Sprengstoffanschlag : War es Rache an der Ex-Freundin?

Was auf dem Großhansdorfer Oktoberfest 2011 geschah, muss nun das Amtsgericht Ahrensburg klären.
Was auf dem Großhansdorfer Oktoberfest 2011 geschah, muss nun das Amtsgericht Ahrensburg klären.

23-Jähriger ist angeklagt, einen Sprengsatz in einem Fahrzeug in Barsbüttel gezündet zu haben. Verhandlung wird fortgesetzt.

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07. November 2013, 14:19 Uhr

Im feinen Anzug kommt der Angeklagte Dieter S. (23), Name geändert, in Begleitung seiner Freundin zur Gerichtsverhandlung ins Amtsgericht. Ihm wird vorgeworfen, im April 2012 in einem Fahrzeug in Barsbüttel einen Sprengstoffsatz gezündet zu haben und damit nicht nur den BMW in Brand gesetzt sondern auch ein dahinter parkendes Fahrzeug und die Fensterscheiben eines Wohnhauses beschädigt zu haben.

Gleich zu Beginn erteilt die Richterin dem Angeklagten das Wort. Dieser gibt sich selbstbewusst und weist alle Schuld an dem Sprengstoffanschlag vehement zurück. Im Gegenteil: Es sei ein Rachefeldzug seiner ehemaligen Freundin gewesen, er habe keinerlei Grund gehabt, den Sprengsatz zu zünden. Außerdem sei er zum Tatzeitpunkt nicht vor Ort gewesen. Dies will Dieter S. durch ein Handy-Foto beweisen, das ihn in Begleitung drei weiterer Freunde in Wandsbek vor einer Videothek zeigt. Es sei, so auch sein Anwalt, nicht möglich, von diesem Standort aus, an dem sich der Angeklagte angeblich um 1.35 befunden habe, bis um 1.45 Uhr in Barsbüttel gewesen zu sein. Der 23-Jährige absolviert derzeit den dualen Studiengang Metallbautechnik und ist dabei, an einer Privatschule seinen Meister zu machen.

Glaubt man den Anschuldigungen seiner Ex-Freundin in weiteren Prozessen zuvor, habe er ihr das Nasenbein gebrochen. Dieter S. dagegen behauptet auf der Anklagebank, sie habe ihn geschlagen und nicht umgekehrt, ihr Vater habe ihm mit dem Tod gedroht. Ein Rachefeldzug der verletzten Ex gegen den Angeklagten? Oder Revanche des 23-Jährigen für angeblich falsche Anschuldigungen von der Ex und deren Vater?

Fest steht, dass Dieter S. damals vom Vorwurf, das Auto seiner Ex zerkratzt zu haben, frei gesprochen wurde. Fest steht auch, dass das Gericht damals anordnete, dass Beide sich einander nicht weiter als auf 20 Meter nähern dürfen. Die ehemalige Freundin habe ihn seit Jahren verfolgt, so sein Verteidiger, dieser Prozess hier sei jetzt die Spitze des Eisbergs. Die Ex-Freundin gibt auf der Zeugenbank zu, dem Angeklagten eine Zeit lang nachgestellt, dann aber ihren neuen Freund, den Besitzer des ausgebrannten Fahrzeuges, kennen gelernt zu haben.

Ein Sprengstoff-Experte vom LKA bringt dann die Wende: Er spielt die abgehörten Handy-Telefonate des Angeklagten und seiner drei Freunde vor, die eindeutig belegen, dass die Vier sich eine Strategie überlegen, wie sie sich aus der Affäre ziehen können. Einer will abspringen, wird aber von den anderen Dreien zurückgepfiffen. Außerdem wurde das Handy von Dieter S. vom Sendemast in Barsbüttel um 1.53 Uhr geortet. Kein Zweifel also, dass er sich zu diesem Zeitpunkt dort befunden hat. Der Verteidiger versucht es noch mit dem Hinweis, der Fahrzeughalter sei Soldat und hätte ja Munition auf dem Rücksitz seines Wagens gelagert haben können. Am 20. November wird die Verhandlung fortgesetzt. Dann haben die drei Freunde von David S. das Wort – jeder kein unbeschriebenes Blatt. Ob sie ihrem Kumpel mit ihren Aussagen noch aus der Patsche helfen können?

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