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Stormarner Wochenschau : Wenn alles zu unsportlich wird

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Diesmal geht es im Wochenkommentar mal ziemlich sportlich zu. Oder ist ess eher unsportlich?

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erstellt am 03.Dez.2016 | 08:00 Uhr

Sportlich I

Würde man das im Fußball eine Gelbe Karte nennen? Auf jeden Fall war es die erste Bruchlandung für Oldesloes neuen Bürgermeister Jörg Lembke. Seit Jahren zieht es sich wie ein roter Faden durch die Beschlusskontrolle des Sozialausschusses: Neue, einheitliche Pachtverträge mit den Sportvereinen für die städtischen Anlagen. Stelle nicht besetzt, Stelleninhaber schon wieder weg, keine Zeit wegen Überlastung ... Eeeendlich gab es einen unterschriftsreifen Entwurf, da nahm mit Jörg Lembke ein Neuer auf den Chefsessel Platz. Und der hat nichts besseres zu tun, als im Vertragstext rumzukritteln – ohne Rücksprache mit den Vereinen. Es sollte ein Passus aufgenommen werden, dass auswärtige Vereine nicht so einfach auf Oldesloer Anlagen trainieren dürfen. Wir bezahlen und die machen unsere Plätze kaputt. So sollte das nicht weiter gehen.

Aus der Sitzungsvorlage konnte man viel raus lesen, aber keinen Beleg dafür, dass dem so ist, keinerlei Fakten, die eine Überspielung der Fußballplätze beweist. Das hat Politik – alle Fraktionen, bis auf Matthias Rohde (FBO) – erkannt und entsprechend abgestimmt. Weg mit dem Zusatz-Passus! Da sah man es mal überdeutlich: Der Bürgermeister entscheidet nicht, er hat umzusetzen, was Politik ihm vorgibt. Punkt.

Sportlich II

Ein Dukatenesel wie in „Tischlein deck dich“ wünscht sich wohl jede Gemeinde. In Tangstedt dachte einige, ihn gefunden zu haben – auch in Form der Pferde. Die gibt es ja reichlich in der Hamburg-nahen und flächenmäßig größten Stormarner Gemeinde. Doch die Besitzer wollen sich einfach nicht als Esel sehen und verweigern die Dukaten in Form einer Steuer. Sport- und Reiterverbände und vor allem die Reiterinnen trommeln seit Wochen dagegen. Mit einer mächtigen Demo vor der eigentlich entscheidenden Sitzung der Gemeindevertretung zeigten sie jetzt, wie groß der Widerstand ist. Dass die Entscheidung vertagt wurde, mag ein Erfolg des Bürgermeisters sein, es hat aber auch was von Feigheit vor dem „Feind“. Niemand von den Befürwortern hatte sich bei der Demo sehen lassen. Auch wenn BGT und SPD vor der Sitzung noch einiges bereden mussten – das wäre drin gewesen. Klar, dass die Gegner von CDU und FDP die Gunst der Stunde und die Demo nutzten, um auf sich und ihre Argumente gegen die Steuer aufmerksam zu machen. Die sind ja auch nicht schlecht. Reitverbände und Sportvereine sind dagegen, weil damit erstmals eine Sportart besteuert würde. Das hat das Bundesverwaltungsgericht zwar grundsätzlich erlaubt, in der Landesverfassung ist aber auch Sportförderung festgeschrieben. Allerdings steht dort ebenfalls, dass eine angemessene Finanzausstattung der Kommunen gewährleistet wird. Gäbe es die, hätte Tangstedt kein Haushaltsloch, das als Begründung für die Pferdesteuer herhalten muss. Bei 700 Pferden und einem Defizit von 1,7 Millionen reichen die genannten 150 Euro nicht weit. Es müssten schon mehr als 2400 Euro sein. Eine rechtliche Bewertung wird Tangstedt nicht viel weiterbringen: Ob man Ja oder Nein zur Pferdesteuer sagt, ist keine juristische, sondern eine grundsätzliche Frage.
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