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Bargteheide : „Wenn alles so super wäre, dann könnte ich aufhören“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Philosophie- und Politik-Stunde mit Schleswig-Holsteins Energiewende-Minister Robert Habeck (Grüne) im KGB.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2015 | 10:44 Uhr

Fachschaftsleiterin Mandy Köhler ist gerade noch dabei, ihren Gymnasiasten die passenden Fragen zu entlocken, da schleicht er auf leisen Sohlen herein – ganz locker und leger gekleidet und schaut Mandy Köhler verschmitzt an: „Bin ich zu früh. Soll ich draußen warten?“, fragt Dr. Robert Habeck. Natürlich nicht! Er trägt Baumwollhose, Hemd, Jackett, Stiefeletten und könnte auch problemlos als ein Lehrer der Schule durchgehen. Aber das ist er nicht. Er ist Philosoph und Politiker und an diesem Tag auserwählter Gastdozent. Schließlich heißt das Thema des Philosophie-Kurses der Jahrgangsstufe Q  2: „Sind Philosophen die besseren Politiker?“

„Nein“, antwortet der 46-Jährige, „das sind sie nicht. Aber ein paar philosophische Werkzeuge helfen, im politischen Beruf gut über die Runden zu kommen.“ Und auch die Frage, ob nicht alle Politiker Philosophen sein sollten, verneint Habeck. Reichhaltigkeit sei wichtig. Im Landtag säßen Ärzte, Juristen, Landwirte und, und und. „Alles macht es aus!“

Ihm selbst helfe die Philosophie. Er sehe Dinge von einer anderen, höheren Ebene – aus einem anderen Blickwinkel und hinterfrage einzelne Meinungen und Interessen. „Philosophie hilft in der Politik“, wenn man sich in eine Sache verbissen habe. „Wenn Politiker mal ein Stück von ihren Einzelmeinungen abgeben würden, wäre das gut.“ Überhaupt sei Philosophie einfacher als Politik. Es gebe schon politische Zwänge, antwortet er auf eine Frage aus der Zuhörerschaft. Und, klar, sei das nicht immer einfach. Nichtsdestotrotz wolle er sich einmischen, um etwas anders oder besser zu machen. „Wenn alles super wäre, könnte ich aufhören.“ Dabei legt er großen Wert auf Werte („Lieber aufrecht sterben, als auf den Knien leben“) und fragt seinerseits „Wie will ich sein? In welcher Gesellschaft will ich arbeiten?“

Da ist man dann wieder bei der Philosophie. Die war bei Robert Habeck übrigens zuerst da. Ein Selbstentwurf und Lebensgefühl. „Da hatte ich Lust drauf. Das hatte ganz viel mit mir zu tun. So wollte ich sein. Ich habe dann Abitur in Philosophie gemacht. Die Politik kam erst später dazu, ist gewachsen.“ Sein erster Job war Kreisvorsitzender der Grünen in Schleswig-Flensburg. Dann folgte der Landesvorstand, Fraktionsvorsitz etc. Seit 2012 ist er nun Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume sowie Stellvertreter des Ministerpräsidenten und weiterhin Vollblut-Grüner. „Die Grünen sind mein Resonanzboden“, antwortet er auf die Frage: Warum grün? Die waren immer was Freies für mich.“

„Wären bessere Menschen nicht besser?“, fragt ein Gymnasiast. Habeck schüttelt sich. „Ich fürchte mich vor dem besten Menschen. Das endet immer in Uniformität. Die Gesellschaft darf nicht stillstehen. Wir müssen uns reiben und streiten.“ Wenn nicht, habe die Menschheit verloren.

Sogar private Einblicke gewährt der Minister. Mit Autorin Andrea Paluch hat der gebürtige Lübecker vier Söhne und zahlreiche Romane verfasst sowie englische Lyrik übersetzt. „Es gab Phasen extremer Konflikte bei der Form der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, gibt Habeck freimütig zu. Er sei leider selten oder spät daheim und verspüre so manches Mal Heimweh. Weh tue es ihm, wenn Kritik persönlich werde. „Da bin ich dünnhäutig. Das ärgert mich – je nach Tagesform.“ Aber auch in diesem Polit-Fall helfe ihm die Philosophie.

Sein Lieblingsphilosoph ist übrigens Albert Camus und dessen Zitat: „Hier geht ein freier Mensch, niemand schuldet ihm etwas.“ Eines der Leitbilder von Dr. Robert Habeck.

 

 

 

 

 

 

 

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