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Bundesprojekt: Gut leben auf dem Land : Was die Bargfelder wirklich wollen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bundesministerium schaut sich an der Basis um: Bürgerdialog und Biogas und ein Gen-Protest am Bürgerhaus. Es wird ein Seniorenbeirat gewünscht, und Verkehr nervt.

Wie lebt es sich in Bargfeld-Stegen, wo gibt es Verbesserungsbedarf? Das wollte Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth erfahren. Sie kommt in Vertretung ihres Chefs, dem Bundes-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt zum Bürgerdialog. Zunächst steht allerdings die Biogasanlage von Marco Gercken und Johann Wulf in Gräberkate auf dem Programm. Nach einem Abstecher zur Schule kommt sie ins Bürgerhaus, wo bereits 35 Besucher warten.

Den Themenkatalog hatten sie am Nachmittag erarbeitet. Unter dem Motto „Gut leben auf dem Land – was uns wichtig ist“ haben sie Kritik und Anregungen erarbeitet. Die Staatssekretärin nimmt sich dabei bewusst zurück. Sie bringt nur kurze Stellungnahmen ein, lässt vor allem die Bürger selbst und die Moderatorin reden.

Die Bargfeld-Stegener scheinen überwiegend zufrieden zu sein. Sie schätzen die Geruhsamkeit des Lebens im Dorf. Was stört, sind besonders fehlende Einkaufsmöglichkeiten im Ort. Auch der wachsende Verkehr nervt viele. Die Gentechnik und Massentierhaltung in der Landwirtschaft werden abgelehnt. Gewünscht werden ein Seniorenbeirat, barrierefreie Wohnungen und Kulturförderung.

Gegen Gentechnik demonstrierten auch etwa 40 Aktivisten der Umweltorganisation Campact vor dem Bürgerhaus. „Wir sind uns da weitgehend einig“, sagt die Staatssekretärin, die sich beruflich als Tierärztin qualifiziert hat. Auch der Minister wünsche keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. „Wir müssen das aber gerichtsfest und EU-konform gestalten“, sagt sie. Das Problem sei, dass von der EU zugelassenes Saatgut verkauft wird und betroffene Landwirte deshalb klagen könnten. „Wir erwarten ein bundesweites Verbot der Gentechnik“, sagt Aktivist Chris Methmann.

Einig ist sich die Staatssekretärin auch mit den Biogas-Bauern darin, dass das Erneuerbare Energien-Gesetz EEG überarbeitet werden muss. Wulf: „Wir brauchen mehr Flexibilität, das Gesetz behindert uns bei der Umsetzung weiterer Pläne.“ Denn die Biogasanlage habe durchaus höhere Kapazitäten.


Staatssekretärin lobt Unternehmergeist

Das Gesetz sei so rabiat formuliert worden, um die Kosten für die Verbraucher nicht ausufern zu lassen, antwortet Maria Flachsbarth. Biogasanlagen seien zeitweise eine Goldgrube gewesen und hätten deshalb ein negatives Image. Diesem Wildwuchs wollte der Gesetzgeber begegnen. Jetzt müsse aber mehr Flexibilität für die Bestandsanlagen gefördert werden. „Wir sollten Biogas speichern, damit es bei Windstille und fehlendem Sonnenschein genutzt wird“, sagt die Staatssekretärin. Einen Speicher haben die Landwirte schon errichtet. „Der reicht für eine Tagesproduktion aus“, sagt Wulf. Von einer Vermaisung der Landschaft könne keine Rede sein, sagt sein Kompagnon Gercken: „Wir halten eine Fruchtfolge mit Raps, Weizen, Gerste und Roggen ein.“ Zudem wird die Gülle der beiden Betriebe verwertet, die auch Milchvieh halten und Schweine züchten.

Die Staatssekretärin lobt den Unternehmergeist der jungen Männer. Sie haben eine Biogasanlage aufgebaut, die zugleich Strom und Nahwärme erzeugt. „Wir kommen heute auf einen Wirkungsgrad von 88 Prozent“, sagt Wulf stolz. Ein Teil des Gases wird bis zum Sengelmann-Krankenhaus geleitet und speist dort ein Blockheizkraftwerk. Damit werden Leitungsverluste vermieden. Das nahe Nienwohld hingegen könnten die Biogas-Produzenten problemlos mit Wärme versorgen. Die Kapazitäten der Anlage sind da, aber die Rahmenbedingungen stimmen noch nicht.




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