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Stormarner Tageblatt

20. Oktober 2017 | 11:13 Uhr

Weinlese auf dem Uni-Campus

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Professor Georg Sczakiel baut auf dem Gelände der Universität klassische Rebsorten an / Lesen jetzt beendet

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Ein Gebäude aus den 60er Jahren und Bauschutt im Boden – nicht unbedingt der Bereich, in dem man ideale Voraussetzungen für den Weinanbau vermuten würde. Georg Sczakiel schon. Der der gebürtige Pfälzer und Direktor des Instituts für Molekulare Medizin an der Lübecker Universität ist Weinkenner und und -liebhaber. Seine Leidenschaft zu den Reben brachte er vor 13 Jahren mit in die Hansestadt. Und entdeckte ein „durchaus günstiges Kleinklima“ neben seinem Arbeitsplatz, dem Transitorium.

Die Südlage des klotzigen Gebäudes macht’s. Und der Boden, in dem Dank Bauschutt und Sand der Regen schnell versickern kann. Genauso eine große Rolle spielt die große Gebäudefront, weil sie Nordwinde abhält. „Zusätzlich reflektiert das haus Wärme und Licht“, sagt Sczakiel, der zufrieden die letzten Trauben von den gut 170 Rebstöcken abschneidet. Die Ernte 2013 ist damit fast abgeschlossen.

Seit 2005 baut der Naturwissenschaftler Wein auf dem Campus an. Und sein gut 20-köpfiges Team zieht mit. Auch wenn die Ernte bisher nicht dazu geführt hat, dass massenhaft Flaschen abgefüllt werden konnten. Denn das Ganze steckt noch in der Experimentierphase. Welche Sorten in Lübeck gedeihen können, interessiert Sczakiel brennend. Und sie mit denen in der Heimat zu vergleichen. Deshalb gibt es von vielen klassischen Sorten – von Merlot über Müller-Thurgau bis zum Riesling – jeweils eine Handvoll Rebstöcke. Der Platz ist begrenzt, deshalb die Ernte pro Sorte überschaubar.

Wie Rosen oder auch Apfelsorten benötigen die Weinpflanzen einen wurzelbildenden Unterbau, der – dem Untergrund angepasst – entsprechend ein „Edelreis“, die Rebsorte des Weines aufgepropft bekommt. Daraus kann sich guter Wein entwickeln – an der Lübecker Uni sogar in bester Qualität. „Kabinett“ und sogar „Spätlese“ dürften sich seine Weine nennen, würden sie nicht noch ausschließlich zu Testzwecken verköstigt.

Das Fachwissen trägt Sczakiel seit seinem 20. Lebensjahr mit sich herum. Nach einer Lehre als Fassküfer (ein Handwerker, der Behälter wie Weinwässer, meist aus Holz, herstellt) kaufte sich der junge Chemie-Student einen Weinberg. Diesen pflegt der Wahl-Lübecker in der Pfalz noch heute.

Das Stück Heimat an der Trave und dazu direkt neben der Arbeitsstätte sei aber reines Hobby, betont der Professor. Seine Augen leuchten gleichermaßen, wenn es um Wein und um molekulare Mechanismen geht. Einen Bezug zu seiner wissenschaftlichen Arbeit in dem „Campus-Weinberg“ ist nicht zu finden, denn sein Team forscht gerade daran, Tumormarker im Urin von Patienten mit Blasenkrebs nachweisbar zu machen.

Zum Ausgleich von der intensiven Forschungsarbeit nutzt Sczakiel jede Gelegenheit, sich den Pflanzen vor der Tür des Instituts zu widmen. Manchmal muss der Professor auch Polizist spielen, denn gerade zur Erntezeit kommen Spaziergänger und schneiden die Trauben gleich tütenweise ab.

Dabei hat der Hobbywinzer gar nichts gegen das Probieren. „Naschen ist erlaubt“, scherzt Sczakiel, dessen Rebstöcke eventuell bald Konkurrenz in Lübeck bekommen könnten – aus dem eigenen Haus, denn Sczakiel sucht eine weitere Fläche in der Hansestadt, an der guter Wein wachsen kann. Etwa zehn mal zehn Meter groß müsste die Fläche mindestens sein – und eben in geschützter Südlage.

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