Was alles schon gesagt wurde

Wiedenroth
Wiedenroth

Avatar_shz von
08. Oktober 2011, 07:39 Uhr

Marktwirtschaft Café am Markt? Seit anderthalb Jahren stehen die Räume in bester Innenstadtlage leer. Da kann man vom Dornröschenschlaf sprechen. Eigentlich wollte der Bürgermeister schon vor seinem Urlaub einen Mietvertrag unterschrieben haben. Einen Monat später wissen wir: Das war eine Fehlinformation. Und diesen Monat wird es auch nichts mit der Unterschrift, denn zumindest der Finanzausschuss muss sich noch mit dem Thema befassen. Die zähe Angelegenheit bekommt einen ziemlich üblen Beigeschmack. Während der Bauausschusssitzung werden mal eben ein paar Zahlen grob an die Wand projiziert. 211 000 Euro, die kann man ja abnicken. Der Bürgermeister und sein Immobilienfachmann widersprechen sich, was davon Sanierung und was dem Konzept geschuldet ist. Details fehlen völlig, alle haben Bauchschmerzen mit 46 000 Euro für die Anschlüsse der Küchengeräte aber es traut sich keiner, Nein zu sagen. Über Bodenbeläge wird dann erst gar nicht diskutiert, denn wer will schon als Blockierer oder Verhinderer dastehen. Stattdessen wird die freundliche Bitte ausgesprochen, der Finanzausschuss möge die Zahlen kritisch prüfen. Da fragt man sich doch, wo denn die Bauexperten sitzen? Und überhaupt muss man sich fragen, wie das Geld jemals wieder reinkommen soll? Selbst wenn man die 72 000 Euro für die Behindertentoilette abzieht, bleiben etwa 140 000 Euro. Verzinsung nicht mitgerechnet, würde es bei gemunkelten 3000 Euro Monatsmiete knapp vier Jahre dauern, ehe die Stadt wieder auf einen Grünen Zweig käme. Aber vielleicht ist das ja auch normal.

Gott bewahre So forsch formulierte Selbstkritik hatte Kreispräsidentin Christa Zeuke auch noch nicht gehört. "Dieser Kreistag geht mir so auf den Keks", sagt e CDU-Senior Hans Helmut Enk nach zweieinhalb Stunden Wortbeiträgen zu Themen, bei denen die Entscheidungen sowieso feststanden oder überhaupt nichts zu entscheiden war. Seinen Kollegen, die nach der Devise "Reden ist Gold" trotzdem das Wort ergriffen, um ihre Sicht zur Lage der Nation zu schildern oder noch einmal zu wiederholen, was die Vorredner schon so richtig gesagt hätten, gab Enk eine Devise aus seiner politischen Anfangszeit mit auf den Weg: "Gott bewahre mich davor, zu jedem Scheiß meinen Senf dazu zu geben."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen