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Ladenflächen-Managerin gibt Auskunft : Was Oldesloer Kaufleute wirklich wollen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Angemessene Parkraum-Bewirtschaftung ist ein Top-Thema, auch ein Lederwarengeschäft wird vermisst.

Nein, die Schließung des Jeans-Ladens in der Hindenburgstraße konnte auch Inke Koch nicht verhindern. „Aber ich habe beim Eigentümer Bewusstsein geweckt, dass er was in die Immobilie stecken muss“, erklärt die Ladenflächen-Managerin der Stadt Bad Oldesloe. „Die Kunden wollen ein schönes Ambiente beim Einkaufen“, erklärt sie, Geschäfte müssten vor allem hell sein. Das sei allerdings nur bedingt Sache der Vermieter, ergänzt Bauamtsleiter Thilo Scheuber, denn vor allem Filialisten, die auch in der Oldesloer Innenstadt vorherrschen, brächten ihren eigenen Ladenbau mit. Diese Unternehmen mieten nur Rohbau-Zustand.

Nein, das oftmals gehörte Gerücht, dass die Oldesloer Vermieter lieber Leerstand riskieren und an übertrieben hohen Mieten festhalten, statt zu günstigeren Konditionen zu verpachten, könne sie nicht bestätigen. Gleichwohl hat eine Umfrage von Inke Koch gravierende Unterschiede ergeben. Die Kaltmieten in der Innenstadt variieren zwischen 9,50 und 27 Euro. Gerade die hohen Summen seien oft noch alte Verträge.

Geschäftsansiedlungen oder Abschlüsse von Mietverträgen sind Privatangelegenheiten. Hat die Stadt da überhaupt Einflussmöglichkeiten? Nun, Bad Oldesloe versucht es zumindest. Seit einiger Zeit gibt es auf der städtischen Homepage, prominent platziert, ein eigenes Immobilienportal. Mit Foto und detaillierten Angaben werden dort leerstehende Gewerbe-Immobilien als kostenloser Service angeboten. Natürlich wird die Fläche nur mit Einverständnis der Vermieter angeboten.

Inke Koch will allerdings nicht als Maklerin auftreten: „Da sehe ich eher meine Rolle als Vermittlerin.“ Für sie gelte es, das Vermietungs-Interesse des Besitzers und einen interessanten Angebotsmix unter einen Hut zu bringen. „Ich will ungern einen Dienstleister in der besten Innenstadtlage haben“, erklärt Koch. Trotzdem sichert sie natürlich zu, dass jede Anfrage an den jeweiligen Eigentümer weitergeleitet wird. Sie hofft, dass mit Beginn des Frühjahrs auch das Interesse an Immobilien wieder wächst.

Zu ihren ersten Aktionen als neue Ladenflächen-Managerin zählte für Inke Koch natürlich, sich bei den Geschäften bekannt zu machen. Eine Fragebogenaktion brachte dabei durchaus interessante Information zu Tage. 22 (von 122 angeschriebenen) Geschäftsleute ließen sich von ihr interviewen. Acht von ihnen sagten, dass ihr Umsatz planmäßig sei, bei sieben sogar darüber. Nur fünf lägen unter Plan. Zwei wollten keine Angaben machen. Offenbar laufen die Geschäfte doch besser als gemeinhin kolportiert wird.

Die Ladeninhaber haben auch Wünsche. So wird dringend ein Lederwarengeschäft für die Innenstadt erwartet. Eine Antwort, die Inke Koch nur zu gut verstehen kann: „Das ist ein Sortiment, das wir gar nicht mehr in der Stadt haben.“ Herrenausstatter, Kaufhaus, Unterhaltungselektronik aber auch Tisch- und Bettwäsche würden ebenfalls vermisst.

Die Händler machen mit überwältigender Mehrheit eine klare Aussage: Ja, es gibt genügend Parkplätze in der Stadt. Allerdings würden sie sich eine andere Bewirtschaftung wünschen. Inke Koch hat nicht den Eindruck bekommen, dass es unbedingt kostenlose Parkplätze sein müssten. „Das hatten wir hier ja schon mal. Dann waren die schnell von Verkäuferinnen zugestellt.“ Es ging vielmehr um eine zeitgenaue Abrechnung (zusätzlich zum Handyparken), die beispielsweise mit Schranken erreicht werden könnte. Zwei Stunden kostenloses Parken stehe auch ganz oben auf der Wunschliste vieler Unternehmer.

„Ich kann nicht mehr in andere Städte fahren, ohne zu gucken: Wäre das nicht auch was für Bad Oldesloe“, verrät Inke Koch. In Danneberg ist sie fündig geworden. Dort hat sie beispielsweise das „Kaufhaus des Wendlands“ entdeckt – ein wechselweise von Künstlern und Kunsthandwerkern betriebener Laden. „Sowas könnte ich mir supergut für Oldesloe vorstellen. Da würden wir sicher ein paar Leute zusammenbekommen“, ist sie überzeugt. Um diese und andere Ideen an die Kaufleute zubringen, will sie zu regelmäßigen, zwanglosen Frühstückstreffen einladen. „Ich lade euch ein, lasst uns mal über Themen sprechen, die euch auf der Seele brennen“, beschreibt sie den Ansatz. Diese Treffen sollen mit Fachvorträgen abgerundet werden. So wird ein Vertreter des Einzelhandelsverbands Möglichkeiten für Seniorenfreundlichkeit vorstellen oder eine Referentin aus Danneberg erläutern, wie dort das Leerstandsproblem gelöst werden konnte. Koch: „Verwaltung, Politik, Einzelhandel und Eigentümer müssen an einem Strang ziehen, zusammen Projekte entwickeln. Ich bin gespannt, wie die Resonanz sein wird.“

In absehbarer Zeit plant die Ladenflächen-Managerin eine Kundenbefragung. „Für uns ist es wichtig, Grundlagen zu bekommen“, begründet sie die Maßnahme: „Das muss professionell begleitet werden, dafür werden wir Geld in die Hand nehmen müssen.“

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 09.Apr.2015 | 06:00 Uhr

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