Stormarner Wochenschau : Was alles muss, kann, darf oder sollte

 Karikatur: Megi Balzer
Karikatur: Megi Balzer

Betrachtungen zum Wochenausklang

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27. Mai 2018, 15:30 Uhr

Cocktail

Ein wenig seltsam mutet es schon an: Da verunglückt ein Landwirt mit einem Traktor und die Feldspritze mit 1200 Litern eines Fungizides - also eines Mittels, das Pilze bekämpft - läuft aus. Feuerwehrleute  in Vollschutz müssen die Brühe sichern, die Ortsdurchfahrt wird gesperrt. So weit so gut. Schön, dass die Freiwilligen Feuerwehr so schnell an der Unfallstelle in Zarpen waren und Schlimmeres verhindert hat. Nachdenklich wird man allerdings, wenn man bedenkt, dass dieses Pilzmittel auf die Felder gesprüht wird, deutschlandweit wohl viele tausend Liter. Dabei hat der Landwirt sicherlich den nötigen Sachverstand, um mit dem Gift umzugehen. Am Ende landet es auf dem Feld. Aber niemand - kein Landwirt und kein Spaziergänger - steht im Schutzanzug daneben. Merke: Die Dosis macht das Gift, das hat schon Paracelsus vor 500 Jahren erkannt und wird damit bis heute leicht verzerrt zitiert. Trotz dieser Erkenntnis mutet es seltsam an, dass eine Substanz auf der Straße ausgelaufen für den Menschen gefährlich ist, aber auf mehrere Hektar verteilt ihren Zweck erfüllt.

Gas geben

Nein, eine Stadt muss keine Erdgas-Tankstelle betreiben. Aber es wäre auch kein Problem. In Bad Oldesloe haben die Vereinigten Stadtwerke die Erdgastanke sogar selbst für viel Geld gebaut. In Bargteheide könnte die Stadt sie für einen Euro übernehmen. Trotzdem wollten CDU und SPD nicht. Zugegeben, das ist keine städtische Aufgabe, aber das sind Ladesäulen für E-Autos auch nicht. Trotzdem buttert man da viel Geld rein. Macht ja vielleicht ein gutes Gewissen, wenn man sich auf Steuerzahlerkosten für angebliche Umweltfreundlichkeit rühmen kann. Gänzlich emissionsfrei wird Ökostrom aber nicht mal dann produziert, wenn er wirklich eins zu eins eingespeist wird. Auch Erdgasautos sind sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, aber besser als jeder andere Verbrenner und in der Umweltbilanz vermutlich sogar besser als E-Autos. Und im Gegensatz zu denen sind sie auch noch bezahlbar und alltagstauglich. Man muss halt nur wollen.

Reintreten

Beim Stadtradeln wird ja auch so getan, als würde es der Umwelt irgendetwas bringen. Wenn man nett sein will, kann man das Ganze unter Symbolpolitik verbuchen: Seht her, wir motivieren euch mehr Fahrrad zu fahren. Das ist in Ordnung, auch wenn es nichts bringt, wenn die, die sowieso Rad fahren, das noch zusätzlich dokumentieren. Nur leider geht das auch immer mit Klimaschutz, ökologischem Fußabdruck und dem schlechten Gewissen einher, das man denen einredet, die motorisiert unterwegs sind. Zur Weltrettung ist Symbolpolitik denkbar ungeeignet. Wer Menschen überzeugen will, muss schon mehr bieten. Auf Lösungen stößt man nicht mit dem moralischen Zeigefinger, sondern nur durch fundierte Analysen.

Veränderung

Klare Analysen hätten auch beim Oldesloer Industriegleis geholfen. Beschlossen und für viel Geld gebaut wurde es, ohne dass jemand wusste, ob es überhaupt Interessenten dafür gab. Erst als der Gleiszwang aufgehoben wurde, ließ sich das Gewerbegebiet Sandkamp verkaufen. Lediglich Firmen auf der anderen Straßenseite im Rögen nutzten das Gleis. Zuletzt war es aber nur noch eine Firma, und für den Unterhalt die Stadt musste ordentlich zubuttern. Als noch eine teure Sanierung anstand, wurde 2016 die Notbremse gezogen. Allerdings: Die Zeiten haben sich geändert. Niemand will den Lkw-Verkehr, und es wird immer schwieriger, Fahrer zu finden. Das heißt nicht, dass Bad Oldesloe alles auf seine Kappe nehmen sollte. Aber wenn die Sanierung anderweitig bezahlt wird, sollte der Betrieb des Industriegleises nicht an wenigen zigtausend Euro scheitern. Lieber sollten sich alle bemühen, mindestens eine weitere Firma zu finden, die sich per Bahn beliefern lassen will.
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