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Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 18:37 Uhr

Mühlenrade : Vorfreude auf das Landleben

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Theresien-Gruppe des Oldesloer Kinder- und Jugendheims St. Josef zieht nach Mühlenrade.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Nach monatelanger Planung und Renovierung ist der Hof, auf den die Theresien-Gruppe ziehen soll beim Feinschliff. Zehn Jugendliche – sieben Jungen und zwei Mädchen, ein Platz wird noch vergeben – ziehen ab Ende September auf den alten Bauernhof, der von Johannes Langhans bereitgestellt wurde. Seit Jahren in Familienbetrieb, wird der Hof nun St. Josef für die neue Außenwohngruppe überlassen.

„Ganz Mühlenrade freut sich sehr, bei so einem Projekt teilhaben zu dürfen. Die Jugendlichen werden herzlich von uns empfangen und aufgenommen“, freut sich r Bürgermeister Bernd Salomon. Nach einigen Bedenken der Anwohner, die in Bürgerversammlung und persönlicher Vorstellung des ganzen Hauses St. Josef schnell aus zerstreut werden konnten, steht das Projekt. „Die Jugendlichen sind alle voller Vorfreude auf ihren Umzug. Eigentlich können sie es kaum erwarten. Schon bei den gemeinsamen Arbeiten zum Zaun setzen oder Zimmer streichen waren sie kaum zu bremsen“, berichtet Silke Engelhardt, Gruppenleiterin und Bereichsleitung der Intensivpädagogik.

Im Schnitt lebt die Theresien-Gruppe seit zwei Jahren zusammen und hat ein sehr enges Verhältnis untereinander. „Wenn man die Jugendlichen fragt, hört man nur: Wir sind die Theresien-Gruppe! Die meisten sind traumatisiert von ihrer Vergangenheit. Deshalb ist es sehr wichtig, Vertrauen aufzubauen, dass viele schon verloren haben“, sagt Engelhardt.

Zusammen mit Silke Engelhardt und Jan Ermoneit, Stellvertretender Gruppenleiter und Anti-Gewalt-Trainer hat die Heimleiterin Birgit Brauer für die Theresien-Gruppe eine besondere Art der Unterbringung gefunden. „Das Leben auf dem Hof soll vor allem der Selbstständigkeit und Übernahme von Verantwortung dienen. Viele bereiten wir inzwischen auf ein selbstständiges Leben vor“, erzählt Silke Engelhardt stolz.

Der Hof soll im Laufe der Zeit zu einem Selbstversorgerhof werden. Mit einem eigenen Hühnerstall und Gemüsegarten lernen die Jugendlichen sich gemeinsam zu versorgen und mithilfe von Tieren, Verantwortung zu lernen. „Tiere füttern sich halt nicht von alleine“, meint Jan Ermoneit.

Pferde, Hühner, Hunde und Katzen werden dem Hof Leben verleihen und für verschiedene Übungen zur Stärkung des eigenen Bewusstseins und des Selbstbewusstseins da sein. Von Reittherapie bis hin zu Agility wird es viele neue Aufgaben für jedermann geben. Doch nicht nur Tiere sorgen für Programm, auch weitere Aufgaben und Aktivitäten haben sich die Mitarbeiter des St. Josef ausgedacht und die Jugendlichen abstimmen und wählen lassen. Zu den Aktivitäten zählen noch pädagogisches Boxen, Anlagenpflege, eine Holzwerkstatt, ein Teich zum Angeln und ein Hip-Hop-Projekt, welches zusammen mit Anti-Gewalt-Trainern entwickelt wurde. Hier können die Jugendlichen ihre Gefühle und Erlebnisse in Texten verarbeiten und musikalisch vortragen.

„Natürlich hat hier trotzdem jeder seine Freizeit für Hausaufgaben, Freunde oder Familie. Aber so ein Rahmenprogramm hilft den Kindern, denn ein geregelter Tagesablauf mit Struktur bietet Halt und einen Weg zum Entlanghangeln“, sagt Birgit Brauer.
Auf dem Hof in Mühlenrade hat jedes Kind sein eigenes Zimmer. Dazu kommen eine Ess- und Wohndiele, ein Gemeinschaftsraum, eine große Küche und viele Außenanlagen, wie die Ställe und Weiden.

Nach abgeschlossener Arbeit versammeln sich die Betreuer, welche rund um die Uhr mindestens zu zweit da sind, mit den Kindern in der Diele, um noch einmal den Tag zu reflektieren. Das hilft abzuschließen und in einen neuen Tag starten zu können. Allgemein ist die Stimmung mehr als positiv und alle Beteiligten freuen sich.

„Natürlich bedeutet es für uns alle mehr Arbeit und Zeitaufwand, aber das machen wir gerne. Vor allem bei so viel Unterstützung von überall her“, freut sich Birigt Brauer. Viele Bewohner haben sich angekündigt, zu helfen oder Sachen vorbeizubringen, die fehlen. Denn vor allem am Gemüsegarten muss noch viel getan werden.
„Noch ist nicht alles fertig, das kann auch noch dauern. Wir freuen uns erstmal darauf, bald einziehen zu können“, sagt Engelhardt. Und auch Mühlenrade wirkt sehr stolz auf sein neues Projekt.

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