Ahrensburg : Was das Tunneltal zu bieten hat

Diese Routen durch das Tunneltal regen die Gutachter an.
Diese Routen durch das Tunneltal regen die Gutachter an.

Gutachter stellen das Tal auf eine Stufe mit Kalkriese und Schöningen und regen eine touristische Nutzung an.

von
23. August 2018, 18:10 Uhr

Welcher „Schatz“ schlummert im Tunneltal, das durch die Funde Alfred Rusts den Begriff „Ahrensburger Kultur“ prägte? Seit langem gibt es Bemühungen, die Bekanntheit aus der Nische der Fachwelt in die breite Öffentlichkeit zu holen. In den vergangenen Jahren war vor allem die Vorsitzende des Kreiskulturausschusses, Sigrid Kuhlwein, treibende Kraft gewesen. Auf ihre Initiative wurden 20 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bereit gestellt.

Die „Machbarkeitsprüfung zur Umsetzung digitaler Erlebnisräume – Customer Experience – im Ahrensburger Tunneltal“ liegt jetzt vor, und es scheint, dass selbst die Gutachter von fwi hamburg in Kooperation mit Zeitfenster Berlin und IIID brand communication Hamburg von der Bedeutung des „Kleinods“ überrascht waren. Sie stellen das Tunneltal auf eine Stufe mit den archäologisch bedeutendsten Funden in Norddeutschland – den Schöninger Speeren und den Funden von der Varusschlacht von Kalkriese.

Das Tunneltal hat nicht nur Archäologie, sondern auch Geologie, Historie und Natur zu bieten. Es verfüge „über alle Zutaten, um ein interessantes Angebot mit breitem Zielgruppenpotenzial abzubilden“, schreiben die Gutachter, und dass dieses Potenzial heute nur ansatzweise genutzt werde.

Wichtigstes Alleinstellungs- und Profilierungsmerkmal seien die Funde zur Ahrensburger und Hamburger Kultur, also den Rentierjägern in der ausklingenden Altsteinzeit und der letzten Eiszeit. Die gefundenen Jagdwaffen gehören zu den ältesten weltweit. Womöglich lebten im Tunneltal die ersten Menschen, die mit Pfeil und Bogen jagten.

Als verbindendes Element und Leitthema schlagen sie den Begriff „Eiszeit“ vor. Dabei sollte der Rentierjäger als „faszinierendes Subthema mit hoher Alleinstellung“ hervorgehoben werden. Das schaffe dann Zugang zur Auseinandersetzung mit anderen Themenschwerpunkten wie der eiszeitlich geprägten Landschaft oder Natur.

Was heute an Infotafeln vorhanden ist, bezeichnen die Experten als „Schilder- und Markierungs-Wildwuchs“. Die Tafeln seien nicht einheitlich, teilweise schlecht positioniert, inhaltlich manchmal falsch, veraltet oder unverständlich. Einige seien zudem beschädigt, unleserlich oder ungepflegt. Die Gutachter schlagen gut wiedererkennbare Icons als Symbole für verschiedene Themenstränge vor.

Einheitliche Symbole für die möglichen Themenfelder.
Einheitliche Symbole für die möglichen Themenfelder.
 

Im Tunneltal gebe es zwar bereits ein umfangreiches Angebot an Führungen, Veranstaltungen und Programmen, die Angebote seien jedoch dezentral verortet und damit schwer zu erfassen. Erster Vorschlag ist deshalb eine zentrale Präsentations- und Informationsplattform in Form einer Internetseite. Die tatsächliche Relevanz des Ortes werde online bislang nicht widergespiegelt.

Die Website sei zwar ein sehr wesentlicher, aber nur ein erster Schritt, so die Gutachter. Sie empfehlen, das vorhandene Wegenetz zu einem Erlebnispfad oder Themenwanderweg auszubauen und eine App mit Funktionen wie einem Wanderführer zu entwickeln.

Allerdings seien rein digitale Lösungen nicht ausreichend. Die Vermittlung komplexer Themen eines geschützten Landschaftsraums sei enorm schwierig, geologische, archäologische, naturkundliche und geschichtliche Besonderheiten bedürften oft einer pädagogischen Vermittlung. Deshalb regen sie interaktive Erlebnis- und Experimentierstationen, einen Aussichtsturm sowie Aussichtspunkte, eine Entdeckerplattform mit „Blick in die Vergangenheit“ sowie einen „virtuellen Drohnenflug“ an. Und zur Landschaftsgestaltung könne man auch künstlerische Elemente einsetzen.

Um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erlangen, regen sie an, eine Wanderausstellung zu entwickeln. Auf 400 000 bis 500 000 Euro summiert sich die gutachterliche Kostenschätzung. Die Vision eines Besucher- und Informationszentrums für das Tunneltal ist darin noch nicht enthalten. Am 29. August befasst sich der Kulturausschuss des Kreises mit dem Gutachten (18 Uhr, Gebäude F).

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen