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Großhansdorfer Mordversuch : Wein, Whisky-Cola und ein Beil ...

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein 28-Jähriger steht in Lübeck vor Gericht, weil er im Sommer in Großhansdorf den Freund der Mutter mit einem Fleischerbeil am Kopf schwer verletzt hatte.

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Der Angeklagte schweigt. Der 28-jährige Kasimir Z. (Namen geändert) hatte am 14. Juni dieses Jahres den Freund seiner Mutter mit einem Fleischerbeil attackiert und schwer am Kopf verletzt. Die Klinge drang bis ins Gehirn des 48-jährigen Gärtners Jaroslaw W. ein. Dazu sagte das Opfer gestern vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Lübeck aus. Dort wird der Großhansdorfer wegen Mordversuchs angeklagt.

Eines haben Täter und Opfer gemein: Beide sind dem Alkohol sehr zugeneigt. Die Tat ereignete sich an einem Freitagabend während einer Party in der Wohnung der Mutter. Daran nahmen auch einige Gäste teil, es gab Wein und Whisky-Cola. „Wir waren alle mehr oder weniger angetrunken“, so eine Zeugin. Doch der Angeklagte sei schon stark betrunken gewesen, genau wie das Opfer. Die Blutprobe aus der Tatnacht ergab über zwei Promille.

Es könne sein, dass er den jungen Mann provoziert habe, sagte Jaroslaw W. aus. „Daran erinnere ich mich nicht mehr. Stress und Alkohol spielten auch eine Rolle.“ Seit der Attacke leidet er unter Gedächtnisstörungen. Er konnte sich auch nicht an seine Vernehmung bei der Polizei erinnern. Damals hatte er gesagt, der Angeklagte habe ihm das Beil schon vor der Tat gezeigt und zu ihm gesagt „pass auf“. Das sei gut möglich, so Jaroslaw W, „ich kann es aber nicht zu 100 Prozent bestätigen.“ Während seiner Aussage starrte ihn der Angeklagte unentwegt an.

Zeugen sagten aus, er habe dem Angeklagten zunächst zwei Schläge auf den Hinterkopf versetzt. Kasimir Z. soll dann später in die Küche gegangen und mit dem Beil zurückgekehrt sein. Das habe er hinter seinem Rücken verborgen und dann unvermittelt damit zugeschlagen, so die Zeugen.

Eine Arzthelferin leitete erfolgreich Wiederbelebungsversuche ein: „Er hatte keinen Puls mehr. Ich habe sein Herz massiert und ihn mit dem Mund beatmet.“ Drei Wochen sei er im Krankenhaus gewesen, dann auf eigenen Wunsch entlassen worden, so Jaroslaw W. Er musste erst wieder laufen und sprechen lernen. Heute arbeite er wieder und sei ohne Beschwerden. Seine Anwältin wies auf mögliche Spätfolgen hin: „Er hat noch Knochensplitter im Gehirn, es sind massive Beschwerden möglich.“ Er sei dem Angeklagten heute auch nicht mehr böse, so Jaroslaw W.: „Als ich wieder aufwachte, habe ihn noch zehn Jahre hinter Gitter gewünscht.“ Allerdings tritt er im Verfahren auch als Nebenkläger auf.

Die Mutter des Angeklagten hatte sich nach dem Vorfall endgültig von ihm getrennt. Das war schon vor der Tat einmal geschehen, Jaroslaw W. hatte auch die polizeiliche Auflage, sich von der Wohnung fernzuhalten. „Doch sie hat ihn eine Woche später wieder eingeladen“, sagte eine Zeugin aus.

Tatmotiv könnten die dauernden Kränkungen des Angeklagten durch Jaroslaw W. sein. „Wenn er kam, war die Stimmung kaputt“, sagte die Cousine des Angeklagten aus. W. sei auch gegen ihren Freund gewalttätig geworden und habe finstere Drohungen ausgestoßen. Und er mochte den Sohn seiner Freundin nicht. „Er schubste und schlug ihn öfters und verkündete, er sei der Boss“, so die Cousine. Er sei auch ständig betrunken gewesen: „Ich kann mich nicht erinnern, dass er einmal nüchtern war.“ Ähnlich sei es auch mit Kasimir Z. gewesen, sagte ein Freund von ihm aus: „Er war oft betrunken, wenn er zu trinken anfing, konnte er nicht damit aufhören.“ Deshalb hätten sich auch viele Bekannte von ihm abgewendet. Auch Eifersucht auf den Partner der Mutter könnte ein Motiv gewesen sein. „Sie war für ihn sehr wichtig, aber sie hat ihn oft geschlagen. Ihr waren andere Menschen wichtiger als er“, sagte seine Cousine aus.

Er hatte sich offenbar in seiner eigenen Welt eingerichtet. Zeugen berichteten von seinen nebulösen Formulierungen. „Ich kenne dich aus einem früheren Leben, da habe ich dich vor dem Tod gerettet“, hatte er zu einer Zeugin gesagt. Sein Freund sagte: „Der Alkohol hat ihn kaputt gemacht, er ist davon balla balla geworden.“ Während der Party habe der auch noch Cannabis aus einer Pur-Pfeife geraucht.

>Der Prozess wird bereits heute ab 9 Uhr in Lübeck fortgesetzt, dann werden weitere Zeugen gehört.





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