Waffenbesitz, Brandstiftung, Fahren ohne Führerschein

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29. Mai 2015, 11:56 Uhr

Edwin T. (Name geändert) hat ein langes Vorstrafenregister. Auch eine elfmonatige Jugendhaft hatte den 24-jährigen Oldesloer offenbar nicht beeindruckt. Während der Bewährungsfrist wurde er wieder straffällig. Jetzt muss er sich vor dem Schöffengericht in Ahrensburg verantworten: Anhaltendes Fahren ohne Führerschein, unerlaubter Waffenbesitz, Brandstiftung heißt es in der Anklage.

In der Nacht zum 18. Juli 2013 soll er sieben Müllcontainer angezündet haben. In zwei Fällen breitete sich das Feuer aus und vernichtete einen Carport und einen Schuppen. Dabei gingen auch zwei Autos in Flammen auf. Allein den Sachschaden beziffert die Staatsanwältin auf 27 000 Euro.

„Ich kann bis heute nicht ruhig schlafen, mein Fenster ist jetzt immer offen“, sagt ein Zeuge aus. In jener Nacht wachte er durch ein Knacken auf. „Wir schliefen mit unserem Neugeborenen im Zimmer direkt über dem Carport und hatten großes Glück.“ Es gelang ihm noch, sein bereits brennendes Auto herauszufahren und mit einer Decke zu löschen. Zu spät, es wurde ein Totalschaden. Als die Feuerwehr brannte auch schon der Dachstuhl.

Zuvor war der Angeklagte einer Polizeistrafe aufgefallen, als er mit einem Kumpel in der Innenstadt unterwegs war. „Wir kannten ihn schon lange“, sagt die Polizistin, vor allem wegen Verkehrssachen.“ Kurz darauf begann die Brandserie. „Es war die Hölle“, sagt sie, „das habe ich noch nie erlebt.“ Der letzte Brand habe sich nahe der Wohnung des Angeklagten ereignet.

Der 24-Jährige verweigert jede Aussage. Sechs Wochen arbeitete er als Fahrer für einen Pizza-Service, bis die Polizei ihn stoppte. „Er hatte gerötete Augen“, sagt ein Beamter aus, „deshalb hatten wir Verdacht auf Betäubungsmittelkonsum.“ Ein Test ergab, dass die Beamten richtig lagen. Die Ermittlungen ergaben, dass T. auch keinen Führerschein hatte. Zudem war er mit einem „frisierten“ Mofa unterwegs.

„Er war viel zu schnell, deshalb habe ich ihn gestoppt“, sagt ein Beamter der Autobahnpolizei. Mit einem Kollegen hatte er gerade einen Alkoholsünder zur Blutprobe gebracht, als ihm das schnelle Mofa auffiel. Er ließ sich den Schlüssel geben, weil er noch einmal in die Praxis musste, und Edwin T. versprochen hatte, zu warten. Als der Polizist wieder herauskam, brauste das Mofa davon. „Er überfuhr eine rote Ampel und verschwand dann in der Fußgängerzone.“

Am nächsten Tag entdeckte er auf Streife den Roller und beschlagnahmte ihn. Die technische Untersuchung zeigte Manipulationen an Vergaser und Getriebe. Die Anwältin beantragte dennoch eine Untersuchung auf dem Rollenprüfstand. Wegen des fehlenden Zündschlüssels ist das noch nicht erfolgt. „Den stellen wir zur Verfügung“, sagt sie. Richter Ulf Thiele weist darauf hin, dass T. die zusätzlichen Kosten dafür tragen muss.

Schließlich geht es noch um den Waffenbesitz. Weil der Angeklagte einen Bekannten mit Schüssen aus einer Luftpistole traktiert hatte, durchsuchte die Polizei die Wohnung des 24-Jährigen, wo sie einen verbotener Wurfstern fand. Der Kreis Stormarn hatte daraufhin ein Waffen- und Munitionsverbot gegen Edwin T. verhängt.

Im November hatte seine Ex die Polizei gerufen, weil Edwin T. sich im Bad eingeschlossen und mit Selbstmord gedroht hatte. Die Beamten traten die Tür ein, weil er auf Ansprache nicht reagierte. Dann gab es ein Gerangel, bis er fixiert wurde. „Er hat sich vehement gewehrt“, sagt ein Beamter aus, „bei der Durchsuchung fanden wir ein Einhand-Messer in seiner Hosentasche.“

Der vermutlich wichtigste Zeuge erscheint am ersten Verhandlungstag nicht. Sein Vater entschuldigt ihn mit einer Darmgrippe, doch das reicht dem Gericht nicht. Er soll Edwin T. in der Nacht der Brandstiftungen begleitet haben. „Wir waren es“, soll er später vor einer ehemaligen Bekannten geprahlt haben. „Er lachte dabei“, sagt sie aus, „er liebt es, die Polizei zu verarschen.“ Die Staatsanwältin beantragt deshalb ein Ordnungsgeld von 100 Euro für den Abwesenden, zudem muss er die zusätzlichen Kosten des Verfahrens tragen.

Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt. „Wir können auch in ihrer Abwesenheit verhandeln“, ermahnt der Richter den Angeklagten. T. hatte eine fünfminütige Verhandlungspause auf 15 Minuten ausgedehnt, weil er sich etwas zu essen besorgen wollte.

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