Reinfeld : Wann sind die Löwen denn endlich fertig?

Die Portal-Löwen schieben Wache: Nur einer ist bislang restauriert.
Die Portal-Löwen schieben Wache: Nur einer ist bislang restauriert.

Der Zustand der Portal-Tiere vor dem Heimatmuseum ist nicht zufriedenstellend – obwohl einer schon restauriert ist.

shz.de von
18. Juli 2018, 06:00 Uhr

Die beiden imposanten Löwen vor dem Heimatmuseum sind momentan der Aufreger der Karpfenstadt. Noch immer sind sie nicht fertig renoviert.

Im Sommer vergangenen Jahres hatte Diplom-Restaurator und Steinmetz Roland Hooss mit der Restaurierung der 120 Jahre alten Zeitzeugen begonnen, bisher aber aus Zeitmangel nur einen Löwen fertiggestellt – oder besser gesagt fast beendet, weil er nachbessern muss.

Schaut man den bereits bearbeiteten Löwen, dessen ursprüngliche Ziegel-Farbe freigelegt wurde, genauer an, entdeckt man grob zusammengeflickte Terrakotta-Teile. Der König der Tiere habe zum Schutz vor Wind und Wetter eine Lasur erhalten, aber die habe wohl nicht zufriedenstellend gewirkt, sagt Museumsleiterin Anja Rademacher. An einigen Stellen bröckele sie bereits wieder ab. Da müsse dringend etwas gemacht werden, habe auch Roland Hooss zugegeben, der sich zwischenzeitlich ein Bild vom Zustand der Löwen machte. Mit dem Restaurator hat sie sich jetzt geeinigt, dass der Portal-Löwe eine deckendere Farbe erhält, die bindet und stützt und auch die Risse im Original-Ziegelstein kaschiert.

Die beiden Portal-Löwen wurden – wie berichtet – von Adolf Moll, Sohn des Ziegeleimeisters in Zarpen, Ende des 19. Jahrhunderts für seine Schwester Marie gefertigt, die mit dem Müller verheiratet war. Fortan standen sie vor der Zarpener Mühle, kamen 1927 nach Reinfeld, wo sie bis zu seinem Abriss vor dem Kurhotel standen und danach 14 Jahre lang im Bauhof eingelagert wurden, bevor sie in den 1980er Jahren ihren Platz vor dem Heimatmuseum fanden. Adolf Moll wurde 1874 geboren, schrieb ein Buch über seine Familiengeschichte, das im Kreisarchiv aufbewahrt wird. Er komponierte mindestens 200 musikalische Werke, widmete sich der Sprachforschung, arbeitete als Lehrer. Er starb im Jahr 1956 in Bad Oldesloe. Ob die beiden Könige der Tiere auch vor dem Reinfelder Rathaus standen, wird noch recherchiert.

Ursprünglich hatte der Restaurator geplant, die Farbschicht auf dem zweiten Löwen nicht wie vorher mühsam mit einem feinen Spachtel zu entfernen, sondern die diversen Farbschichten mit einem speziellen Gerät abzublasen. Dieser Versuch schlug jedoch fehl, so dass der Spezialist nun doch wieder zum altbewährten Werkzeug greifen muss.

Doch wann? Das fragen sich viele Reinfelder, denen der jetzige Zustand – ein gelber und ein roter Löwe – ein Dorn im Auge ist. „Die rote Originalfarbe bleibt jedoch bestehen“, sagt Rademacher. Der Fachmann orientiere sich an der sogenannten „ersten Fassung“, die am ehesten dem Künstler entspreche.

Am 27. August habe der Fachmann aus Stockelsdorf endlich wieder Zeit für die Löwen des Heimatmuseums. Dann wird er auch den zweiten Löwen in Angriff nehmen – es sei denn, es regnet wider Erwarten in Strömen. Beide Statuen sollen dann auch einen Sockel erhalten, der in einem dunklen Ton gestrichen werden soll. Rademacher: „Dann nimmt die Geschichte unserer Löwen doch noch ein gutes Ende.“

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