zur Navigation springen

Brandserie in Stormarn : „Was geht in solchen Menschen vor?“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

In der Kleingartenanlage des Bootsvereins Bad Oldesloe wurden gezielt Gebäude angezündet. Fünf Parzellen sind komplett zerstört, teilweise geradezu verwüstet.

Bad Oldesloe | Der Geruch von verbranntem Holz und Plastik lag am Morgen noch über der Kleingartenanlage des Bootsvereins Obertrave in Bad Oldesloe. Entsetzt und schockiert schaute sich der Vorsitzende Rolf Erdorf um: „Wer macht so etwas? Für manche Menschen war ihr Kleingarten eine echte Herzensangelegenheit“, sagt er und schüttelt den Kopf. Fassungslosigkeit auch bei Kleingärtnern, die nach und nach eintreffen. Manche haben davon gehört, dass es gebrannt haben soll, andere kamen zufällig vorbei.

Fünf Parzellen sind komplett zerstört, teilweise geradezu verwüstet. Um 0.25 Uhr war der Polizei von Anwohnern Feuerschein gemeldet worden. Als die Feuerwehr eintraf, standen fünf Gebäude bereits voll in Flammen. Ein Übergreifen auf weitere Häuser, Schuppen und Bäume konnte gerade noch verhindert werden.

Die zerstörten Gebäude sind über das gesamte Gelände verteilt. Der Verdacht auf Brandstiftung liegt nahe. „Die Täter haben sich nicht irgendwelche Häuser ausgesucht, sondern die, die besonders gut gepflegt und besonders hübsch waren. So scheint es mir zumindest“, sagt Rolf Erdorf.

Die Brandstellen im Kleingartenverein liegen relativ weit auseinander. „Es muss ein geplantes Vorgehen gewesen sein. Sie müssen Taschenlampen dabei gehabt haben und Brandbeschleuniger. Hier ist es nachts stockduster und außerdem brennen die Gebäude auch nicht so einfach komplett aus“, sagt Johann-Josef Völker, Bootswart des Vereins. Er mag gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn das Bootshaus auch in Flammen aufgegangen wäre. „Was geht in solchen Menschen bloß vor?“, sagt er immer wieder.

Nachbarn der abgebrannten Kleingartenhäuser kennen die Besitzer. Eine junge Frau, die ihren Garten in den vergangenen drei Monaten komplett neu und liebevoll hergerichtet habe. Jetzt ist davon nur ein Haufen Asche übrig. Oder der älteren Rentner, der eins der schönsten Häuser gehabt habe. „Er hat 20.000 Euro investiert. Seine Frau ist schwer krank. Sie haben ihren Kleingarten geliebt, Vögel beobachtet, jede freie Minute hier verbracht. Ob der nochmal alles aufbaut? Hat er die Kraft dazu?“, fragt Erdorf, der den Besitzern die traurige Nachricht telefonisch überbrachte.

Nicht alle seien versichert. „Es ist so bitter. Wir müssen uns überlegen, wie wir helfen können. Man kann die doch nicht mit dem Schaden alleine lassen“, sagt er. Fassungslos sei man über die Sinnlosigkeit des Angriffs. „So etwas hat unser Verein in seiner 80-jährigen Geschichte noch nicht erlebt. Gerade war die Gemeinschaft ganz besonders harmonisch. Und jetzt das“, sagt Erdorf.

Wie die Brandstifter eingedrungen sind, ist recht deutlich an den Zäunen zu erkennen. Geflohen sind sie offensichtlich mit zwei gestohlenen Boote. Einige hundert Meter weiter Trave abwärts, haben sie diese verlassen und sind dann vermutlich weiter in Richtung Stadt gezogen.

Der Verdacht liegt nahe, dass sie am Minigolfclub einen Lagerschuppen anzündeten. Zu diesem Feuer wurde die Oldesloer Wehr um 1.15 Uhr gerufen. Auch dabei ermittelt die Kripo in Richtung Brandstiftung. Der Schuppen brannte aus, das angrenzende italienische Restaurant wurde leicht in Mitleidenschaft gezogen. Der Schaden allein an dieser Brandstelle wird auf knapp 15.000 Euro geschätzt. „Das hat eine ganz andere Qualität, als ein kleiner Einbruch oder ähnliches“, so der Kleingarten-Vorsitzende Erdorf.

Auch die Feuerwehren aus Ahrensburger und Umgebung hatte eine unruhige Nacht. Auf einem Feld zwischen Großhansdorf und Meilsdorf standen hunderte Strohballen in Flammen. Die Flammen schossen zeitweise bis zu 20 Meter hoch in den Himmel. Im Einsatz waren die Ortswehren aus Ahrensburg, Großhansdorf, Ahrensfelde und Meilsdorf mit mehr als 100 Feuerwehrleuten sowie Landwirte, die zur Hilfe geeilt waren und die Ballen mit Traktoren auseinander schoben. Rund ein Drittel der 800 Strohballen konnten noch gerettet werden. Auch in diesem Fall ermittelt die Kripo in Richtung Brandstiftung.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 01.11.2013 | 07:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen