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Stormarner Tageblatt

19. Oktober 2017 | 02:44 Uhr

Siek : Was ist uns die Milch wert?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bischöfin Kirsten Fehrs kritisiert beim Landeserntedankfest in Siek die Politik, Minister Robert die Verbraucher.

Schöner könnte ein Erntedankfest nicht sein: Ein herrlicher Spätsommertag, ein farbenfroher Festumzug mit mehreren hundert Teilnehmern und historischen landwirtschaftlichen Maschinen, dazu der Festgottesdient in der Friedenskirche mit Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck: Schleswig-Holstein feierte sein Landeserntedankfest gestern im 2300 Einwohner kleinen Siek, und es schien, als sei der gesamte Ort auf den Beinen.

Fast eine Stunde lang bewegte sich der Festzug durch Siek, angeführt vom Feuerwehr-Musikzug und einem alten Ackerwagen mit der von der Landjugend gebundenen Erntekrone. Mehrere Landwirte hatten Raritäten aus den Scheunen geholt – etwa einen International Harvester Mähdrescher oder den mächtigen Lanz-Bulldog aus den 50er Jahren, der wiederum einen hochbeladenen Erntewagen zog. Viele Vereine hatten üppig geschmückte Festwagen hergerichtet, aber auch einzelne Bürger beteiligten sich mit kleinen Bollerwagen voller Feldfrüchte.

Bischöfin Kirsten Fehrs fand in ihrer Predigt deutliche Worte, als sie das „Preisdiktat“ kritisierte, dem vor allem Milchbauern ausgesetzt sind: „Wir wären Narren, wenn wir glauben würden, dass 55 Cent pro Liter Milch beim Discounter wirklich ein guter Preis ist. Diese niedrigen Preise zerstören die Umwelt, quälen die Tiere und treiben die Bauern in den Ruin. Wie dumm und kurzsichtig ist eine Politik, die Agrarfabriken fördert und die kleinen Bauernhöfe vor die Hunde gehen lässt – die es zulässt, dass Fondsgesellschaften, auch hier in unserem Land, ganze Landstriche aufkaufen, während junge Landwirte, die einen Acker kaufen wollen, leer ausgehen.“

Auch Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck sprach in seinem Gruß der Landesregierung die Unvernunft vieler Verbraucher an: „Bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jährlich weggeworfen, das entspricht einem Wert von 20 Milliarden Euro, weltweit werden 1,3 Milliarden Tonnen weggeworfen“, appellierte der grüne Minister, dem Wort Lebensmittel wieder eine andere Bedeutung zu geben – mit der Betonung auf „Leben“. Mit einer Verramschung der Waren werde auch der Arbeit der Landwirte geschadet.

Der stellvertretende Präsident des Landesbauernverbands, Peter Lüschow, zog eine positive Erntebilanz für dieses Jahr: „Die Erträge waren gut, das gilt für Getreide, Obst, Gemüse und das Futter für das Vieh. In anderen Landstrichen Deutschlands war das nicht so. Umwelt, Partnerschaft und gegenseitige Sorge – mit diesem Dreiklang hat die Landwirtschaft Zukunft“, sagte Lüschow in Anspielung auf das Motto des Erntedankfestes: Säen, Ernten, Danken.

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