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Bad Oldesloer Zeitungsgeschichte : Wahre Schätze vom Dachboden

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Heinrich Hormann war der älteste Leser des Oldesloer Landboten. Seine ersten abonnierten Exemplare gibt es zu bestaunen.

von
erstellt am 27.Feb.2014 | 18:37 Uhr

Lisa Hormann ist schon seit vielen Jahrzehnten treue Abonnentin des Stormarner Tageblatts. Als sie nun vom 175-jährigen Bestehen ihrer Zeitung und dem Aufruf an die Leser erfuhr, nach alten Zeitungen zu suchen, fiel der
90-Jährigen wieder ein, dass auf ihrem Dachboden ein kleiner „Schatz“ aufbewahrt wurde: eine große Mappe mit alten Zeitungen aus dem Nachlass des Großvaters ihres verstorbenen Mannes Heinz Hormann.


Älteste Exemplare des Landboten in Privatbesitz


Diese dicke Mappe brachte nun ihr Sohn Michael Hormann in die Radaktion des Stomarner Tageblatts: Einen fast kompletten Jahrgang des Oldesloer Wochenblatts für Stadt und Land „Der Landbote“ des Jahres 1875. Diese vergilbten und bereits sehr bröseligen alten Zeitungen – 64 an der Zahl – dürften die ältesten Exemplare des Landboten in Privatbesitz sein. „Mein Urgroßvater hat die Zeitungen damals gesammelt und über all die Jahrzehnte bis zu seinem Tod im Jahr 1951 aufgehoben. Mein Vater hat sie zum Glück nicht entsorgt“, erzählt Michael Hormann, der neben den 139 Jahre alten Zeitungen auch ein Foto seines Urgroßvaters fand. Das Oldesloer Wochenblatt erschien damals immer mittwochs mit bescheidenen zwei Seiten, und sonnabends mit einem Umfang von meist drei Seiten. Die erste Seite enthielt „Landboten-Zeitungsberichte“ aus dem ganzen Land und einen Fortsetzungsroman, der sich bis auf die zweite Seite fortsetzte. Hier waren dann auch die so genannten „Correspondenzen“ aus dem Kreis Stormarn und den Ämtern zu lesen. Auf der dritten Seite folgten meist Bekanntmachungen, Ankündigungen des Oldesloer Magistrats, der Polizeiverwaltung, Extracte und Auktions-Anzeigen, die Oldesloer Marktpreise und der Hamburger Getreidebericht. Auf der letzten Seite fanden sich generell nur Anzeigen, von Immobilien über Stellenangebote und -gesuche bis zu Angeboten besonderer Waren.

Anbei befand sich auch eine Kopie mit einem Zeitungsausschnitt, der am 7. Dezember 1950 im Oldesloer Wochenblatt erschienen war. Hierin wird Heinrich Hormann als derzeit ältestem Oldesloer Bürger zum 94. Geburtstag gratuliert. „Mein Urgroßvater wurde am 7.12.1856 in Oldesloe geboren und war lange Jahre Postbetriebsassistent und ein Zeitzeuge der Dänenzeit“, erzählt Michael Hormann. Das ist auch in dem Zeitungsartikel nachzulesen, in dem der Jubilar folgendermaßen zitiert wird: „1864 hatten wir die Dänen hier stationiert. Beim Ausmarsch haben wir sie immer bis zur Menno-Kate begleitet.“ Heinrich Hormann war also bei Abzug der dänischen Soldaten ein gerade mal acht Jahre alter Knirps, dem sich diese Szenerie sicherlich tief eingeprägt hat. Als Jugendlicher erlernte er das Maurerhandwerk. Und er erinnerte sich – laut Artikel – auch an einen Bäcker, der im Haus seines Vaters in der Segeberger Straße 4 einquartiert war. Und dass sich im Hause Blunck in der Segeberger Straße 1 eine Gastwirtschaft befand, wo die Roßkämmer (Pferdehändler) abzusteigen pflegten, wenn in Oldesloe Pferdemarkt war – Zeitgeschichte pur!

Heinrich Hormann war seinerzeit auch der älteste Leser des Oldesloer Landboten. Länger als ein halbes Jahrhundert hindurch hatte der Oldesloer besondere Zeitungsausgaben aufbewahrt. Der Jahrgang von 1875 war wahrscheinlich der erste, den er damals als erst 19-jähriger Abonnent bezogen hatte. Und selbst als 94-Jähriger las der geistig rege Senior noch täglich alle Seiten des Landboten, wenn auch mit Hilfe einer Lupe. Ob er sich jemals hätte träumen lassen, dass seine so sorgsam verwahrten alten Zeitungen im Jahre 2014 wieder zutage kommen und sogar im Stormarner Tageblatt abgelichtet werden? „Das hätte ihn sicherlich sehr gefreut“, ist sich Urenkel Michael Hormann sicher.

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