zur Navigation springen

Handwerkertag in Bad Oldesloe : Was soll 2014 besser werden?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Beim Jahrestreffen des Stormarner Handwerks ging es nicht nur um die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch um um Politik und immer mehr Bürokratie.

von
erstellt am 28.Jan.2014 | 19:18 Uhr

Das Handwerk hat ein gutes Jahr hinter sich und geht optimistisch ins neue Jahr. Jedenfalls was Aufträge und Umsätze angeht. Politisch sind die Protagonisten eher skeptisch, wie bei allen Rednern auf dem Handwerks-Jahrestreffen in der Festhalle deutlich wurde. „Ich kann noch nicht erkennen, was 2014 besser werden soll als 2013“, sagte Horst Kruse, Präsident der Handwerkskammer Lübeck.

Für den Großhansdorfer war es der letzte Kreishandwerkertag in Stormarn. Er wird aus Altersgründen nicht noch mal für das Amt kandidieren. Auch für Adelbert Fritz, den langjährigen Geschäftsführer der Stormarner Handwerkerschaft war es das letzte Jahrestreffen. Er geht in diesem Jahr in den vorzeitigen Ruhestand.

Der Erhalt der Meisterpflicht treibt die Handwerker seit Jahrzehnten um. Jetzt sorgt ein weitere Vorstoß aus der EU-Kommission für neue Sorgenfalten. Der Meisterbrief als Voraussetzung für einen Betrieb wäre für Ausländer, die sich hier selbstständig machen, ein Hindernis und müsse überprüft werden. „Wir fürchten eine massive Schwächung des dualen Ausbildungssystems“, so Kreishandwerksmeister Björn Felder.

Schließlich habe man in der vergangenen zehn Jahren Erfahrungen sammeln können. Seinerzeit war die Meisterpflicht bei Fliesenlegern und anderen Gewerken gefallen. Nicht nur, dass die Qualität nachgelassen habe, auch „die Ausbildungsleistung ist drastisch eingebrochen“, so Felder: „Die Zahlen haben sich halbiert.“

Obwohl es fünf mal so viel Betriebe wie vor zehn Jahren gibt. „Das sind aber häufig Ein-Mann-Betriebe, die nur eine kurze Bestandskraft haben. Ausbildung kostet aber Zeit und Geld, und daran mangelt es häufig in diesen Betrieben“, ergänzte Ulrich Mietschke, Präsident für das Handwerk Schleswig-Holstein. Er kritisierte zudem den „Griff in die Sozialkassen“ durch die Große Koalition sowie deren Absicht, einen politischen Mindestlohn einzuführen und die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt wieder zurückzudrehen.

Überhaupt mache die überbordende Bürokratie den Firmen zu schaffen, aber nicht nur denen. „Das ärgert mich mindestens genauso wie sie“, so Landrat Klaus Plöger. Die Gesetzgebung werde immer umfangreiche und komplizierter. Um das abzuarbeiten, brauche man immer mehr Personals – es werde aber immer schwieriger, passende Leute zu finden. „Wir müssen jetzt anfangen, die Gesetze zu vereinfachen, damit wir überhaupt klarkommen können.“ Und an die Stormarner Landtagsabgeordneten von CDU, SPD und FDP, die Gäste beim Handwerkertag waren, appellierte der Landrat, das Tariftreue- und Vergabegesetz wieder zu ändern: „Wie soll man das noch handhaben?“

Den Bogen zur großen Politik schlug Volksbank-Vorstand Holger Wrobel. „In der Staatschuldenkrise ist die akute Gefahr gebannt, sie ist aber nicht vorbei.“ Und die Schere zwischen den Staaten sei noch größer geworden. Er hatte aber auch gute Nachrichten. Das Eigenkapital im Mittelstand habe sich seit 2001 auf gut 23 Prozent verdreifacht. Wrobel: „Die Unternehmen sind krisenfester geworden.“

Bei der Lehrlingssuche hilft das den Handwerksbetrieben nicht. „Es wird immer schwieriger, offene Lehrstellen zu besetzen“, sagte Björn Felder. Gleichzeitig sinke nicht nur die Zahl der Bewerber, sondern auch die Qualität.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen