Bad Oldesloe : „Wehret den Anfängen ist vorbei“

Besorgter Ehrenschlüsselträger : Walter Albrecht.
Besorgter Ehrenschlüsselträger : Walter Albrecht.

Walter Abrecht vom Bad Oldesloer „Bündnis gegen Rechts“ zeigt sich besorgt über rechtspopulistische Strömungen.

shz.de von
06. August 2018, 06:15 Uhr

Er ist Träger des silbernen Ehrenschlüssels der Stadt Bad Oldesloe, mit dem er für sein ehrenamtliches Engagement vor allem gegen Rechtspopulisten und Rechtsextreme im Frühjahr ausgezeichnet wurde. Ob als Gewerkschafter oder als einer der Charakterköpfe an der Spitze des „Bündnis gegen Rechts“. Für Albrecht war es immer wichtig, „dass wir diesen ganzen braunen Kram hier nicht nochmal in unserem Land erleben müssen“. Desto entsetzter sei er aktuell über die Situation auch in seiner Heimatstadt. „Es brodelt unter der Oberfläche. Es ist ruhig, doch auch hier gibt es rechte und rechtspopulistische Zellen, die die Demokratie, wie wir sie lieben und leben wollen, ablehnen“, sagt Albrecht. Er wolle daher dringend Zeichen setzen. „Wenn ich mit anderen Rentnern zusammensitze, selbst bei Leuten, die ich lange kenne, schlägt die Stimmung teilweise um. Die bunte Gesellschaft oder Flüchtlinge – plötzlich ist man nicht mehr gut auf solche Themen zu sprechen. Das hat sich eingeschlichen. Es geht um Angst und um Unwissenheit“, analysiert er.

Auf der anderen Seite laufe es auch bei der Integration nicht rund. „Es ist keine Frage, dass da mehr passieren muss. Die Euphorie ist auch bei vielen Helfern aus der Zeit der Flüchtlingskrise weg. Teilweise liegt es auch daran, wie Ämter und Verwaltungen agierten, was teilweise nicht nachvollziehbar war“, weiß Albrecht.

„Unser Bündnis gegen Rechts in Bad Oldesloe. Das ist etwas, worauf ich stolz bin. Denn dort ist es uns gelungen, alle Vertreter demokratischer Parteien in der Stadt zu involvieren. Bei den Demos und Kundgebungen steht die Linke da neben der CDU. Das finde ich sehr gut“, sagt er. „Wir dürfen nicht müde werden, im Gegenteil. Wir müssen aufstehen. Es kann nicht sein, dass Menschen vor Gericht kommen, die Menschen aus dem Mittelmeer retten“, so Albrecht weiter. Von der jüngeren Generation erhoffe er sich noch ein wenig mehr Unterstützung. „Das Inihaus zum Beispiel ist bei den großen Aktionen verlässlich dabei, aber zu den Treffen und den Planungen kommen sie weniger. Das würde ich mir etwas mehr wünschen. Aber vielleicht haben sie andere Ansätze und Projekte, das weiß ich natürlich nicht“, sagt Albrecht.

Hauptsache sei doch insgesamt, dass etwas passiere, um die Stimmung nicht komplett kippen zu lassen. „Die Zeit mit ,Wehret den Anfängen’ ist leider schon vorbei“, ist er sich sicher.

Mit dem „Bündnis gegen Rechts“ plant Walter Albrecht aktuell mit dem Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes die Anti-Kriegs-Kundgebung in Bad Oldesloe am 1. September auf der Hude.

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