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Bargteheide : Vorschläge der Bürger gefragt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Premiere im Bargteheider Planungsausschuss: Es wurde eine neue Form der Beteiligung ausprobiert. Als brrisantes Thema stellte sich erneut der Krähenwald heraus.

Eine neue Form der Bürgerbeteiligung wurde in Bargteheide ausprobiert. Der Planungsausschuss hatte dazu Experten und Moderatoren eingeladen, die im zweiten Teil der Sitzung an vier Thementischen die Vorschläge der Bürger dokumentierten. Sie sollen in die weiteren Beratungen einfließen. Thema war wieder einmal der Krähenwald, das Grundstück auf der Ostseite der Bahn mit einem großen Baumbestand.


Leerstand 1,4 Prozent

Für Bargteheide wird ein Bevölkerungszuwachs bis zum Jahr 2030 von 2090 Einwohnern oder 1240 Haushalten prognostiziert. „Das ist eher zu niedrig angesetzt“, so Moderator Sebastian Lopitz. Zur Wohnungssituation präsentiert er Zahlen. „Der Leerstand beträgt zurzeit 1,4 Prozent.“ Das sei sehr niedrig und drücke die Mietpreise hoch. Die Mieten für Sozialwohnungen liegen im Schnitt zurzeit bei knapp 6 Euro pro Quadratmeter, für frei finanzierte bei 8,82 Euro. Erwartet wird ein Mietanstieg auf gut 7 beziehungsweise knapp 12 Euro bis zum Jahr 2030.

Bisher seien 600 Wohneinheiten in der Planung, sagt Bauamtsleiter Jürgen Engfer: „Es gibt zurzeit nicht genug Flächen für weiteren Wohnungsbau.“ Die könnten aber später im Bereich westlich des Fischbeker Wegs ergänzt werden. Die Zahl der Sozialwohnungen geht zurück, weil sie meist nach 35 Jahren aus der Mietpreisbindung fallen. Zurzeit gibt es 220 Sozialwohnungen, ohne Zubau sinke die Zahl auf 70 im Jahr 2040, so Lopitz. Da könnten 80 bis 100 zusätzliche Wohneinheiten An den Stücken schon preisdämpfend wirken. Die Hälfte davon soll sozial gefördert werden.

Günstige Kredite schaffen angesichts des Zinstiefs kaum Anreize für Investoren. Sie können heute nur mit günstigen Kaufpreisen für Grundstücke motiviert werden. Und da liegt schon ein weiteres Problem, denn nur drei Viertel der Fläche gehört bisher der Stadt, der Rest einem Privateigentümer. Und der hat noch keine Verkaufsbereitschaft signalisiert.

„Das Boot ist voll in Bargteheide“, kritisiert Naturschützer Karl Dziomba vom BUND. Mit 1029 Einwohnern pro Quadratkilometer sei Bargteheide im Vergleich zu den Nachbarstädten bereits extrem verdichtet. Jürgen Schoop befürchtet, dass auch die Wurzeln der verbleibenden Bäume beim Bau geschädigt werden.

„Der Artenschutz ist die größte Hürde bei der Planung, die untere Naturschutzbehörde hat erhebliche Bedenken“, so Stadtplaner Waldemar Barkmann. Das gelte besonders für die Saatkrähenkolonie auf dem Grundstück. „45 von 75 Nestern wären betroffen“, sagt Diplombiologe Dr. Stefan Greuner-Pönicke. Sie könnten auf einer Grünfläche nördlich des Gebiets neuen Lebensraum finden, ein Teil würde aber auch ins Stadtgebiet auswandern.

Als Ausgleich für den Gehölzverlust von 46 Bäumen müsse ein halber Hektar Wald östlich des Gebiets angepflanzt werden. „Das muss geschehen, bevor eine Bebauung beginnt“, betont Greuner-Pönicke. Auch 15 mardersichere Nistkästen für die Trauerschnäpper seien erforderlich. Jedenfalls ist das Planungsverfahren heute noch völlig offen.


Natur und Lärm
Es soll einen weiteren Bürgerdialog zur Stadtentwicklung geben, auch sollen Vorschläge von Studenten der Hafencity-Universität erneut geprüft und aktualisiert werden. Die etwa 40 Teilnehmer der Sitzung sind vor allem um Naturvernichtung und Lärm besorgt. Es waren noch mehr Interessierte erwartet worden, weshalb die Sitzung in die Aula der Dietrich-Bonhoeffer-Schule verlegt wurde. Engfer wertet das dennoch als Erfolg: „Für eine ganz neue Form der Bürgerbeteiligung ist das zufriedenstellend.“



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