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Die Kleidungsvermarkter : Weltmarktführer aus Ahrensburg

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Soex Group hat beim Handel mit Alttextilien die Fäden in der Hand

In der größten Stadt in Stormarn hat der nach eigenen Angaben weltweit führende Vermarkter und Recycler von Alttextilien seine Zentrale. Die Soex Group beschäftigt mehr als 1000 Menschen. 120 sind es in Ahrensburg, 700 im fast 90  000 Quadratmeter großen Sortier- und Recyclingwerk in Wolfen, wo täglich bis zu 350 Tonnen Alttextilien und Schuhe aus ganz Europa verarbeitet werden.

Nach Grob- und Vorsortierung gehen die Sachen an speziell geschulte Mitarbeiterinnen. Jedes Stück wird in drei Sortierstufen auf Qualität, Material und modische Aspekte überprüft. Etwa 2200 Kilo Altkleider gehen am Tag durch die Hand einer Sortiererin, die bestens über Mode und aktuelle Trends informiert sein muss.

Zehn Prozent sind modisch einwandfreie Markenprodukte, die auch in eigenen Läden in den Wiederverkauf gehen. Weitere 47 Prozent sind so gut, dass sie als Secondhand-Kleidung in mehr als 90 Ländern vermarktet werden. Nicht mehr tragbare Ware wird zu Putzlappen oder zu Sekundärrohstoffen für die Industrie verarbeitet, zum Beispiel als Dämmmaterial für Autos. Selbst der beim Recycling anfallende Staub wird genutzt: Er wird zu Briketts gepresst und in der Papierindustrie eingesetzt: Es ist das „Zero Waste Prinzip“ von Soex.

Doch nicht nur Alttextilien finden ihren Weg zu Soex, auch Überproduktionen oder fehlerhafte Ware von namhaften Bekleidungskonzernen wie H&M und C&A. Sie werden bei Soex Trading in Ahrensburg sortiert und weiterverkauft.

Die Oldesloer werden Soex noch aus der Kampstraße kennen. 1982 war das von Sourein Ohanian Ende der 1970er Jahre gegründete Unternehmen nach Bad Oldesloe gekommen. In der Kampstraße gab es auch einen Secondhand-Laden. Das ist lange vorbei. Mit seinen Söhnen Nerses und Hagop baute Sourein Ohanian den Handel auf den Märkten Europas, Südamerikas und in Nahost auf. 1993 übernahmen die Söhne die Geschäftsleitung, und Soex kaufte ein Unternehmen für die Erfassung von Alttextilien. Das eigene Sortierwerk in Bitterfeld-Wolfen ging 1998 mit 150 Mitarbeitern an den Start.

Seit dem vergangenen Jahr ist dort auch die weltweit erste Schuhrecycling-Maschine im Einsatz. 35  000 Paar Schuhe kommen dort täglich an, ein Viertel davon ging vorher in den Müll, weil bei Schuhen so unterschiedliche Materialien wie Gummi, Leder, Metall, Kunststoff, Holz und Stoff so fest miteinander verklebt sind, dass sich bislang niemand an das Recycling gewagt hatte.

In den vergangenen Jahren trennten sich dann die Wege der Soex-Gruppe und der Familie Ohanian. Sie führt weiter Soex West USA. Zum 1. September 2016 stockte die Schweizer voSop AG ihre Anteile an der SOEX Textil-Vermarktungsgesellschaft auf 93,5 Prozent auf. Der Umzug der Zentrale nach Ahrensburg war ebenfalls Teil der Umstrukturierung, zumal es in der Kampstraße keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr gab.

Die Altkleider kommen aus 22  000 Sammelbehältern in Deutschland, von denen zwei Drittel mit karitativen Partnern betrieben werden. Ihnen kauft Soex die Textilien ab, für eigene Container zahlt Soex eine Stellgebühr. „Wir zahlen für alles. Wir wollen nichts geschenkt haben“, sagt Unternehmenssprecher Tim Krawczyk. Hauptabsatzmärkte sind Afrika (34 Prozent), Westeuropa (32 Prozent), Osteuropa (16 Prozent) sowie der Mittlere Osten (16 Prozent).

Vor ein paar Jahren stand Soex nach eeiner TV-Dokumentation mit dem Titel „Die Altkleider-Lüge – Wie Spenden zum Geschäft werden“ in der Kritik. Hauptvorwürfe: Die Spender wissen nicht, was mit ihrer Kleidung passiert, und Unternehmen wie Soex machen die Textilindustrie in Afrika kaputt.

„Wir versuchen seit zwei Jahren, transparenter zu werden. Intransparenz schafft Gerüchte“, sagt der Unternehmenssprecher. Soex sei „nicht für die schwache Textilindustrie in Afrika verantwortlich. Da wird uns eine Rolle zugeschoben, die viel zu groß für uns ist.“

Ein Großteil der Altkleider geht über Zwischenhändler nach Afrika. „Mitumba“ wie die Second-Hand-Kleidung im Volksmund genannt wird, ist in Afrika sehr beliebt, weil sie von guter Qualität günstiger als die einheimische Ware ist. Zudem schafft Mitumba Arbeitsplätze. An dem Geschäft hängen eine ganze Industrie und mehrere hunderttausend Arbeitsplätze – von Händlern, Transportunternehmern, Schneidern bis zu Tagelöhnern. Allein auf dem Markt Gikomba im kenianischen Nairobi haben laut einer Studie der Universität Sussex 12    000 Menschen durch den Handel mit Altkleidern Arbeit. Und für Menschen mit geringem Einkommen ist Mitumba die beste Möglichkeit, sich mit Kleidung zu versorgen.

Hauptproblem der afrikanischen Textilwirtschaft ist laut Experten die mangelnde Konkurrenzfähigkeit gegenüber asiatischen Produzenten. Staatliche Eingriffe in Privatunternehmen und die mangelnde Produktivität nannte auch die Bundesregierung vor vier Jahren als ursächlich für den Rückgang der lokalen Produktion auf dem afrikanischen Kontinent.

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