Stormarner Wochenschau : Von nix wird nix besser

„Wir sind bald am Ziel ...“ Karikatur: Megi Balzer
„Wir sind bald am Ziel ...“ Karikatur: Megi Balzer

Betrachtungen zum Wochenausklang.

Andreas Olbertz. von
07. Juli 2018, 08:00 Uhr

Abgefahren

Freunde der sportlichen Fortbewegung, genug pedaliert für dieses Jahr. Das Stadtradeln ist schon wieder vorbei. Zigtausende Kilometer sind dafür auch in Stormarn dieses Jahr wieder zurückgelegt worden. Wobei ... „dafür“ trifft es natürlich nicht, denn viele Strecken werden ohnehin gefahren. Da wird nicht die Bohne Kohlendioxid eingespart, wenn der ADFC seine Radtouren einträgt oder Klassen ihren Weg zur Schule und wieder zurück.

Ja, okay, der eine oder andere mag dazwischen sein, der bei einer solchen Aktion feststellt: Radfahren ist ja gar nicht schlimm, das fühlt sich sogar gut an. Geschenkt. Stadtradeln ist und bleibt eine Alibi-Veranstaltung. Wer nachhaltig Begeisterung fürs Radfahren wecken will, der muss die Bedingungen für Pedalisten verbessern, der muss in die Infrastruktur investieren. Seit wie vielen Jahren wird beispielsweise über vernünftige Abstellmöglichkeiten am Oldesloer Bahnhof diskutiert ohne, dass es spürbare Verbesserungen gibt? Die Radspur längs der Oldesloer Hagenstraße ist nicht nur eine Zumutung, sie ist auch gefährlich, und in der Lübecker Straße stand plötzlich ein Gerüst auf dem Radweg. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Niemand würde es wagen, Autofahrer so zu behandeln, mit Radlern kann man es ja machen. Aber Hauptsache schön beim Stadtradeln dabei. Da zeigt sich leider, dass in Sachen umweltfreundlicher Mobilität erst wenig bis gar nichts erreicht ist – zu groß ist immer noch die Dominanz des Autos. Es ist noch ein langer Weg, ehe sich in den Köpfen der Planer und Entscheider in dieser Hinsicht etwas ändert.

Drumherum

Den Exer einzäunen? Einige hätten das natürlich nur zu gerne. Aber bislang zeigt Politik keinerlei Neigung, an der bestehenden Situation etwas zu ändern. Dafür wird der Kunstrasenplatz von Kindern und Jugendlichen einfach viel zu gut angenommen, da ist ständig Betrieb – jenseits des Vereinssports. Die Klagen oder Anträge des VfL sind einfach zu durchsichtig. Dem Sportverein geht es in erster Linie um ureigene Interessen, da geht es um Machtspielchen und Geld. Wenn echte „Platznot“ eine Rolle spielen würde und vermehrt verlässliche Trainings- und Ligaspielzeiten benötigt werden – bestimmt kein Problem, der SV Türkspor stellt die im Kurpark mit Sicherheit gerne zur Verfügung. Aber dann müsste sich der VfL ja an den Kosten beteiligen – und das hat er in der Vergangenheit immer abgelehnt. Von daher kann die Not nicht so groß sein.

Aber – um es in aller Deutlichkeit zu sagen – das ist natürlich kein Freibrief für irgendwelche Deppen, den Platz zu verhunzen! Auch wenn kein Zaun den Zutritt beschränkt, bedeutet das nicht, dass dort wilde Sau gespielt werden darf. Es gibt klare und eindeutige Regeln auf dem Kunstrasen. Da muss man nicht mal des Lesens kundig sein, die entsprechenden Schilder sind auch so verständlich.

Wohl wissend, dass die Regeln zu gewissen Anlässen leider nicht beachtet werden, und trotzdem nichts ernsthaft zum Schutz des Platzes unternommen wird, ist fahrlässig. Oder steckt da System hinter? Bereitet Bürgermeister Jörg Lembke da bewusst schon mal das Feld für seine Kumpels vom VfL vor, in der Hoffnung, dass Politik schon für eine Käfiglösung stimmen wird, wenn die Kosten für Reinigung und Reparatur Überhand nehmen?

Zum Vergleich: Als ein Hausmeister im Kub verletzt wurde, musste sofort ein Sicherheitsdienst anrücken, ohne einen politischen Beschluss. Da spielte Geld offenbar keine Rolle. Natürlich ist eine Körperverletzung nicht mit Sachbeschädigung gleich zu setzen, aber der Wille, etwas zum Schutz der Anlage bei maximaler Offenheit zu tun, ist aktuell nicht erkennbar.

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