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Stormarner Wochenschau : Was ist denn der richtige Weg?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Verlässt man sich auf sein Smartphone, den Kinderschutzbund oder philosophische Betrachtungen – eine schwierige Entscheidung.

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erstellt am 26.Sep.2015 | 08:00 Uhr

Virtuell:

Das Brenner Moor ist uralt. Da hatten schon die Steinzeit-Oldesloer eine Siedlung. Und dieses archäologisch und ökologisch wertvolle Gebiet ist jetzt im Neuland angekommen. Brenner Moor 2.0 – interaktiv. Längs eines Lehrpfads stehen Holzpflöcke, die mit QR-Codes versehen sind. Wer die mit seinem Smartphone scannt, bekommt zusätzliche Infos geliefert. Wenn man nicht im Funkloch steckt. Bei der Vorstellung des Projekts konnte sich Dr. Kurt Soeffing von der Umweltabteilung der Stadt ein Grinsen nicht verkneifen: „Sonst bauen wir hier noch einen Funkmast.“ Keine Sorge, ist nicht nötig.

Man sollte sich nicht zu sehr auf den Elektro-Schnickschnack in der Hand verlassen – so mancher ist schon per GPS in die Irre geleitet worden. Im Brenner Moor könnte das böse enden. Wer nur noch auf den Bildschirm starrt, bekommt von der Natur nix mit. Den beiden Initiatoren des interaktiven Wegs, Klaus und Dr. Ulrike Graeber, wird das garantiert nicht passieren. Mal abgesehen davon, dass sie das Gebiet kennen wie ihre Westentasche und die Infos aus ihrer Feder stammen, haben sie gar kein Smartphone. Ein Öko-Modell sei aber bestellt, so Klaus Graeber.

   Gute Basis:

Wenn man einige der Großkopferten der Politik so reden hört und agieren sieht, drängt sich einem der Eindruck auf, die lebten auf einem anderen Planeten, jenseits der Realität, jenseits der Basis. Die Basis gewinnt häufig nur dann an Bedeutung, wenn Wahlen vor der Tür stehen und zum verbalen und plakativen Säbelrasseln ausgeholt wird. Frei nach dem Motto „Ach ja, die da unten gibt’s ja auch noch“. Gottlob sind nicht alle so. Einen sehr positiven Eindruck an der Basis hinterließ in dieser Woche der schleswig-holsteinische Energiewende- und Landwirtschaftsminister, Dr. Robert Habeck, im KGB (Kopernikus Gymnasium Bargteheide). Dort war der Philosoph und Politiker zu Gast und dozierte vor Dutzenden von Gymnasiasten über Philosophisches, Politisches und Persönliches. Und zwar auf Augenhöhe mit den jungen Menschen, nicht von oben herab. Der 46-jährige vierfache Vater mit den glasklaren Wertvorstellungen plauderte locker vom Hocker ohne Starallüren und erreichte auf seine sympathische Art und Weise die Jugendlichen. So lässt sich Politik vermitteln. Bitte mehr davon! Phrasendrescher haben wir genug.

 

Arm dran:

Wer weniger als zwei Drittel des statistischen Durchschnittsverdienstes verdient, ist arm. Die Kinder dann auch. Sie haben schlechtere Bildungschancen und können sich weder Schule noch Ferien leisten ....

Glaubt man dem Kinderschutzbund, droht also die Verelendung und die kann man nur bekämpfen, wenn man „Armen“ mehr gibt und mehr Angebote für sie kostenlos macht. Weil es so augenfällig ist, werden jedes Jahr rund 7000 Fähnchen vor das Ahrensburger Schloss gesteckt – damit jeder auf einen Blick erkennen kann, welch ungeheures Ausmaß die Kinderarmut hat und das im so reichen Stormarn.

Geht aber nicht. Hat sich der DKSB mit der Kinderarmut doch ein (emotionales!) Thema ausgesucht, das mathematisch gar nicht zu lösen ist. Wenn die Definition für Armut ein Prozentsatz des Durchschnittsverdienstes ist, ist es mathematisch nicht möglich, dass es keine Armen gibt. Selbst wenn alle zehn Mal so viel verdienen wie heute, sind per Definition nicht weniger Kinder arm. Und es wären auch nicht mehr, wenn es allen viel schlechter ginge. Kurz gesagt: Beim Vorgaukeln eines erreichbaren Schlaraffenlands hat der Kinderschutzbund sein argumentatives Perpetuum mobile gefunden.

 

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