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Behörde wittert Kinderarbeit : Weihnachtstheater in Gefahr

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kinderarbeit bei Amateurbühnen und ihren weihnachtlichen Märcheninszenierungen? Die staatliche Arbeitsschutzbehörde verlangt von Oldesloer Bühne und Chapeau Klack jedenfalls aufwändige Ausnahmegenehmigungen, andernfalls drohen Ordnungswidrigkeitsverfahren.

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erstellt am 06.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Da hört das Theater auf. Oder geht es erst richtig los? Die staatliche Arbeitsschutzbehörde nimmt offenbar zunehmend Kinder- und Jugendtheatergruppen ins Visier und droht mit dem Verbot von Weihnachtsinszenierungen wenn die geforderten Genehmigungen nicht vorgelegt werden können.

Kinderarbeit ist verboten. So ist es per Gesetz geregelt. Aber wie es so ist, gibt es natürlich auch Ausnahmen. Heike Gräpel, Vorsitzende der Oldesloer Bühne, fiel aus allen Wolken, als sie einen Anruf der staatlichen Arbeitsschutzbehörde bekam und sie auf die fehlenden Genehmigungen hingewiesen wurde. „Wir beschäftigen die Kinder doch nicht. Die kriegen doch kein Geld dafür“, findet sie, doch die Behörde sieht das anders. Gräpel bekam eine klare Ansage: „Sie müssen einen Antrag stellen.“ Die ehrenamtliche Theaterfrau verstand die Welt nicht mehr. „Ich habe gefragt, wie die sich das vorstellen, ich habe schließlich 30 Kinder in der Gruppe und bekam zur Antwort: ‚Wenn die Polizei kommt, kann die Veranstaltung beendet werden.‘ Da hat bei uns natürlich das Dach gebrannt“, erzählt sie.

Bei der Theatergruppe „Chapeau Klack“ sieht es nicht anders aus. Deren Kinder treten am Wochenende beim Adventsmarkt in der Stormarnhalle auf – natürlich ohne Gage. Die Truppe hat sich extra ein Theaterzelt organisiert, Freunde sowie Bekannte mobilisiert und ordentlich die Werbetrommel gerührt. Bis dann der Arbeitsschutz auf den Plan trat. Plötzlich stand alles auf der Kippe. Für Leiterin Britta Finger drohte eine Welt zusammenzubrechen. “Mir war klar, dass es dieses Gesetz gibt“, sagt sie: „Aber das gilt doch nur für Beschäftigungsverhältnisse.“ Grundsätzlich hält sie die gesetzlichen Regelungen für gut und richtig. Britta Finger: „Grade im Modelbreich werden Kinder ganz schnell verbrannt. Da ist es wichtig, dass Leute ein Auge drauf haben, aber doch nicht im Freizeitbereich.“

Die staatliche Arbeitsschutzbehörde ist in Schleswig-Holstein bei der Unfallkasse Nord angesiedelt. Ein Ableger ist von Lübeck aus tätig. „Die staatliche Arbeitsschutzbehörde kontrolliert die Einhaltung des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Bei Zuwiderhandlungen hat die zuständige Behörde das Recht einzugreifen oder ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten“, teilt Sprecherin Lilian Meyer auf Nachfrage schriftlich mit: „Die staatliche Arbeitsschutzbehörde prüft, ob die beantragten Beschäftigungen für Kinder und Jugendliche geeignet sind.“

Elke Heilsberger leitet in Bargteheide nicht nur die Theatergruppe des Verschönerungsvereins, sie ist im Verband auch auf Landesebene tätig. „Es ist verrückt sowas. Voll verrückt, aber soweit ich weiß, hat das Amt Recht. Arbeitsschutzgesetz – da beißt die Maus keinen Faden ab.“ Sie habe in der Angelegenheit schon Kontakt zum Bundesverband der Amateurtheater aufgenommen. „Wir werden an das Ministerium rangehen“, kündigt sie an: „In Bayern sind die Amateurtheater schon ausgenommen.“ Das werde aber erst im kommenden Jahr geschehen, denn jetzt müsse die Hochsaison mit den Weihnachtsaufführungen unbeschadet über die Bühne gebracht werden.

Im Grunde ist es kein Problem, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen. Dazu gehört logischerweise eine Einverständniserklärung der Eltern, aber auch eine der Schule und ein ärztliches Attest muss her. Wenn das alles positiv ausfällt, wird auch noch das Jugendamt eingeschaltet. „Ich finde das unsinnig“, hält Elke Heilsberger mit ihrer Meinung nicht zurück: „Sind wir denn wieder im Mittelalter? Und wenn Sie das beantragen, kostet das zwischen 40 und 800 Euro.“ Britta Finger kann weitere Details beisteuern: „Es darf nicht irgendein Arzt sein, es muss einer der Berufsgenossenschaft sein.“

Britta Finger und Heike Gräpel sind sich in dieser Angelegenheit einig: „Da besteht akuter Klärungsbedarf. Das kostet uns Kinder. Die ersten sind schon abgesprungen.“

Es war leider nicht möglich, von der staatlichen Arbeitsschutzbehörde eine Definition von „Beschäftigung“ und „gewerblich“ zu bekommen, um eine Abgrenzung zwischen Kinderarbeit und Hobby vornehmen zu können. Sowohl die Oldesloer Bühne, als auch Chapeau Klack haben sich vorerst retten können. Die Chapeau-Klack-Mitglieder lehnen Vereinsstrukturen bewusst ab. „Wir wollen einfach nur Theater spielen“, erläutert die Leiterin: „Da die Gruppe ein Angebot der offenen, städtischen Jugendarbeit ist, stehen wir quasi ohnehin unter Behördenaufsicht – dann gilt das für uns nicht.“ Heike Gräpel verfolgt eine andere Argumentation: „Wir sind ein gemeinnütziger Verein und hoffen, dass wir damit raus sind. Unser Weihnachtsmärchen darf stattfinden. Danach werden wir das persönliche Gespräch suchen.“

 

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