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Reinfeld : Vorzeigehof: Hier lachen selbst die Hühner

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vom glücklichen Leben in Ställen auf Rädern. 900 Eier muss der junge Bauer täglich in der Schubkarre zum Hof transportieren. Die Kunden sind begeistert.

„Glückliche Hühner liefern ein qualitativ hochwertiges Ei mit einem auffallend gelben Dotter und einem intensiven Geschmack“, erklärt Landwirt Lars-Christian Wichmann vom Reinfelder Travenhof, während er direkt gegenüber des Eingangsportals zum Traditionshof an der B  75 an der Abzweigung nach Benstaben auf der grünen Wiese bei seinen Hühnern nach dem Rechten sieht. Die Hühner scharren sich sofort in Erwartung einer unerwarteten Zwischenmahlzeit um ihn herum. Alles in Ordnung – meint er. Die Hühner laufen auf einer großen Grünfläche, haben sich gegen die ungewohnte Sonne nach all den verregneten Tagen in den Schatten der mobilen Hühnerställe zurückgezogen, picken, scharren und suhlen sich. „So soll es sein“, sagt der 24-Jährige, der nach seinem Studium der Landwirtschaft in Kiel gemeinsam mit seinem Vater Johannes Wichmann den Hof betreibt.

Der Junior sorgte für ein drittes Standbein des „reinen Familienbetriebs“ – wie er es nennt. Zum konventionellen Getreideanbau und der Sauen- und Mastschweinhaltung sind jetzt gut 1000 Hühner der Rasse Lohmann braun hinzugekommen, die in drei Hühner-Mobilen leben und ein wahrhaft hühnerfreundliches Dasein führen.

Die artgerechte Haltung liegt dem jungen Landwirt ganz besonders am Herzen: „Ich wollte schon immer Hühner haben, aber die sollten nicht wie in der traditionellen Freilandhaltung leben.“ Deshalb kaufte er nach und nach drei mobile Hühnerställe, die jeweils Platz für 350 Hühner und sechs Hähne bieten. „Die Ställe werden je nach Witterung und Jahreszeit alle zwei bis sechs Wochen versetzt, so dass meine Hühner immer frisches Grün haben und sich beschäftigen können“, erklärt er. Bei der konventionellen Freilandhaltung sei bereits nach kurzer Zeit der Boden aufgescharrt und schwarz. Doch Bio-Haltung sei dies trotzdem nicht, sagt Wichmann, denn er füttere seine Hühner nicht mit Bio-Futter. Sein Futter sei konventionell, stamme aber – und darauf legt der ambitionierte Jungbauer großen Wert – aus regionalem Anbau. Auch seine jungen Legehennen bezieht er aus Poggenpohl, wenn sie 19 Wochen alt und kurz vor dem ersten Eierlegen sind.

„Ein glückliches Huhn legt im Durschnitt 320 Eier im Jahr“, so Wichmann. Da komme man schnell auf rund 900 Eier am Tag, die alle mit der Schubkarre vorsichtig von der Wiese zum Travenhof geschoben werden müssen. Ganz abgesehen von der Futter- und Wasserversorgung, dem Ausmisten, der Sortierung in verschiedene Größen und der Kennzeichnung der Eier nach den EU-Normen. Viel Arbeit, aber auch viel Leidenschaft. Er könnte es sich natürlich auch einfacher machen, aber das will Lars-Christian Wichmann nicht: „Es ist zwar mehr Arbeit und Zeit, aber meine Kunden wollen genau diese Eier.“ 10 Uhr morgens müssen alle Eier aus dem mobilen Stall geholt sein, dann öffnet er die Türen, schließt sie um 22 Uhr wieder. Ein Fuchs war schon zu Besuch hier, und Habichte sind die größten Feinde der Hühner. Die Hähne sind wichtig: Sie beschützen ihre Hühner. Im Stall haben die Legehennen Futter und Wasser, Scharr-Platz, genug Beschäftigung und können ein Sandbad nehmen.

„Ich bin froh, dass meine Kunden mir die Treue auch während der Geflügelpest gehalten haben“, so der Landwirt. Die Hühner mussten ein halbes Jahr lang im Stall bleiben, so dass aus Freilandhaltung Bodenhaltung wurde. Sie hätten diese Zeit aber ohne jeglichen Schaden überstanden. Nach einem Jahr Hühnerhaltung „schließt“ er jetzt eine Herde, denn das Legehuhn stoße nun an seine Grenzen, die Eierschale werde dünner, die Eier verlören an Qualität, würden zu groß und die Hühner bekämen dadurch Probleme. „Bald werde ich Suppenhühner verkaufen“, sagt er.

Der Travenhof vermarktet seine Eier selbst und hat neun Verkaufsstellen in der Region.
Der Travenhof vermarktet seine Eier selbst und hat neun Verkaufsstellen in der Region.

Neun Wiederverkaufsstellen hat er für seine Eier, die 3,50 Euro pro 10er-Karton kosten. Die Seefelder Landmilch liefert sie sogar aus. „ Ich stehe voll und ganz hinter meinen Hühnern“, so Wichmann, der einen Trend hin zur mobilen Hühnerhaltung erkennen kann, obwohl ihm in Stormarn noch kein zweiter Hof dieser Art bekannt sei. Ihm liege vor allem das Wohl der Tiere am Herzen, ihm mache seine Arbeit Spaß, sonst hätte er sicher nicht diesen Beruf gewählt. Und den übt er mit Leidenschaft aus.

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erstellt am 27.Jul.2017 | 06:00 Uhr

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