerveteran geht von Tisch zu Tisch, lässt sich umarmen und fotografieren – erzählt Anekdoten und kleine Witze.

Mike Dee tanzt inzwischen vollkommen ausgelassen auf einem Stuhl – zufrieden mit einem langen Abend. Er hat dem Publikum das geboten, was es möchte. Nach dem Ende von Illics Auftritt gibt es noch ein wenig Musik aus der Konserve. Dann ist Schluss.


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