Weichbeton braucht harte Männer

 Foto: Karikatur: Wiedenroth
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19. März 2011, 08:32 Uhr

Ansichtssache Das war der Brüller des Abends. Marketing-Frau Ina Weber schwadroniert, wie wichtig das Wasser für Oldesloe ist: "Es wäre doch schön, wenn es einen Treffpunkt am Wasser gäbe, wo man die Enten füttern kann." Ohhhhh, da gingen ein Aufschrei und großes Gelächter durch die Reihen. Enten füttern - das böse Wort, das geht natürlich gar nicht. Bürgerworthalter Rainer Fehrmann fällte gleich ein Urteil. Zur Strafe müsse Ina Weber an drei Sitzungen des Umweltausschusses teilnehmen. Was für einen Christdemokraten Strafe sein mag, kann für einen Grünen durchaus Lebensinhalt sein.

Imagefrage Noch so ein Brüller in der Hauptausschuss-Sitzung war die Frage von Birgit Weißmann (SPD) an Ina Weber, wie sie denn die Parkgebührenerhöhung bewerte. "Machen die 20 Cent den Geschäftsleuten wirklich den Garaus?", wollte sie wissen. Die Marketingfrau zog sich geschickt aus der Affäre und antwortete, das sei eine politische Frage. Nun kann eine Politikerin eine Marketingexpertin durchaus fragen, was passiert, wenn sie dieses oder jenes beschließt. Da kann sie sicher eine qualifizierte Antwort geben - aber bitte vor dem Beschluss! Sie kann sich jedoch keine Absolution holen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Oder sollte das der Einstieg in den Ausstieg sein?

Die Stadt hätte den Spieß viel früher umdrehen können: Wir beschließen das, wir wissen, es wird Ärger geben, aber sieh du, Marketing-Frau, zu, dass du uns das gut verkaufst. Das wäre eigentlich die schlaueste Idee gewesen. Wir erhöhen zwar die Gebühren, werben aber damit, dass es viele günstige und sogar kostenlose Parkplätze gibt, dann merkt keiner die Erhöhung. Ein echter Marketing-Crack hätte vermutlich von sich aus gesagt: Wenn das beschlossen wird, müssen wir das flankieren. So oder so ist aber niemand darauf gekommen, schon gar nicht die Oldesloer Kaufleute, die mit ihrem Geschrei das negative Image nur noch schlechter gemacht haben.

Stau-Trauma: Auf der A 1 wird es 2011 nicht besser als 2010: Dauer-Baustelle, Behelfsspuren, gesperrte Abfahrten. Im August wird die gerade erneuerte Autobahn zwischen Bargteheide und Bad Oldesloe wieder aufgerissen und erneut erneuert. Der Beton ist zu weich, und wer Schuld hat, wird nun vor Gericht geklärt. Dem Autofahrer hilfts wenig, und wer gedacht hatte, selbst weicher Beton würde ja wohl bis August halten und dann man könnte zumindest bis dahin alle drei Spuren benutzen, der ahnte einfach nichts von den gesetzlichen Fallstricken: Weil der Vertrag mit der Baufirma gekündigt, steht nun das Land in der Haftungspflicht, und in Kiel will man nicht riskieren, für Unfälle in Regress genommen zu werden, die auf die schlechte Fahrbahn zurückzuführen sein könnten. So wird es demnächst wieder in zwei Behelfsspuren auf der Gegenfahrbahn gen Norden gehen - immer mit dem Blick auf die jungfräuliche linke Spur, die nie für den Verkehr freigegeben wurde. Beim Dilemma des Autofahrers fiel unserem Karikaturisten Götz Wiedenroth Landrat Klaus Plöger ein. Wenn er zwischen Barsbüttel und Bad Oldesloe im Stau steht träumt er ja vielleicht, wie er diesen gordischen Knoten durchschlagen kann....

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