Was machen denn die Nilgänse im Storchennest?

Seltener Anblick hoch oben auf dem Horst: Ein Nilgans-Paar hat es sich  gemütlich gemacht. Foto: fsh
Seltener Anblick hoch oben auf dem Horst: Ein Nilgans-Paar hat es sich gemütlich gemacht. Foto: fsh

Stützpunk für die Futtersuche / Frau aus Westerau: "So etwas hat es hier noch nie gegeben"

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02. Februar 2012, 07:16 Uhr

Westerau | Wer schaut da so keck hoch oben aus dem Storchennest? Etwa schon der erste Storch, der sich in Eis und Schnee nach Hause verirrt hat? Nein, es ist eine afrikanische Nilgans, die es sich im gemachten Nest gemütlich macht. "So etwas hat es hier noch nie gegeben", sagt Rosemarie Sahlmann, die seit ihrer Kindheit in Westerau lebt und sich gut daran erinnern kann, dass seit 50 Jahren das Storchennest fast jedes Jahr von einem stolzen Storchenpaar besetzt war. Sie entdeckte von ihrem Fenster aus das Nilgans-Pärchen und traute ihren Augen kaum. "Das Geschnatter ist außergewöhnlich laut. Solche Geräusche machen Graugänse nicht", ist sie sich sicher.

Die Nilgänse haben sich das noch leere Storchennest offensichtlich als Stützpunkt für ihre Futtersuche in den nahen Auen ausgesucht. Denn Nilgänse sind geschickte Flieger und landen gerne mal auf hohen Bäumen oder Gebäuden, nisten auf hohen Gebäuden, in alten Nestern und in Baumhöhlen. Warum nicht auch auf einem Storchennest? Rosemarie Sahlmann hofft, dass die gefiederten Gäste nicht brüten, denn im März wird schließlich das Storchenpaar erwartet: "Dann kann es richtig ungemütlich zwischen den Vögeln werden."

Seit gut einer Woche landen die Nilgänse morgens auf dem Storchenhorst, fliegen nach kurzer Zeit weiter zur Futtersuche. Gegen Abend lassen sie sich erneut hoch oben nieder. Ursprünglich sind die Nilgänse in unseren Regionen nicht heimisch, sondern so genannte Gefangenschafts flüchtlinge. Die Art stammt aus Ostafrika, wurde aber bereits von den alten Griechen und Römern als Ziervögel gehalten - in Westeuropa ab dem 17. Jahrhundert. Einige Ausreißer bildeten Kolonien in England, den Niederlanden und auch in Deutschland. In Schleswig-Holstein gibt es inzwischen einen kleinen, aber stetig wachsenden Brutbestand. Die Nilgans hat Enten- und Gänsemerkmale und gehört somit zu den Halbgänsen. Auffällig sind der dunkle Augenfleck und die hohen rosa Beine sowie der rostbraune Ring um den Halsansatz. Ob das Nilganspaar zum Dauergast in Westerau wird, bleibt abzuwarten.

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