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Tarifwechsel beim Müll : Welches Tönnchen hätten Sie gern?

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die graue Tonne wird teurer, die braune billiger: Mit ihrem neuen Tarifsystem will die AWSH die Restmüllmenge senken und mehr Bioabfall für die Vergärung bekommen.

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erstellt am 04.Dez.2013 | 06:15 Uhr

Es gibt sie, die Verlierer im neuen Tarifsystem der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH), aber absolut die meisten Stormarner werden von den komplett neu kalkulierten Gebührensätzen profitieren. „Mehr als 60 Prozent der Bürger, wenn sie alles so lassen, wie es ist, und sogar 90 Prozent, wenn man seine Tonnen optimiert“, sagt AWSH-Sprecher Olaf Stötefalke. Und mit denen, die ab Januar mehr bezahlen müssen, hat AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel kein Mitleid: „Die haben bisher vom System profitiert, bei dem das Volumen der einzige Maßstab war“.

Das hält der AWSH-Chef mittlerweile für „idiotisch, weil wir im Grunde die gefördert haben, die Restmüll produzieren, obwohl wir den ja gerade vermeiden wollen.“ Das neue Tarifsystem kennt Grundgebühren für Grundstück und Person sowie Rückerstattungen für Recycling-Erlöse und die Nutzung von Papiertonnen. Restmüll wird teurer, Bioabfall wesentlich günstiger.

Das ist so gewollt. In Trittau wird aus Biomüll nicht nur Kompost. Seit 2012 wird vorher vergärt, und mit dem Biogas ein Blockheizkraftwerk betrieben. 2010 hatte eine Volumen-Untersuchung ergeben, dass Restmülltonnen zu 40 Prozent Bioabfall enthalten. Kissel: „Wenn wir nur die Hälfte davon bekommen, könnten wir locker noch so eine Anlage wie in Trittau betreiben.“

Das ist die ökologische Seite des neuen Konzepts, das die AWSH „Fair Pay“ nennt, weil es gerechter und transparenter sei, so Stötefalke. Allerdings auch komplizierter. Und weil das so ist, gibt es unter www.AWSH.de einen Tarifrechner, bei dem sich jeder mögliche Kombinationen ausrechnen lassen kann. Die Palette reicht von 40-Liter-Tonne alle vier Wochen bis 240 Liter zweiwöchentlich. Die großen Gefäße mit Volumen von 770 und 1100 Litern sind für Mehrfamilienhäuser gedacht.

Genau da ist aber eine große Schwachstelle im System. Die Entscheidung, welche Tonnen aufgestellt werden, trifft im Geschosswohnungsbau die Verwaltung. Die Mieter bekommen die Abrechnung oft überhaupt nicht zu sehen, wissen also nicht, dass sie mit mehr braunen statt grauen Behältern günstiger davonkommen würden.

„Ich glaube, dass die Wohnungswirtschaft das Thema mittlerweile erkannt hat“, sagt Kissel , fordert die Mieter aber auch auf, „Druck“ beim Vermieter zu machen. Aufklärung und guter Wille reichen allerdings nicht immer. „Wir haben Objekte, bei denen wir die Getrennt-Sammlung komplett einstellen mussten, weil es überhaupt nicht funktioniert hat.“

Trotzdem ist man bei der AWSH von dem „schlüssigen Konzept“ überzeugt, mit dem man einen wichtigen und richtigen Schritt mache. Eine Vorhersage, wie die Menschen tatsächlich reagieren, traut man sich trotzdem nicht zu. „Wir werden mit Sicherheit überrascht werden“, so Kissel. Und selbst wenn sich viele für kleinere graue Tonnen entscheiden, werde die Restmüllmenge nicht sofort mitsinken „Es wird ja zurzeit auch viel Luft gekippt.“

Nach der Kreistagssitzung am 13. Dezember, bei dem die neue Entgeltordnung noch formell beschlossen werden muss, wird die AWSH die Rechnungen, Infos und die Abfallfibel versenden. „Wir haben jetzt schon bis zu 1200 Anfragen am Tag und befristet neun zusätzliche Telefonkräfte eingestellt. Auch unser Tarifrechner wird bereits sehr intensiv genutzt“, so Stötefalke.

Und 5000 Wünsche für eine andere „Betonnung“ sind ebenfalls schon bei der AWSH eingegangen. Ab Montag soll die Bestellung der Behälter dann auch per Internet möglich sein. Das tatsächliche Austauschen – im Zuge des Tarifwechsels kostenlos – wird sich allerdings über Wochen und Monate hinziehen. 14 000 Behälter für 40 Liter hat die AWSH im Vorgriff bestellt. Das sind aber keine kleinen Tonnen, sondern größere mit festen Einsätzen.

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