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Kirchensanierung Klein Wesenberg: : Vorsicht – wertvoll und zerbrechlich!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Restaurierung der Kirchenfenster in Klein Wesenberg hat’s in sich und ist nur was für Spezialisten.

Vorbei an blühenden Stockrosen und Sonnenhut führt der Kirchberg zum Klein Wesenberger Gotteshaus hinauf. Imposant sieht die 1884 erbaute Kirche aus. Der Besucher sieht sofort, dass hier kräftig restauriert und gearbeitet wurde. Nicht nur auf dem Außengelände hat sich so einiges getan, auch an der Kirche wird gewerkelt. Herbert Jansen und Wolfgang Lares von der Glasmalerei-Werkstatt Hein Derix aus Kevelaer bauen gerade die drei historischen Buntglasfenster aus. Drei Tage sind sie schon dabei.

Am Sonnabend soll auch das letzte drei Meter hohe und 1,30 Meter breite Fenster komplett ausgebaut sein. „Für den Ausbau muss man schon so lange rechnen, für den Wiedereinbau dann rund eine Woche“, erklärt Jansen. Er zeigt, wo die Bleiverkleidung zwischen den einzelnen Fenster-Ornamenten durch die Witterung brüchig geworden ist. „Hier wurde schon mal was ausgetauscht“, sagt er und deutet auf ein kleines Element. Blei halte rund 50 Jahre, dann müsse es ausgetauscht werden. Er und sein Kollege bauen das Fenster jedoch nicht im Ganzen, sondern in sechs einzelnen „Feldern“ aus. Jedes Feld misst 90 Zentimeter in der Länge und ist 60 Zentimeter breit. Wolfgang Lares steht auf dem Gerüst und reicht seinem Kollegen nach und nach die Glasfelder hinunter. Bloß nicht fallen lassen! Schwer sind die Elemente nicht, aber doch recht brüchig und daher weich und biegsam.

Das 1866 gegründete Familienunternehmen hat sich vor allem auf Kirchenfenster spezialisiert. In der Werkstatt wird noch alles mit der Hand gelötet. „Das ist bei historischen Buntglasfenstern auch gar nicht anders möglich. Man benutzt für alle Fenster nur ein Gerät – den Lötkolben“, so Jansen. Die Glaselemente werden auf einem Werkbrett festgeschraubt. Für die Klein Wesenberger Fenster bräuchten keine neuen Schablonen angefertigt werden. „Die Form ist noch gut erhalten“, so Jansen. Das Fenster wird komplett „entbleit“, anschließend wieder zusammengesetzt und gründlich gereinigt. Sechs Wochen rechnet er für die Restaurierung aller drei Fenster. Da müsse man sich aber schon ranhalten, meint er. Mitte Oktober sollen sie schließlich schon wieder eingebaut werden. Auch für die Reparaturzeit haben die Männer vorgesorgt: Mit ganz normalen Glas – ebenfalls aufgeteilt in sechs Felder pro Fenster werden die Fensteröffnungen vor Wind und Wetter geschützt.

Die Spezialisten haben die Quereisen gereinigt und zwei Mal grundiert, damit der Einbau nachher schneller geht. „Besser ist es, wenn man beim Einbau nachher ein Sturmeisen mehr anbringt, damit das Fenster länger hält“, sagt Lares. Die Buntglasfenster seien vor allem der nach außen drängenden Heizungsluft ausgesetzt. Das sehe man auch hier in Klein Wesenberg ganz deutlich. „Ich hoffe, dass die Ornament-Fenster wieder 50 Jahre halten“, sagt Pastor Erhard Graf. 1944 wurden die Fenster eingebaut – gerade noch rechtzeitig, bevor die ausführende Hamburger Firma ausgebombt wurde. „Sonst wären diese Fenster erst gar nicht nach Klein Wesenberg gelangt“, so der Pastor.

Buntglas benutzte man vor 70 Jahren vor allem, damit das Licht nicht zu sehr ins Kircheninnere schien. „So hell wie jetzt war die Kirche innen noch nie“, freut sich der Pastor über ein ganz ungewohntes Ambiente. Erntedank werde man wohl noch in der hellen Kirche feiern. Er rechnet mit Kosten von 30  000 Euro für alle drei Fenster. Zwei Drittel werde wohl die Kirchengemeinde tragen, die dafür eine Spende von mindestens 5000 Euro von der Dankwardt-Stiftung erhält, ein Drittel übernehme die Landeskirche und die Denkmalpflege. Da die drei Fenster „nur“ OrnamentFenster“ seien und „künstlerisch“ nicht so wertvoll wie das bereits restaurierte benachbarte Luther-Fenster, könne man sich zumindest die Sicherheitsverglasung und somit Kosten sparen.

Bevor die restaurierten Fenster wieder an ihrem gewohnten Platz eingetroffen sind, wird es im September eine Pflanzaktion geben, für die die Fielmann-Stiftung Geld zur Verfügung stellt. Pastor Erhard Graf: „Wir möchten, dass alles grün rundherum ist, aber die Kirche auch von weitem schon sichtbar ist – so wie es früher schon einmal war.“


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erstellt am 23.Aug.2015 | 06:30 Uhr

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