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Stormarner Tageblatt

17. August 2017 | 04:31 Uhr

Von Reinbek nach Ghana

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Erfahrungsbericht eines Freiwilligen: Sechs Wochen lang arbeitete der 19-jährige Jonas Fiedler als Freiwilliger an zwei Schulen in Tamale.

Kinder kreischen vor Freude auf dem Schulhof, jagen einem Fußball hinterher und jubeln bei jedem Tor. Es ist 11 Uhr vormittags an einer Schule außerhalb der Stadt Tamale im Norden Ghanas. Im Sportunterricht trainiert der 19-jährige Jonas Fiedler Fußball. Seine Schüler sind zwischen sieben und elf Jahre alt und begeistert.

Fußball genießt in Ghana Kultstatus, die Nationalmannschaft hat sich bereits für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien qualifiziert. Ganz so weit waren Jonas’ Jungs noch nicht. „Manche hatten aber wirklich Talent“, sagt Fiedler. Er kann das beurteilen: Seit Jahren ist der Reinbeker aktiver Fußballer und spielt derzeit für den TuS Aumühle. Sechs Wochen lang arbeitete er als Freiwilliger an zwei Schulen in Tamale.

Nach dem Abitur wollte Jonas unbedingt ein anderes Land kennenlernen und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun. Seine Wahl fiel auf Ghana. Eine Bekannte hatte ihm von ihren Erfahrungen in Afrika berichtet, außerdem hatte er schon einmal mit ghanaischen Jugendlichen in einer Mannschaft gespielt. Jonas fand sein Wunschprojekt über das Internet und entschied sich zur Teilnahme an einem Angebot der Freiwilligen-Organisation VoluNation.

Aber wie verläuft ein typischer Arbeitstag eines Freiwilligen in Ghana? Nach dem Frühstück wurden Jonas und andere Freiwillige mit dem Bus von der gemeinsamen Unterkunft abgeholt und zu ihren Schulen gefahren. Das Fußballtraining begann jeden Tag um 10.30 Uhr, bis dahin unterrichtete Jonas Mathe und Englisch. Mittagessen gab es gegen 12.30 Uhr.

Nachmittags half Jonas an einer Mädchenschule in Tamale beim Englisch-Lesunterricht. Obwohl Englisch in Ghana die Amtssprache ist, sprechen viele Schüler fast nur das um Tamale verbreitete Dagbani. „Mit den Schülern musste ich mich zum Teil mit Händen und Füßen verständigen. Besonders schön war es aber, die Fortschritte im Englischunterricht zu erleben“, sagt Jonas.

Zum Abendessen versammelten sich Jonas und Freiwillige aus anderen Projekten von VoluNation wieder in der Unterkunft. Spannend sei auch der Kontakt zu Freiwilligen aus Kanada, Dänemark und Spanien gewesen, mit denen er an den Wochenenden zahlreiche Ausflüge gemacht habe, so Fiedler. Die kulturellen Unterschiede des Gastlandes machen sich auch beim Essen bemerkbar. „Besteck gibt es in Ghana nicht, selbst Geschäftsleute essen im Restaurant mit den Händen“, erzählt Jonas. Begeistert war er vom Nationalgericht Fufu. Der klebrige Kloß aus Maniok wird mit einer leckeren Soße serviert. Mit der Hand formt man sich mundgerechte Brocken, tunkt sie in die Soße und schluckt sie ohne zu kauen herunter.

Ein Erlebnis der besonderen Art war für den Fußballer Jonas, im Stadion von Tamale spielen zu können. Der Handelsminister Ghanas hatte Jugendliche aus Tamale zu einem Fußball-Turnier ins Stadion geladen. Auch die Freiwilligen durften dabei sein. „In einem so großen Stadion hatte ich vorher noch nie gespielt“, freut sich Jonas. Mehr als 20.000 Besucher passen hinein, etwa so viele, wie ins Stadion am Millerntor.

Jonas bereitet sich jetzt auf sein Studium vor. Er würde wieder im Ausland als Freiwilliger arbeiten, zog Fiedler Bilanz seiner Freiwilligen-Arbeit. „Ich kann jedem nur empfehlen, einmal eine solche Erfahrung zu machen.“


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erstellt am 05.Mai.2014 | 15:19 Uhr

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