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Stormarner Tageblatt

20. November 2017 | 22:29 Uhr

Bad Oldesloe : Vorsicht, Klemmbrett-Diebe!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Dubiose Geldsammel-Aktionen angeblich für Taubstumme auf Oldesloer Parkplätzen. Die Polizei warnt vor der Betrugsmasche.

Sie laufen vor Polizeistreifen und Fragestellern weg, verschwinden für ein paar Wochen und dann tauchen sie doch wieder auf den Supermarktparkplätzen und in den Innenstädten auf: Betrüger und Trickdiebe mit Klemmbrettern. In dieser Woche waren wieder drei von ihnen auf dem Oldesloer Famila- und dem Hagebau-Parkplatz zu sehen. Holger Meier, Polizeisprecher der Polizeidirektion Ratzeburg, warnt vor der Betrugsmasche.

Sie tragen die typischen blauen Klemmbretter und sammeln angeblich Unterschriften und Geld für Taubstumme. Damit sie seriöser wirken, ist nicht nur ein Behinderten-Symbol auf den Lsiten zu sehen, sondern oftmals auch ein Logo des durchaus seriösen Vereins „Handicap international“. Dieser distanzierte sich allerdings schon mehrfach deutlich von den betrügerischen Sammelaktionen. „Seit vielen Monaten sind bundesweit Sammler unterwegs, die sich meist als gehörlos ausgeben. Sie behaupten auf ihrer Unterschriften- und Spendenliste, um Spenden für Projekte von Handicap International zur Unterstützung von behinderten Menschen zu werben. Dies geschieht jedoch nicht in unserem Auftrag. Wir behalten uns daher vor, Strafanzeige zu stellen“, so Eva Maria Fischer, Sprecherin des Münchener Vereins.

Die Klemmbrett-Betrüger haben unterschiedliche Dinge im Sinn. Die Unterschrift an sich ist ihnen in vielen Fällen egal – dient sie doch nur zur Kontaktaufnahme mit dem Opfer. Es gibt aber auch Fälle, in denen nach Anschriften und E-Mail-Adressen gefragt wird. Davor warnen Daten- und Verbraucherschützer. Es sei immer besser, sich nur Infomaterial geben zu lassen und eventuell später zu spenden. „Informieren Sie sich in Ruhe über die Ziele und die Verwendung des Geldes, unabhängig von aktuellen Spendenaufrufen“, lautet ein Hinweis der Verbraucherzentrale.

Oftmals wird durch die angeblich Taubstummen dann nach der Unterschrift darum gebeten, noch ein paar Euro zu spenden. Einige der Betrüger scheinen sich damit zufrieden zu geben, wenn sie sich auf diese Weise etwas Geld erschleichen. Zumeist beginnt aber genau da erst ihr Interesse an dem Opfer: „Es geht ihnen nicht um die Unterschrift, sondern zumeist ist die nur das Ablenkungsmanöver für einen folgenden Trickdiebstahl“, so Holger Meier. Leider sei diese Masche solange erfolgreich, wie Menschen auf sie reinfallen: „Wir können nur einschreiten, wenn das Kind schon im Brunnen ist. Es braucht eine Straftat und eine Strafanzeige. Dann können wir eine Fahndung ausrufen.“ Es gebe allerdings Fälle, bei denen der Diebstahl gar nicht sofort bemerkt oder nicht zur Anzeige gebracht werde, durchaus auch aus Scham auf einen Betrug reingefallen zu sein.

Die Mittel der Polizei sind ohne Strafanzeigen begrenzt: Im Prinzip sei es den potenziellen Straftätern erstmal nicht verboten, sich auf einem Parkplatz oder auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten, solange sie nicht sicht- und nachweisbar straffällig werden. „Wenn es natürlich um Nötigung geht oder Personen übergriffig werden, Autotüren öffnen und so weiter, dann muss Anzeige erstattet werden“, macht Meier deutlich. Das sei in letzter Zeit aber nach seinem Kenntnisstand nicht passiert. „Wir können daher da nur sensibilisieren und darauf hinweisen. Aber am Ende ist jeder Bürger für sich selbst verantwortlich. Es ist wichtig, solche Unterschriften nicht zu leisten, nicht auf diese Menschen einzugehen, skeptisch zu sein oder eben vor allem auch anzuzeigen, wenn es zu Diebstahl, Beleidigung oder Tätlichkeit gekommen ist“, so Meier weiter.

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