Was vom Duvensee übrig blieb

Mit der Kreite wurde der Torf transportiert. Renate Andresen (2. von rechts) und ihre Helfer bei der Zusammenstellung der Schau (v. l.): Karl-Heinz Petri, Brigitte Werner-Dück, Renate Philipp und Reinhard Mielke.  Fotos: Schütt
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Mit der Kreite wurde der Torf transportiert. Renate Andresen (2. von rechts) und ihre Helfer bei der Zusammenstellung der Schau (v. l.): Karl-Heinz Petri, Brigitte Werner-Dück, Renate Philipp und Reinhard Mielke. Fotos: Schütt

Eine Ausstellung in Sandesneben informiert über ein Paradies für Archäologen und die mühselige Arbeit des Torfstechens

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07. Mai 2018, 17:41 Uhr

Wer den Duvensee sucht, wird vergeblich suchen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der See trockengelegt. Geblieben ist eine Moorlandschaft, das gleichnamige Dorf im Kreis Herzogtum Lauenburg – und ein bedeutender archäologischer Schatz aus der mittleren Steinzeit. Viele Funde wie eines der ältesten Paddel der Menschheitsgeschichte lassen Fachleute von einer „Duvenseer Kultur“ sprechen. Diese und andere Zeugnisse der Vergangenheit sind in einer kleinen Ausstellung zum „Duven-See“ im Regionalzentrum Sandesneben zu besichtigen.

Renate Andresen (Labenz) hat das obere Foyer des Amtsgebäudes wieder für eine kulturelle Zeitreise in die Region vorbereitet. Sie reicht von den Jägern und Sammlern der Mittelsteinzeit (9600 bis 5800 v. Chr.) bis in unsere Tage. Tatsächlich ist die Ausstellung in zwei Teile gegliedert: die graue Vorzeit sowie die Nutzung des Duvenseer Moors für die Torfgewinnung seit dem 19. Jahrhundert. Dazu hat die Kuratorin einige Arbeitsgeräte aus dem Museum „Vergessene Arbeit“ in Steinhorst integriert.

Torf war seinerzeit ein wichtiger Brennstoff, nachdem im Zuge der Verkopplung seit Mitte des 18. Jahrhunderts viele Buschkoppeln verschwunden waren. Sie hatten vor allem den kleinen Leuten als Feuerholz gedient. Jetzt musste man auf Torf umstellen. Karl-Heinz Petri vom Museum Steinhorst: „Im Vergleich zur Kohle liegt der Brennwert von Torf bei höchstens einem Zehntel.“ Um die steigende Nachfrage zu decken, wurde 1849 beschlossen, in einer großen Aktion den See ganz trockenzulegen. Nach Berichten des Heimatforschers Hans Funck wurden dazu 100 Arbeiter aus den umliegenden Dörfern angeworben.

Auf vier historischen Landkarten aus dem Landesarchiv in Schleswig kann der Besucher nachvollziehen, wie sich die Landschaft um den See in den vergangenen 250 Jahren verändert hat. Sie in Sandesneben gezeigten Arbeitsgeräte lassen erahnen, wie mühselig die Arbeit war.

Heute ist die Moorlandschaft um Duvensee eine Naturlandschaft, um deren Schutz sich ein kürzlich gegründeter Verein kümmert. Der Zusammenschluss im Duvenseer Moor e. V. ist eine Reaktion der Anwohner auf die Ankündigung der Landesregierung, die rund 500 Hektar umfassende Landschaft als Naturschutzgebiet auszuweisen. Der Verein konnte mit dem Umweltministerium einen „Duvenseer Kompromiss“ aushandeln und steht jetzt in der Pflicht nachzuweisen, dass Naturschutz nicht von oben verordnet werden muss, sondern von den Menschen vor Ort besser sichergestellt werden kann.


>Die Ausstellung ist bis 20. Juni im Regionalzentrum Sandesneben, Am Amtsgraben 4, zu besichtigen. Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 12 Uhr, Donnerstag von 14.30 bis 17.30 Uhr.

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